SID

Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel über Transfers: "Es zirkuliert zu viel Geld"

BVB-Coach Tuchel über Transfers: "Der Markt ist verrückt"
Von SID

29/07/2016 um 13:46Aktualisiert 29/07/2016 um 13:47

Der Sommer 2016 könnte zur bislang teuersten Transferphase der Fußballgeschichte werden. BVB-Trainer Thomas Tuchel hat das System nun scharf kritisiert und die Fußballwelt vor dem großen Knall gewarnt. "Der Markt ist verrückt. Die Preise sind außer Kontrolle", sagte Tuchel zum Abschluss der China-Reise des BVB am Donnerstag. "Da ist kein Bezug mehr zu den Leuten, die ins Stadion kommen."

90 Millionen Euro für Gonzalo Higuaín, wahrscheinlich 120 Millionen für Paul Pogba, dazu noch einige Hundert Millionen mehr für weitere Spieler. Die Ablösesummen explodieren, der Sommer 2016 könnte zur bislang teuersten Transferphase der Fußballgeschichte werden. Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel hat als einer der ersten Protagonisten dieses Geschäft scharf kritisiert.

"Der Markt ist verrückt. Die Preise sind außer Kontrolle", sagte Tuchel zum Abschluss der China-Reise des BVB am Donnerstag.

" Da ist kein Bezug mehr zu den Leuten, die ins Stadion kommen."

Besonders durch den ab dieser Saison greifenden TV-Vertrag in England ist viel mehr Geld im Markt als zuvor. In drei Jahren kassiert die Premier League 6,9 Milliarden Euro, hierzulande sind es in dieser Spielzeit 628 Millionen Euro.

"Wir müssen aufpassen"

Einmal in Rage geredet, war Tuchel nicht mehr zu stoppen. Der 42-Jährige fürchtet, dass sich der Fußball von seinen Fans entfernt. "Wir müssen aufpassen, dass wir die Menschen nicht verlieren. Wir spielen für sie, nicht für unser Ego. Es zirkuliert zu viel Geld", sagte er:

" Immer, wenn das der Fall ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Markt außer Kontrolle gerät."

Seinen eigenen Verein Borussia Dortmund sieht Tuchel in dieser Beziehung auf einem guten Weg. "Wir behalten die Füße auf dem Boden. Und gehen unseren Weg. Denn versuche nicht zu kontrollieren, was du nicht kontrollieren kannst", sagte er weiter. Allerdings hat auch der BVB im Sommer gewaltige Summen bewegt. Geschätzt hat die Borussia etwa 110 Millionen Euro kassiert und 120 investiert, unter anderem in die Weltmeister Mario Götze und André Schürrle.

Auch Tuchel selbst profitiert

Doch auch Tuchel selbst profitiert direkt von dem aufgeblasenen Markt. In Dortmund soll der Fußballlehrer ein Grundgehalt von etwas mehr als vier Millionen Euro beziehen, hinzu kommen diverse Boni. Allein durch seinen Dreijahresvertrag beim BVB hat der Schwabe ausgesorgt. Götze muss nach seiner Rückkehr vom FC Bayern nach Dortmund zwar auf eine Menge Geld verzichten, soll aber auch noch etwa acht Millionen im Jahr verdienen.

Dass sich die Milliardenspirale unaufhörlich weiterdreht, zeigt der neue TV-Vertrag der Bundesliga. Ab 2017 nimmt die DFL allein aus der nationalen Vermarktung 1,159 Milliarden Euro pro Saison ein. Auch die Transfersummen hierzulande steigen. Für den erst 18 Jahre alten Portugiesen Renato Sanches überwiesen die Bayern 35 Millionen Euro plus Bonuszahlungen nach Lissabon, Rückkehrer Mats Hummels soll sogar 38 Millionen gekostet haben - bei nur noch einem Jahr Vertrag in Dortmund.

Dass Tuchel das ganze System nun anprangert, ist ein bemerkenswerter Schritt. Zum Schluss schickte er eine Warnung in die Fußballwelt, dass die Hatz nach den Milliarden auch nach hinten losgehen kann:

" Wir verlieren die Seele des Fußballs. Und wenn zu viel Geld im Umlauf ist, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es zum Knall kommt."