Sané auf Schalke: Volle Bodenhaftung

Was für eine Woche: Champions-League-Debüt mitsamt Tor bei Real Madrid, Startelf-Premiere mitsamt Tor gegen Hertha BSC - Leroy Sané ist Schalkes Mann der Stunde. Dabei macht der Teenager nicht den Anschein, dass ihn der plötzliche Trubel die Bodenhaftung kosten könnte. Und sollte doch die Gefahr bestehen, würde der Vater schon für das Gegenteil sorgen. Der weiß schließlich, wovon er spricht.

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Leroy Sané benutzt gerne die Redewendung "ganz gut", um etwas näher zu definieren. Ganz gute Spieler, ein ganz gutes Tor. In diesem Kontext ist das "ganz" kein Streben nach dem Superlativ, sondern ein Zeugnis von Demut.
Am Samstag bestritt Sané sein erstes Bundesligaspiel in der Anfangsformation. Ein Sieg gelang nicht, doch der Schalker Stürmer vermittelte den Eindruck, als würde er die Bälle ständig mit den höchsten technischen Gütesiegeln ins Tor streicheln. Drei Tage vorher mischte sich Wucht in die Technik, als Sané in der Champions League bei Real Madrid einen Distanzschuss versenkte. Es war sein erster Auftritt in der "Königsklasse".
19 Jahre jung wurde Sané im Januar, redet jedoch wie ein Routinier. Toll sei es gewesen, im Bernabéu zu debütieren, "leider hat es nicht für einen perfekten Abend gereicht." Die letzte Woche beschreibt er als "sehr erlebnisreich. Da waren schon ganz gute Spieler dabei..." Dann schmunzelt Leroy Sané, wahrscheinlich braucht er doch noch Zeit, um das Geschehe einordnen zu können.
Keine Chance unter Keller
Allein: Er hat sie nicht. Bei Hertha BSC sollte er gar nicht auflaufen, eine Blessur von Eric-Maxim Choupo-Moting beförderte ihn die Startelf. Bisher war Sané nicht über Kurzeinsätze hinausgekommen, gegen Köln (1:2) erzielte er sein erstes Tor, aber viel mehr war da nicht. Nach seiner Liga-Premiere im April 2014 setzte ihn Ex-Trainer Jens Keller nicht erneut ein, auch Roberto Di Matteo führte das Talent nur sehr behutsam heran. Sané aber kultivierte eine Verhaltensweise: trainieren statt mokieren.
Choupo-Motings Verletzungspech brachte ihn bei Real ins Geschäft, gegen Hertha glänzte er mit einem brillanten Chip-Tor. Der Abschluss war so selbstverständlich wie bei einem Alteingesessenen; diese Attitüde gilt auch für Zweikämpfe mit Mikrofonen. "Ganz gut", fand er seinen Treffer natürlich, "ein herausragendes Tor", wollte derweil Schalke-Sportvorstand Horst Heldt gesehen haben.
"Leroy hat die Gene seines Vaters geerbt“, sagte Heldt, als er dem Nachwuchsakteur im März 2014 einen Profivertrag offerierte. Der Vater, das ist Souleman Sané, der in den 1980er und 1990ern für Freiburg, Nürnberg und Wattenscheid aktiv war.
Vorbilder Messi und Ronaldo
In Wattenscheid verbrachte Sané Senior seine erfolgreichste Zeit. Für den Filius war es der Startpunkt, nach vier Jahren wechselte er 2005 in die Schalker Jugend und weitere drei Jahre später zu Bayer Leverkusen. 2011 kehrte Sané zurück, nach Julian Draxler, Max Meyer oder Timon Wellenreuther ist er das neueste Produkt der "Knappenschmiede". Gesonderte Aufmerksamkeit erlangte er mit Schalkes Unterbau, der 2013/14 in der "Youth League" bis ins Halbfinale vorstieß.
"Ich bin stolz, für einen so großen Verein zu spielen“, bemerkt der Angreifer mit der Rasta-Frisur. Sein Vertrag ist bis 2017 datiert, Heldt bestätigt Abwerbeversuche für den geschickt-geschmeidig agierenden Linksfuß.
Eleganz und Durchsetzungsvermögen, da assoziiert man die Elite des Weltfußballs. "Seine Stars heißen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Spieler, die Traumtore schießen und Traumpässe geben", erklärt Vater Souleyman bei "11Freunde".
Bleibt er bescheiden? "Ich denke schon"
Im Gegensatz zum ehemaligen senegalesischen Nationalspieler ist der in Essen geborene Leroy für Deutschland am Ball, in der U19 steht er bei fünf Einsätzen mit zwei Treffern. Weiter denken, an Jogi Löw und das A-Team, nein, das wäre momentan wenig sinnvoll. Sagt der Papa. Und kramt im Sprachschatz des Sohnes.
"Er hat sein erstes Champions-League-Spiel gemacht, das war ganz gut, doch er muss sich beweisen und auf dem Boden bleiben." Nachfrage: Tut er das? "Ich denke schon."
Champions League, 70.000 Zuschauer, Bernabéu: "Mir", betont Souleyman Sané, "mir sagte er, dass er das ganz locker angeht."
VIDEO - Schalke hofft auf Fährmann-Rückkehr
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