Schlechtester Hertha-Start seit 24 Jahren

Die Szene hatte Symbolgehalt. Als Herthas neuer Star-Stürmer Salomon Kalou gerade ein paar Sekunden auf dem Feld stand, schlug Sami Allagui "eiskalt" zu. Die Hertha-Leihgabe an Mainz 05 rutschte nach einer flachen Flanke in den Ball und sorgte in der 70. Minute mit dem 2:0 für die Vorentscheidung beim 3:1-Sieg der Rheinhessen.

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Ausgerechnet der ausgemusterte Stürmer schoss die alte Dame ab und stellte die ambitionierten Planungen beim Hauptstadt-Klub infrage. "Das haben wir so natürlich nicht gewollt. Da hat uns Mainz abgestraft", sagte Trainer Jos Luhukay.
Der im Vorfeld so hoch gehandelte Kalou, 2012 immerhin Champions-League-Sieger mit dem FC Chelsea, blieb hinter den Erwartungen zurück, konnte bei seinem 21-Minuten-Einsatz kaum einen Zweikampf gewinnen und wurde von Allagui in den Schatten gestellt.
"Er besaß nach zwei Trainingseinheiten noch keine Bindung zum Spiel", sagte Luhukay.
Das Spiel der Hertha lahmt - Hinten wackelts
Die Bilanz der Berliner nach drei Spieltagen ist erschreckend. Ein Remis, zwei Niederlagen und der schlechteste Ligastart seit 24 Jahren. Auch spielerisch haben die Hauptstädter im Vergleich zur Hinrunde der letzten Saison deutlich abgebaut.
Damals bestach Hertha durch schnelles Umschaltspiel und durch flexibel agierende Spieler. Dieses Mal bot die zentrale Mittelfeldachse mit Jens Hegeler und Peter Niemeyer ein an Schwerfälligkeit und Einfallslosigkeit kaum zu überbietendes Aufbauspiel.
Doch Sorgenkind Nummer eins bei den Hauptstädtern bleibt die Defensivabteilung. Neun Gegentore in nur drei Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Wieder hatte Luhukay umgestellt und dieses Mal den niederländischen Vize-Weltmeister John Heitinga auf die Bank gesetzt.
Doch auch Fabian Lustenberger und John Anthony Brooks konnten der Zentrale nicht die nötige Sicherheit geben. Zudem wirkte Keeper Thomas Kraft beim Rauslaufen manchmal unsicher.
Naivität wird bestraft
Auch Luhukay ärgerte sich über die Fehler in der Defensive. "Fakt ist, dass wir wieder viele Gegentore kassiert haben. Das hat auch mit Naivität zu tun. Die müssen wir schnell ablegen in der Bundesliga", sagte der Coach, der seine Truppe auch im Offensivspiel als zu harmlos erlebte. "Mainz hatte vier Chancen und erzielt drei Tore. Und wir hatten auch vier Chancen, aber nur ein Tor erzielt. Es ist Fakt, dass man in der Bundesliga nicht viele Chancen zulassen darf."
Allerdings überrascht es, dass der Mannschaft ausgerechnet die Kaltschnäuzigkeit fehlt. Mit Heitinga, Kalou, Hegeler und auch Julian Schieber wurden gestandene Profis verpflichtet, die gerade dieses Problem nicht aufkommen lassen sollten. Auf Luhukay wartet in den nächsten Wochen viel Arbeit, um die zehn Neuzugänge zu integrieren und endlich eine Mannschaft zu formen.
Von einem Fehlstart wollte der Coach trotz der mageren Ausbeute allerdings noch nicht sprechen. "Das ist jetzt noch zu früh. Lassen Sie uns mal nach dem zehnten Spieltag eine Bilanz aufmachen, dann können wir den Start richtig einschätzen."
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