Demichelis sauer

Der FC Bayern hat die Chance auf drei Titel - und dennoch gibt es Kritik. Im Mittelpunkt: Die Abwehr des Rekordmeisters. Martin Demichelis weiß, dass Kritik in München "normal" ist. Für den Argentinier ist aber klar: "Die Abwehr des FC Bayern ist das Beste, was die Bundesliga zu bieten hat."

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Es könnte die Saison des totalen Triumphes werden.
Drei Titel hat der FC Bayern auf der Zielgeraden der Spielzeit 2009/2010 im Visier. Nach dem Einzug ins Champions-League-Halbfinale gegen Manchester United träumt München sogar schon wieder vom Gewinn der "Königsklasse". Die Meisterschaft ist ohnehin das erklärte Hauptziel des Vorstands. Und den DFB-Pokal will man auch noch gerne mitnehmen.
Doch irgendwie scheint niemand dem Braten so recht zu trauen. Zuletzt mahnte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vor allzu großer Selbstsicherheit: "Wir haben noch nichts gewonnen. Ich warne davor, frühzeitig das Fell des Bären zu verteilen."
"Achillesferse Abwehr" nur eine gefühlte?
Anlass für das Naserümpfen in der Chefetage, vor allem aber bei den Fans, ist die Abwehr. Sucht man ein Haar in der bayerischen Suppe, ist es die Defensive. "Hinten sind wir viel zu schlecht", stellte auch Ehrenpräsident Franz Beckenbauer fest. Trainer Louis van Gaal machte aus seiner "Eifersucht" auf die defensive Ordnung von Manchester United keinen Hehl.
Was aber sagen die Statistiken? Fakt ist: In den bisherigen 45 Saison-Pflichtspielen stand beim FCB 13 Mal die "Null". In der Zweikampfbilanz stehen die Münchner mit einem Durchschnittswert von 52 Prozent gewonnener direkter Duelle nicht schlecht da. Mit nur 28 Gegentoren gehört die Bayern-Abwehr zu den besten der Liga.
Ist die "Achillesferse Abwehr" also nur eine gefühlte? Für Martin Demichelis ist die Antwort klar. "Es ist ja ein Wahnsinn, was hier passiert", sagt der Innenverteidiger der Münchner im Pressetalk an der Säbener Straße hinsichtlich der Kritik an der Defensive. "Die Leute müssen immer irgendetwas finden, das sie kritisieren können. Wir stehen im Halbfinale der Champions League, spielen um die Meisterschaft mit und haben die Chance, den DFB-Pokal zu gewinnen - und werden trotzdem kritisiert", echauffiert sich der Argentinier über das seiner Ansicht nach mangelnde Vertrauen der Öffentlichkeit.
"Ich weiß, wie es läuft"
Auch Shootingstar Holger Badstuber, der unter Trainer Louis van Gaal innerhalb kürzester Zeit zum Stammspieler avancierte, stören die Diskussionen über die angebliche Schwachstelle des FC Bayern. "Ich denke, dass wir eine starke Abwehr haben, die überall mithalten kann", sagt der erst 21-Jährige im Hinblick auf die Aussage Rummenigges in einem Interview mit der "Bild", es könne sein, "dass wir in der Defensive was machen", selbstbewusst. Aber: "Wenn Karl-Heinz Rummenigge das meint, dann kann ich nichts daran ändern", so Badstuber.
Demichelis, der seit Juli 2003 für den FC Bayern spielt, kann den Unmut seines acht Jahre jüngeren Kollegen nachvollziehen. "Vielleicht tut Holger die Kritik weh, er ist ja noch ein junger Kerl, spielt seine erste Saison in der Profimannschaft des FC Bayern", sagt der 20-fache Nationalspieler. "Ich habe allerdings viel Erfahrung und weiß, wie es läuft. Ich weiß, dass Kritik normal ist."
Dennoch wurmt Demichelis das andauernde Infragestellen der Münchner Defensive. "So etwas habe ich in den sieben Jahren, die ich hier spiele, noch nicht erlebt. Klar, bei einem Verein wie dem FC Bayern München, der zu den besten der Welt zählt, ist das normal. Aber ich denke, dass es im Moment der falsche Zeitpunkt ist, uns zu kritisieren", wirbt "Micho" für mehr Unterstützung. "Wir Spieler benötigen in dieser Phase der Saison das Vertrauen der Fans. Wir haben noch mindestens sieben, vielleicht sogar acht wichtige Spiele vor uns. Wir wollen zeigen, dass wir als Mannschaft dieser Aufgabe gewachsen und wir Verteidiger die richtigen für die Abwehr des FC Bayern sind."
Das Beste, was die Bundesliga zu bieten hat
Denn aus Sicht Demichelis' gibt es keinen Handlungsbedarf bezüglich der Viererkette. Er weiß aber auch, dass der Argwohn nur mit Leistung vertrieben werden kann: "Wir haben ja noch genug Gelegenheiten, die Fans, den Trainer und den Vorstand von uns zu überzeugen." Denn der 29-Jährige ist sich sicher: "Die Abwehr des FC Bayern ist das Beste, was die Bundesliga zu bieten hat." Zwar habe man in Manchester im Viertelfinalrückspiel der Champions League "drei Gegentore in nur 40 Minuten kassiert. Aber wir wissen ganz genau, wo wir ansetzen und korrigieren müssen. Schließlich ist die ganze Mannschaft für die Defensive verantwortlich."
Das betont auch Badstuber, der es "komisch" findet, dass "immer nur über die Viererkette geredet wird. Alle müssen Abwehrarbeit verrichten. Aber wenn das einer nicht tut, dann haben wir hinten natürlich ein Problem."
Ein Problem, das gerade im Saison-Endspurt von einem bloß "gefühlten" urplötzlich zu einem höchst schmerzhaften werden kann...
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