Gaudino, Green, Kurt und Co. in der Sackgasse: Talentefriedhof FC Bayern?
Der FC Bayern München hat ein Nachwuchsproblem: Es gibt kaum Spieler unter 23 Jahren, die den Ansprüchen von Pep Guardiola genügen. Sinan Kurt, Gianluca Gaudino, Julian Green und der ausgeliehene Pierre-Emile Höjbjerg sind in einer Sackgasse angelangt. Und das neue Nachwuchszentrum ist aktuell erst Utopie.
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Auf den Blaupausen sieht die Zukunft rosig aus. Auf 30 Hektar entsteht derzeit im Norden Münchens das neue Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern München.
Acht Fußballplätze, ein kleines Stadion, Dreifeldhalle, Basketballcourt, Beachvolleyballplatz, Technik-Spielfeld - 60 Millionen Euro geben die Bayern für die Lahms, Müllers und Alabas von morgen aus, "La Masia" vom FC Barcelona gilt als Beispiel. 2017 soll das Zentrum fertig sein. Schöne, neue Welt.
Früher Lob, heute kaum Einsätze
2016 jedoch hat der Rekordmeister ein Nachwuchsproblem. Oder besser: haben die Spieler, die eigentlich von unten an die Profis herangeführt werden sollen, ein Problem. Denn sie stecken in der Sackgasse.
Es ist noch gar nicht so lange her, da galten sie als die Zukunft des FC Bayern, zumindest als mögliche: Sinan Kurt, Gianluca Gaudino, Julian Green und Pierre-Emile Höjbjerg. Pep Guardiola lobte seine Teenager überschwänglich, gab Höjbjerg und Gaudino sogar Startelf-Einsätze.
Doch nun, wo Pep Guardiola in sein letztes Halbjahr als Bayern-Trainer geht, ist davon wenig übrig. Kaum Einsätze, nicht mal regelmäßig zum Profi-Training dürfen Gaudino, Green und Kurt. Höjbjerg ist derweil an den FC Schalke 04 ausgeliehen, eine Rückkehr ungewiss.
Sinan Kurt vor Wechsel nach Berlin
Sinan Kurt steht dafür kurz vor dem Absprung Richtung Hertha BSC. Der "Kicker" berichtet, dass sich die Berliner mit dem Spieler geeinigt haben, die Verhandlungen mit den Münchnern sollen dagegen noch stocken. "Wenn man die Möglichkeit hat, so einen tollen Fußballer zu bekommen, dann muss man das machen", bekennt Hertha-Coach Pal Dardai via "Bild", und weiter: "Als Trainer ist es eine riesige Herausforderung, ihn in den Männerfußball, wo er noch nicht viel zeigen konnte, heranzuführen."
Dabei wollten das doch die Bayern machen, die 2014 zwischen 1,1 und 2,5 Millionen Euro - die Angaben unterscheiden sich - investierten, um den Linksaußen von Borussia Mönchengladbach zu holen. "Eines der größten deutschen Talente", hieß es damals in der Pressemitteilung des Klubs. Kurt galt als einer, der irgendwann Franck Ribéry beerben könnte, als Lieblingsprojekt von Sportvorstand Matthias Sammer.
Eineinhalb Jahre später heißt diese Zukunft Kingsley Coman. Während der gleichaltrige Franzose Gegnerbeine durcheinander wirbelt, hat es Kurt erst auf 45 Bundesliga-Minuten gebracht - und das war in der vergangenen Saison. Diese Spielzeit offenbart der gebürtige Gladbacher Probleme, sich in der Regionalliga mit den Bayern Amateuren zu behaupten - ein Tor und drei Vorlagen in 15 Einsätzen.
Sinan Kurt zweimal suspendiert
Dazu kommen disziplinarische Probleme mit Trainer Heiko Vogel, der ihn bereits zweimal suspendierte. In der "Sky"-Doku "Projekt Profi" sagte Kurt:
Kurt steht noch bis 2018 bei Bayern unter Vertrag - 2016 wird jedoch das große Bewährungsjahr für ihn - scheitern oder durchstarten? Ein Ausleih-Geschäft zu einem Bundesligisten birgt auch Gefahren, wenn er dort nicht zum Einsatz kommt, wie zum Beispiel Julian Green vergangene Saison beim Hamburger SV.
