"Ungefähr das Beste, was es gibt"! Wolfsburgs Julian Draxler löst Versprechen von Klaus Allofs ein
37 Millionen Euro – das ist die Summe, die Klaus Allofs Anfang September auf das Konto von Schalke 04 überwies. Als Gegenwert gab es Julian Draxler, der den nach England gewechselten Kevin De Bruyne beerben sollte. Frei nach der Redensart "Gut Ding will Weile haben", startet der 22-Jährige jetzt richtig durch – ein gutes halbes Jahr nach seinem Wechsel. Warum das so ist, hat mehrere Gründe.
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Die Eingewöhnungszeit für Julian Draxler war keine leichte. Die gezahlte Ablöse und die Vita des "Schalker Jungen" – immerhin ist er Weltmeister und galt seit seiner A-Jugend-Zeit schon als eines der größten Talente Deutschlands – ließen den Erwartungsdruck kräftig in die Höhe steigen. Das erste Mal in seiner Karriere haftete auf Draxler nicht mehr das "Etikett" Talent. Draxler sollte schnellstmöglich Leistungsträger und Führungsspieler der "Wölfe" sein. Eben genau so, wie es sein Vorgänger Kevin De Bruyne vorgemacht hat.
Als der Belgier zu Beginn der aktuellen Runde zu Manchester City weiter zog, wurde den Fans des VfL Wolfsburg mit der Verpflichtung Draxlers ein ebenbürtiger Ersatz versprochen. Eine gewaltige Hypothek - für jeden: De Bruyne traf in 51 Pflichtspielen 16 Mal selber, legte 28 Tore auf und hatte erheblichen Anteil am Wolfsburger Erfolg der Vorsaison.
Hoher Erwartungsdruck
Sportlich und wirtschaftlich die zweite Kraft in Deutschland, startete der Pokalsieger auch ohne De Bruyne mit großen Erwartungen in diese Spielzeit. Nach der Hinrunde dümpelte das Werksteam aber nur auf dem siebten Platz rum. Rückstand auf den FC Bayern: 20 Punkte.
Der sportliche Einbruch erschwerte auch Draxler den Durchbruch. Sein Weg verlief alles andere als reibungslos. Gleich in seinem ersten Liga-Spiel nach dem Wechsel durfte er die kompletten 90 Minuten ran, doch in der Folgezeit waren seine Leistungen waren inkonstant. Die Hinrunde war ein Auf und Ab für Draxler, der seine komplette Jugend und Profi-Karriere bislang auf Schalke verbrachte. Der Kulturschock vom Wechsel ins eher nüchterne Wolfsburg schien nachzuwirken.
PR-Aktion bereut
Schalke ist eben mehr als nur ein Verein. Schalke ist eine Religion. Schalke lebt man. Das alles scheint in Draxler tief verwurzelt zu sein. Nach seiner Vertragsverlängerung 2013 fuhren LKWs durch Gelsenkirchen, auf deren Ladefläche ein überdimensionaler Julian Draxler die vorbeifahrenden Autofahrer grüßte – die Euphorie im Ruhrgebiet war riesengroß.
Nicht nur, weil er den bis 2018 verlängerten Vertrag letztlich nicht erfüllte und damit die Wut der Schalker Fans und den Spott der gesamten Liga auf sich zog, bereut der Nationalspieler die PR-Aktion rückblickend.
sagte er in den "Wolfsburger Nachrichten".
Diese angesprochene Erwartungshaltung ist er mit dem Vereinswechsel nicht los geworden. In Wolfsburg gibt es sie auch - vielleicht sogar in noch extremerer Form. Doch ein Tapetenwechsel war dringend nötig, um den Kopf frei zu bekommen und in einem neuen Umfeld, die eigene Entwicklung voranzutreiben.
Fixpunkt in der Offensive
In der Winterpause absolvierte er die erste komplette Vorbereitung mit dem VfL. Automatismen verfestigten sich, die Mitspieler lernten das Mittelfeldjuwel besser kennen und wissen jetzt, wo sie hinlaufen müssen, um von dessen genialen Auge zu profitieren. In der Rückrunde ist Draxler zum Fixpunkt in der Offensive der "Wölfe" gereift.
Zuletzt lief es für die Wolfsburger wieder besser in der Bundesliga. Das liegt zu einem nicht unwesentlichen Teil am "neuen" Draxler. Einem befreiten, konstant guten Draxler, der Schalke mittlerweile aus dem Kopf hat. Auch im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen KAA Gent zeigte er das eindrucksvoll.
Mit zwei Toren und einer überragenden Leistung schoss er den VfL fast im Alleingang zum Sieg, stieß die Tür zum Viertelfinale weit auf. Dieser Auftritt gilt als der offizielle Wendepunkt in Draxlers Premierensaison – das Spiel, in dem der Knoten geplatzt ist. Klaus Allofs wusste schon immer, warum er den Edeltechniker nach Wolfsburg gelotst hat. Nach dem 3:2-Erfolg in Belgien ließ er am Sky-Mikrofon verlauten:
Schaut man Draxler in den letzten Wochen zu, fällt es schwer, Allofs zu widersprechen. Gegen Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach trug sich Draxler gleich drei Mal in die Scorerliste ein (2 Tore, 1 Assist). Besonders sein Treffer gegen Gladbach offenbarte seine geballte technische Qualität. Einen Querpass von Max Kruse ließ er elegant durch die eigenen Beine laufen, ehe er Nico Elvedi mit einem schnellen Haken auf den Hosenboden schickte und überlegt ins rechte Eck abschloss. Das sind Aktionen, die das Publikum von seinem Topstar sehen will.
Für die großen Spiele geholt
Die Leistungsexplosion Draxlers kommt für Wolfsburg zur rechten Zeit. In der Liga benötigt man jeden Punkt, um den erneuten Einzug in die Champions League noch zu schaffen. In der "Königsklasse" selbst stehen die "Wölfe" vor dem größten internationalen Erfolg der Vereinsgeschichte. Mit einem Sieg am Dienstagabend im Rückspiel gegen Gent (ab 20:45 Uhr im Liveticker) würde der VW-Klub das erste Mal unter den besten acht Teams Europas stehen.
Für eben diese Aufgaben ist Draxler geholt worden. Der Druck wird jetzt noch ein wenig mehr auf den Schultern des Zehners lasten. Nichts anderes als die nächste Weltklasse-Leistung gegen Gent wird von "Jule" jetzt erwartet. Momentan ist ihm genau das zuzutrauen.
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