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Brennpunkt Bastian Schweinsteiger: FC Bayern oder Manchester United mit Louis van Gaal?
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Publiziert 10/07/2015 um 16:27 GMT+2 Uhr
Kein Thema beschäftigt die Fans des FC Bayern München momentan so emotional, wie das Rätselraten um Bastian Schweinsteiger. Geht Schweinsteiger zu Manchester United? Bleibt Schweinsteiger beim FC Bayern?
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Und falls er geht: warum?
Und falls er bleibt: wieso?
Die Causa Schweinsteiger polarisiert. Und so gibt es für jede dieser Fragen gut begründete Antworten. Die finale kann nur Bastian Schweinsteiger selbst liefern. Wie die lauten wird? - "Warten wir mal ab", meint Karl-Heinz Rummenigge.
Schweinsteiger? - Schau mer mal...
Der Bayern-Boss hatte mit dem Publikumsliebling telefoniert und dabei herausgehört, "dass ihm das Interesse aus England schmeichelt". Schweinsteiger träumt seit Kindheitstagen den Traum von England, heißt es. Nun also ist es so weit und das Münchner Eigengewächs muss entscheiden, ob es dem Lockruf von Louis van Gaal folgen und den Traum leben will.
Der Vertrag in München läuft im Sommer 2016 aus. Wie es darüber hinaus weitergeht oder eben auch nicht, über diese Frage will man sich in der Vereinsführung des FC Bayern in wenigen Tagen mit Schweinsteiger zusammensetzen.
Bei den Fans scheinen die Meinungsverhältnisse längst geklärt. Es gibt Befürworter einer Trennung, da man dem 30-Jährigen spieltaktische Statik und Defizite in der Handlungsschnelligkeit unterstellt. Schweinsteiger, so wird argumentiert, habe seine besten Tage bereits hinter sich.
Doch dieses Meinungslager, das muss man betonen, stellt eine klare Minderheit. Ein Großteil der Fans wünscht sich unbedingt einen Verbleib des "Fußballgottes".
Einerseits, weil sie wie Louis van Gaal immer noch von den Qualitäten des Mittelfeldspielers überzeugt sind. Vor allem aber auch, weil es schlichtweg ums Prinzip geht.
Im Selbstverständnis der Fans haben Spieler wie Philipp Lahm, aber auch Thomas Müller und eben Bastian Schweinsteiger festgeschriebene Ablösekriterien in ihren Verträgen, die mit keinem Geld der Welt zu erfüllen sind.
Es geht um eine Unverkäuflichkeit, die über das Argument der einzigartigen Weltklasse weit hinausgeht. Unverkäuflichkeit einer der seltensten Werte im modernen Profi-Fußball: Identität.
Tradition gegen Pragmatismus
Moderne Fußballfans stehen der ökonomischen Schnelllebigkeit des modernen Fußballs auf recht pragmatische Weise aufgeschlossen gegenüber. Das ist vollkommen legitim und spiegelt eine Wahrheit, die zwar emotional sterilisiert wirkt, aber letztlich eben real ist.
Die gegensätzliche Sichtweise mag auf das Fußballinteresse vieler Event-Touristen wie ein naiver fankultureller Anachronismus wirken, aber dennoch hat sie unanfechtbare Legitimität. Sie ist geprägt von ehrlicher Emotionalität und einer nostalgischen Sehnsucht nach Vereinstreue, aus der Identifikation und somit Identität erst erwachsen können.
Es ist das Erbgut des Fußballs schlechthin, die Seele der traditionellen Fankultur, die sich von Liebe, Leid und Leidenschaft ernährt. Nur wurde das im Zuge einer atemlosen Turbokapitalisierung des Sports schnell vergessen.
Auch Identität kann man zu Geld machen
Was beispielswiese beim FC St. Pauli seit jeher das Rückgrat einer unantastbaren Vereinsphilosophie bildet, wird von anderen Profi-Klubs erst jetzt allmählich erkannt: Sponsoren kommen und gehen, ebenso die Schar an Modefans. Es ist aber die genetische Identität eines Klubs, die einzigartig ist und gemäß den ökonomischen Zwängen langfristig durchaus monetarisiert werden kann.
Auch in München hat man das erkannt, weshalb das "Mia san Mia" sich nun als gesticktes Credo unter dem Kragen der Bayern-Trikots wiederfindet. Doch um seine Identität zu bewahren, darf man den Fans die Identifikation nicht nehmen. Kein aktueller Bayern-Spieler bietet davon so viel wie Bastian Schweinsteiger.
Beim FC Bayern weiß man das, weshalb man die Worte mit Bedacht wählt, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, man würde Schweinsteiger vom Hof jagen. Dass dies nicht ganz gelingt, zeigen die Vorwürfe in Richtung des Trainers, Pep Guardiola würde mit seiner mangelnden Wertschätzung für Schweinsteiger genau das tun und das beliebte Eigengewächs vergraulen.
Das mag nicht ganz falsch sein, ist aber auch nicht ganz richtig. Denn am Ende liegt es an Bastian Schweinsteiger selbst, für welchen Weg er sich entscheidet. Fühlt er sich immer noch wertvoll genug, um einen Klub wie Manchester United zu verstärken, dann heißt das im Umkehrschluss nicht, dass er sich selbst als nicht mehr gut genug für den FC Bayern betrachtet. Er könnte sich der Herausforderung unter Pep Guardiola mit all seiner Klasse und Erfahrung stellen.
Doch will er es denn überhaupt?
Natürlich wird Bastian Schweinsteiger am Ende seiner Karriere in die Bayern-Familie zurückkehren, um im Hintergrund die Zukunft des Klubs mitzugestalten. Doch bis dahin könnte er auch seinen Traum verfolgen. Er müsste dazu nicht einmal sein Herz verraten.
Ausgerechnet nach dem 3:0-Heimsieg gegen Identitätsklub St. Pauli hatte Bastian Schweinsteiger im Dezember 2010 zunächst ein leidenschaftliches Plädoyer für den Trainer gehalten und dann vor der Südkurve seine Vertragsverlängerung bekanntgegeben. "Für Euch!", hatte er den tobenden Fans zugerufen und glaubwürdig versichert: "Mein Herz schlägt rot!"
Der hochgelobte Trainer damals hieß Louis van Gaal. Und auch die Herzen der "Red Devils" schlagen rot...
Schweinsteiger, wusste der Niederländer in diesem Dezember 2010, ist die Identifikationsfigur des FC Bayern: "Es ist gut, wenn die bayerische Kultur hier bleibt."
Fünf Jahre später wird er das Herz seines Lieblingsspielers auf Wanderschaft locken. Wenn Schweinsteiger dem Ruf seines sportlichen Ziehvaters folgt, dann aber "Auf Wiedersehen".
Denn selbst wenn er in der Gegenwart geht, hat er in der Vergangenheit zu viel geleistet, um in der Zukunft nicht glaubwürdig für die Identität des FC Bayern stehen zu dürfen.
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