Gianluca Gaudino von Joshua Kimmich ausgestochen
Ähnlich sieht die Situation bei Gianluca Gaudino aus. Der Sohn von Maurizio Gaudino spielt wie Kurt derzeit bei Guardiola keine Rolle mehr und stagniert in der Regionalliga. Für den 19-Jährigen sollen sich laut "Kicker" deutsche, englische und spanische Vereine interessieren. Andererseits bleibt aber die Hoffnung auf ein erneutes Aufrücken in den Profi-Kader. "Es ist eine schwierige Situation für ihn", sagt sein Vater.
Gaudinos Platz im Profi-Kader nimmt mittlerweile Joshua Kimmich (20) ein. Und bei Vogel wurde auch Gaudino schon mal für ein Spiel aus disziplinarischen Gründen aussortiert - so empfiehlt man sich nicht. Guardiola über Gaudino und Kurt:
Gaudino hat wie Kurt noch Vertrag bis 2018, der Weg zu den Bayern-Profis ist aber momentan verbaut.
Julian Green für Beharrlichkeit belohnt
Das gilt auch für Julian Green (Vertrag bis 2017), der 2014 noch für die USA im Achtelfinale der WM in Brasilien traf, bei Bayern aber nur auf Regionalliga-Einsätze kommt (19 Spiele, acht Tore). "Ich will mich hier durchbeißen", sagt er.
Sein Startelf-Einsatz beim Champions-League-Spiel bei Dinamo Zagreb (2:0) war die Belohnung für seine Beharrlichkeit, Green blieb jedoch blass und durfte diese Saison sonst nicht für die Profis auflaufen.
Zukunft von Pierre-Emile Höjbjerg ungewiss
Und Pierre-Emile Höjbjerg? Der steht nach seiner Ausleihe zu Schalke im Sommer eigentlich wieder auf der Matte, wenn Carlo Ancelotti an die Säbener Straße kommt.
Mit den stetig wachsenden Einsätzen von Kimmich und angesichts seiner eigenen durchschnittlichen Rolle bei Schalke - der 20-Jährige stand nur dreimal in der Startelf - wächst die Skepsis, ob der Däne noch eine Zukunft bei Bayern hat.
Berühmte Namen, aber kaum Zukunft bei Bayern
Und sonst? Lucas Scholl (18), der Sohn von Mehmet Scholl, ist dabei, in der Regionalliga Fuß zu fassen (acht Einsätze), selbiges gilt für Franck Ribérys Bruder Steeven Ribéry (20, zwölf Einsätze). Ein Fall für die Profis sind sie beide nicht.
Berühmte Verwandte haben auch Niklas Tarnat (17), Sohn des Ex-Profis Michael Tarnat, der beim FC Bayern den Nachwuchs von der U16 abwärts leitet, und Felix Götze (17), Bruder von Mario Götze. Beide kamen diese Saison immerhin schon in der UEFA Youth League für die U19 zum Einsatz.
Unter 17 wächst etwas heran
Bei den Profis durften dieses Jahr schon die Keeper Ivan Lucic (20), David Hundertmark (18) sowie Phillipp Steinhart (23), Patrick Weihrauch (21), und Milos Pantovic (19) mitmachen, ein echter Durchstarter mit "Wow-Effekt", den Sammer vom Nachwuchs einfordert, ist jedoch nicht unter ihnen.
Das trifft höchstens auf Fabian Benko (17), Niklas Dorsch (17), Timothy Tillman (16) und Manuel Wintzheimer (16) zu, die aber noch zu jung sind, um sagen zu können, wo die Reise hin gehen kann.
Zumal Bayern immer wieder junge Spieler von anderen Vereinen holen wird - siehe Coman und Kimmich. Das weiß jeder Juniorenspieler. "Es war von Anfang an klar, dass es so sein wird", sagt auch Kurt. "Der FC Bayern kann immer viel Geld in die Hand nehmen und Spieler holen. Aber wenn du dich hier mal durchsetzt, spielst du bei einem der besten Vereine der Welt und hast eine Riesenkarriere vor dir."
Bayerns Kader hat ein U23-Problem
So oder so: Bedarf im Ü23-Bereich haben die Bayern - denn eine jugendliche Auffrischung des in die Jahre gekommenen Profi-Kaders tut durchaus Not. Rein statistisch fiel bei den Bayern nämlich nur 10,3 Prozent der Einsatzzeit in der Hinrunde auf Spieler unter 23 Jahren. Rechnet man Coman und Kimmich heraus, waren es sogar nur 2,6 Prozent.
Zum Vergleich: Bei Bayer Leverkusen kommen Spieler unter 23 Jahren auf 27,4 Prozent Einsatzzeit - selbst ohne Jonathan Tah und Wendell sind es noch 10,3 Prozent.
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