Nahtlos vom Jungstar zum Führungsspieler: Der FC Bayern erlebt den anderen Thomas Müller
Eurosport bei GoogleThomas Müller hat sich verändert. Der Lautsprecher des FC Bayern München ist immer noch Spaßvogel und Schwiegersohn der Nation. Ganz nebenbei hat der 26-Jährige jedoch den Sprung vom Jungstar zum Führungsspieler vollzogen, was man in Doha sehr gut beobachten kann. Auch wenn er am Freitag mal kurz ausfallend wurde.
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Aus Doha berichtet Florian Bogner
Im Training des FC Bayern München in Doha ging es am Freitag hoch her, Pep Guardiola ließ am Vormittag zwei 5-gegen-2-Felder gegenüberstellen und drei Teams darin wirbeln – mit gewollten Spielverlagerungen via langen Bällen zwischen beiden Feldern. "Da schnalzt der Puls schon nach oben", meinte Philipp Lahm.
Thomas Müller gab mit seinem Team besonders Gas – und wurde dann plötzlich fuchsteufelswild, als Sebastian Rode ihm mit gestrecktem Bein über den Spann ging.
"Du bist doch bescheuert ey, leck mich am Arsch!", rief Müller laut. Zum Beweis seiner Wut trat er noch einer kurz in die benachbarte Bande. Dann musste er schon wieder ins andere Feld flitzen.
Nicht mehr nur der Slapstick-Müller
Weiß Gott keine folgenreiche Szene, aber eine interessante. Die Message an den Mann aus dem zweiten Glied war klar: Einen wie Müller foult man nicht einfach so im Training. Da ist schon ein bisschen mehr Vorsicht geboten. "Das ist mir im Eifer des Gefechts passiert", entschuldigte sich Rode nachher.
In den Tagen von Doha lernt man einen etwas anderen Müller kennen. Sicher, der Slapstick-Müller ist er immer noch. Neulich riefen die katarischen Fans "Muller! Muller!" Und Müller, auf dem Weg in den Fitnessraum, rief: “Meeting! Meeting!”
Kurz nach der Rode-Szene am Freitag war er mit einer Entscheidung des Trainerteams nicht einverstanden, wähnte den Ball jenseits der Linie. Und rief im Scherz: "Immer dasselbe mit den spanischen Schiedsrichtern!" Die Teamkollegen lachten.
Dem "Bild"-Reporter sagte er zu seinen Vorsätzen für 2016 frech: "Mein Hauptziel ist es, so wenig wie möglich Interviews mit Bild zu führen..."
Und nach dem Training ließ er kurzerhand den Hotelangestellten rechts rüber rutschen, steuerte selbst das Golfwägelchen um den Platz zur Halle. Philipp Lahm saß hinten drauf und guckte ein bisschen ängstlich.
Müller hat Schweinsteiger ersetzt
Doch neben Spaßvogel und Schwiegersohn der Nation ist Müller beim FC Bayern nun vor allem eins: ein Führungsspieler, der neben Lahm und Manuel Neuer das Team intern managt. Letztlich hat er Bastian Schweinsteiger hierarchisch nahtlos ersetzt. Auf seine, die bodenständige, aber extrem lockere Art.
"Thomas war schon immer einer, der gerne geredet hat", meinte Lahm am Freitag zu Eurosport.de und musste dabei lachen. "Radio Müller" hat ihn Hermann Gerland ja einst getauft, wenn Müller plappert ist immer ein bisschen Verschnitt dabei. Aber alle hängen an seinen Lippen.
Das Besondere: Mit gerade mal 26 Jahren hat Müller mühelos den Schritt vom Jungprofi zum Führungsspieler vollzogen. Und ist dabei locker geblieben. "Phänomenal", nennt ihn Matthias Sammer, wann immer man ihn auf Müller anspricht, das "Phänomen" aus der Nähe von Weilheim, den sie durch die kürzlich erfolgte Vertragsverlängerung mit geschätzten 13 bis 15 Millionen Euro Jahresgage zum bestbezahlten Profi der Liga und Vereinsgeschichte gemacht haben.
"Thomas Müller ist etwas ganz Besonderes, auch wenn’s der Name nicht aussagt. Aber sein Typus ist Wahnsinn. Wenn man ihn sieht, mit seiner Lockerheit und Gelassenheit, aber auch wenn man ihm zuhört. Was er sagt, ist manchmal flapsig, hat aber oft eine sehr, sehr gute Substanz", meinte Sammer zu Eurosport.de.
Fest in der “Weltklasse” verankert
Von recht guter Substanz ist auch Müllers Form diese Saison: 21 Tore und sechs Vorlagen in 27 Einsätzen, macht eine Torbeteiligung pro Spiel im Schnitt. In der Bundesliga hat er schon vor der Rückrunde seine magische 13-Tore-Marke, die er zuvor fünf Mal haargenau erreicht hatte, durchbrochen.
Manchester United bot im Sommer angeblich 80 Millionen Euro für ihn, doch Bayern winkte nur ab. Der “Kicker” führt ihn in seiner aktuellen Rangliste völlig zu Recht unter "Weltklasse".
"Bei ihm weißt du immer: da kann was kommen – auf dem Platz wie daneben", sagte Sammer.
Müller als Vorbild
Lahm, der mit ihm schon seit Jahren zusammenspielt, sieht Müllers Werdegang tatsächlich als logisch an. "Er ist da gut reingewachsen", sagte Lahm. "Jetzt ist er sicher noch mehr gefordert, sich zu zeigen, die Truppe auch auf seine Art zu führen. Das ist jetzt vielleicht mehr sichtbar, weil Bastian nicht mehr da ist. Das alles macht er vorbildlich."
Sammer beschreibt es so: "Thomas hinterfragt viel, hat dabei aber seinen Typus verloren. Er hat die Rolle gut angenommen und identifiziert sich mit ihr, das spürt man."
Im Spiel, wie auf dem Trainingsplatz. "Jaaaa, Javi! Super Ball, Thiago!", schallt es in Doha über den Trainingsplatz. "Guuuut, Männer!" Müller lobt viel, bringt sich verbal ein wie kein anderer.
Er stellte in Doha aber auch schon den jungen Marco Friedl (17) ins Achtung: "Schlafmütze!", rief er ihm zu, erklärte ihm aber sogleich, was er falsch gemacht hatte. Und spornte bei nächster Gelegenheit sofort an: "Auf geht’s, Marco!"
Das kommt gut an. Auch beim am Freitagmorgen kurz so wüst beschimpften Rode. Der meinte: "Er ist schon so lange dabei, hat fast alles gewonnen, natürlich hören wir auf ihn. Er macht das richtig gut."
"Radio Müller" hört man bei Bayern eben noch immer oft und gerne.
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