Ultras maßregeln Neuer

Manuel Neuer ist das königsblaue Gerstenkorn in den Augen der roten Münchner Ultrà-Szene. Bereits vor seiner Verpflichtung hatte sich der harte Kern der Südkurve unzweideutig gegen den Neuzugang aus dem Revier positioniert. Nun gab es ein Treffen zwischen Vertretern der Szene und dem Nationalkeeper.

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Aus München berichtet Michael Wollny
Wann er sich denn mal mit den Ultras zu einem klärenden Gespräch treffen würde?, hatte die Frage von eurosport.yahoo.de gelautet.
"Es wird beizeiten mal ein Gespräch geben". Mediendirektor Markus Hörwick hatte anstelle von Manuel Neuer beim Pressegespräch im Mannschaftshotel des FC Bayern geantwortet.
Es ging schließlich um ein sensibles Thema, um das Spannungsverhältnis zwischen dem Nationalkeeper und dem harten Kern der Südkurve. Kurz vor dem Trainingslager des FC Bayern im Trentino hatte es ein Treffen zwischen Vereinsführung und Fans gegeben. Noch ohne Neuer. Und vor allem ohne befriedigende und befriedende Wirkung.
Keine inhaltliche Distanz zur Aussage
"Ich bin felsenfest davon ausgegangen, dass die Dinge nach dem Runden Tisch vom letzten Samstag final geklärt waren", hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor Medienvertretern im norditalienischen Arco sichtbar geladen erklärt. "Als ich dann gehört habe, was hier los ist, da war ich stocksauer."
Das Spruchband des "Inferno Bavaria" hatte bei Rummenigge nach eigenen Angaben "fast einen Tobsuchtsanfall" ausgelöst. "Du kannst auch noch so viele Bälle parieren, wir werden dich in unserem Trikot nie akzeptieren", hatte man dort vor dem Testspiel gegen eine Regionalauswahl lesen können.
Die "Schickeria" hatte sich noch am selben Abend bei der Klubführung gemeldet und darauf verwiesen, dass sie nicht Urheber des Spruchbandes sei. Als Distanzierung, wie der FC Bayern die Aussage deutete, wollte es die größte Ultrà-Gruppierung der Bayern aber nicht verstanden wissen. "Wir haben lediglich darauf hingewiesen, dass das Spruchband nicht von unserer Gruppe, sondern vom Inferno Bavaria gezeigt worden ist. Das stellt für uns keine inhaltliche Distanzierung dar", erklärte die Gruppe später auf ihrer Webseite.
Stellungnahme mit drohendem Unterton
Noch im Trentino hatte die "Schickeria" gegenüber eurosport.yahoo.de bestätigt, dass man zukünftig keine weiteren Aktionen gegen Manuel Neuer planen, in der Sache aber an seiner Meinung festhalten würde. Diese Meinung wurde nun wohl auch in jenem Gespräch unterstrichen, das bereits im Trentino angekündigt worden war. Gestern Abend trafen sich Neuer und die Ultrà-Szene des FC Bayern. Danach formulierten "Schickeria München", "Munichmaniacs 1996", "Inferno Bavaria", "alarMstufe rot" und "Munichs Red Pride" eine Stellungnahme, die in ihrer prätentiösen Wortwahl durchaus irritiert.
"Ihm wurde von uns mitgeteilt, wie er sich zukünftig in Bezug auf unsere Kurve zu verhalten hat", heißt es dort mit ungeschminkter Dreistigkeit. An der ablehnenden Haltung ändere sich zwar nichts, doch "wenn sich Manuel Neuer an die besprochenen Verhaltensregeln und eine respektvolle Distanz hält, wird es keine weiteren organisierten Proteste und Aktionen geben."
Worte, die eine unverholene Drohung mit fragwürdiger Aussage transportieren: Neuer spielt auf Bewährung. Der Verein reagiert recht gelassen auf die Stellungnahme: "Natürlich kann eine Minderheitsgruppe nicht fordern, dass sich ein Spieler so oder so zu verhalten hat", erklärt Trainer Jupp Heynckes gegenüber der "Bild". Uli Hoeneß wird noch deutlicher: "Ich kann mir gut vorstellen, dass es den übrigen Zuschauern dermaßen auf die Nerven geht, dass sie diese Leute irgendwann aus der Arena rausbrüllen werden", meint der Präsident gegenüber der "tz".
Neuers Verbindungen zu UGE
In der Öffentlichkeit wird oftmals Neuers Kahn-Imitation beim Jubel mit der Eckfahne als Grund für die Ablehnung ausgemacht. Was für einen Teil der Südkurvenfans durchaus zutreffen mag, gilt jedoch nicht für den harten Kern. Der Szene sind vielmehr Neuers Verbindungen zu den rivalisierenden Ultras Gelsenkirchen ein Dorn im Auge und eine damit verbundene Ignoranz gegenüber den ureigenen Idealen der Ideologie.
"Es steht vollkommen außer Frage, dass die Mitgliedschaft bei Ultras GE mit dieser Aktion erlischt, worüber wir ihn selbstverständlich informiert haben", hatten die Schalker Ultras bereits im April in einer Stellungnahme verkündet. "Sein Verhalten tritt nicht nur die Werte unzähliger Schalker mit Füßen, sondern zusätzlich auch noch die Werte vieler eingefleischter Münchner, die den Transfer ebenfalls ablehnen."
Tiefe Gräben - unüberbrückbar?
Dabei dürfte der Begriff "viel" allerdings recht dehnbar sein. Schließlich war dem Keeper bei der Saisoneröffnung in der Münchner Arena eine große Welle der Sympathie entgegen geschlagen.
"Da war ich schon erleichtert. Ich wusste ja nicht genau, was mich erwarten würde", hatte Neuer im Trentino auf Nachfrage von eurosport.yahoo.de erklärt. "Dass es so positiv werden würde, das hätte ich selbst nicht gedacht. Es war schön, den Rasen zu verlassen und zu wissen, dass alles gutgegangen ist."
Absolute Weltklasse im Tor und gewinnend sympathisch neben dem Platz - Fakt ist, dass Manuel Neuer enormes Potenzial zum Publikumsliebling hat. Dabei werden sich die (an)treibenden Kräfte der Südkurve aber wohl außen vor lassen. Die Ultras haben schließlich selbst Gräben gezogen, die sie nicht überspringen wollen.
Für Szene-Kenner Neuer dürfte diese Situation nicht überraschend sein, doch er wird sie meistern - mit Rückendeckung durch die moderate Mehrheit.
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