Wutrede! Matthias Sammer wittert Hetz-Kampagne gegen FC Bayern München

Sport-Vorstand Matthias Sammer ist die Berichterstattung über den FC Bayern München zu stichelnd - deswegen nutzt er die geplatzte Vorstellung des Neuzugangs Serdar Tasci zum Angriff auf Kritiker und "Zündler". Hat sich Arturo Vidal daneben benommen? "Unwahrheit!" Wollte Bayern Medhi Benatia verkaufen? "Gelogen!" Die Bayern schalten auf Angriff - und drohen sogar mit juristischen Schritten.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Sticheleien gegen Pep Guardiola, Maulwurf im Team, Wechsel-Gerüchte um Medhi Benatia, Anschuldigungen gegen Arturo Vidal: Matthias Sammer ist es ein wenig zu viel geworden in den letzten Tagen.
Eigentlich wollte der Sport-Vorstand des FC Bayern München am Mittwochnachmittag Neuzugang Serdar Tasci vorstellen. Doch weil der tragischerweise unpässlich war - Tasci hatte sich unmittelbar vorher im Training verletzt (Verdacht auf Gehirnerschütterung) - zog Sammer halt vom Leder.
Auf die angeblichen disziplinarischen Versäumnisse von Arturo Vidal angesprochen, ging Sammer im fensterlosen Presseraum des FC Bayern aus dem Sattel und drohte der "Sport Bild", die die Geschichte am Mittwoch gedruckt hatte, juristische Schritte an.

Vidal meldet sich zu Wort

"Dagegen werden wir mit allen rechtlichen Mitteln vorgehen, das ist überhaupt keine Frage!", sagte Sammer ein wenig unsouverän und meinte, die Behauptung, Vidal habe im Trainingslager des FC Bayern in Doha/Katar mehrfach "alkoholisiert gewirkt" (sic!), sei komplett erfunden.
Auch Vidal drohte über die sozialen Medien mit dem Anwalt. Er wolle die Zeitschrift "für diese Lügen verantwortlich" machen, schrieb er da.

Sammer vertraut Vidal

Letztlich konnten und wollten Vidal und Sammer aber auch keine genauen Angaben zum Vorwurf machen. Während Vidal den Bericht als "absolut falsch" bezeichnete, konnte der Sport-Vorstand im Detail nur auf den Leumund des Spielers verweisen. "Wir haben ein absolut enges Verhältnis zu ihm und zu seinem Berater. Er selbst hat uns gesagt, dass da insgesamt nichts dran ist", sagte Sammer.
Und:
Gleichsam bestätigte Sammer aber auch, dass er die Zügel im Team angezogen habe: "Ich kann nicht alles kontrollieren, aber ich werde drauf achten, dass jeder alles im Sinne der Mannschaft macht." Und dass ein bisschen Reibung im Team auch nicht verkehrt ist: "Reizklima ist manchmal auch nicht so schlecht…"

Sammer und die "Zündler"

Intern ist die Bitte nach mehr Disziplin seit einiger Zeit platziert, extern zog er nun nach. Denn nicht nur in der Causa Vidal wittert Sammer offenbar eine Kampagne gegen den FC Bayern.
Sein Vorwurf: Durch den vorzeitigen Abschied von Trainer Pep Guardiola zum Saisonende könnte der ein oder andere auf die Idee kommen, zu "zündeln", wie es der 48-Jährige formulierte.
"Es ist seit letzter Woche ein bisschen was passiert. Im Sächsischen nennt man das 'Zündeln', Man versucht, gegenüber dem FC Bayern mit allen Mitteln eine Situation herzustellen, was sich Fußball-Deutschland vielleicht wünscht: dass es enger wird", sagte Sammer. "Aber das Gegenteil wird bewirkt: Wir werden noch enger zusammenrücken und das auch nicht akzeptieren."

Sammer wehrt sich gegen Benatia-Bericht

Der Unwahrheit soll auch ein Bericht der "Gazzetta dello Sport" entsprechen, der sich mit Medhi Benatia beschäftigte. Demnach habe der Innenverteidiger kurz vor einem Wechsel zum AS Rom gestanden, 19 Millionen Euro hätten die Bayern vermeintlich gefordert. Der Wechsel sei nur geplatzt, weil sich Jérôme Boateng verletzt habe. "Das ist gelogen, das stimmt einfach nicht", sagte Sammer.
Gegenüber dem scheidenden Guardiola forderte der Sport-Vorstand hingegen ein wenig mehr Fingerspitzengefühl ein: "Ich bitte um ein bisschen mehr Respekt Pep Guardiola gegenüber, weil er Unglaubliches für den FC Bayern München und den Fußball in Deutschland geleistet hat."
Konkret stieß Sammer sauer auf, dass Guardiola Mitschuld an der Verletzung von Boateng gegeben wurde. Laut einem Bericht der "tz" soll der Innenverteidiger vor seinem Muskelbündelriss mit Billigung des Trainers angeschlagen ins Spiel beim Hamburger SV gegangen sein.

Serdar Tasci bei Zusammenprall verletzt

Angesichts der giftigen Worte geriet der eigentliche Anlass der Pressekonferenz, die Vorstellung von Serdar Tasci, völlig in den Hintergrund. Der Innenverteidiger hatte ja auch den denkbar schlechtesten Einstand für einen Notnagel hingelegt - nach einem Zusammenprall in seinem ersten Mannschaftstraining bei Bayern musste der 28-Jährige mit Schwindelsymptomen behandelt werden.
"Er hatte einen Zusammenstoß im Training und wird untersucht. Er hatte leichte Ausfallerscheinungen, die auf eine Gehirnerschütterung hindeuten könnten", erklärte Sammer, der aber vorläufig nur von einer zwei- bis dreitägigen Trainingspause ausging.
"Es ist ein bisschen unglücklich." Schließlich sollte Tasci ja so bald wie nur irgend möglich helfen.
Von einem wundersamen Aufstieg zum Stammspieler bis zum Halbjahresjob als Dauer-Bankdrücker scheint bei der aktuellen Verletztenmisere der Bayern alles möglich. Das weiß auch Sammer.

Tasci bekommt die Rückennummer 4

"Das ist Leistungssport. Er braucht noch ein paar Trainingseinheiten, aber dann liegt's auch an ihm", sagte er über Tasci, der mit Trainingsrückstand vom quasi im Winterschlaf befindlichen Spartak Moskau ausgeliehen wurde.
Der Sport-Vorstand verriet dann auch noch, wie Tasci, der die Nummer 4 tragen wird, die Bayern hinter sich brachte: "Uns haben auch die Gespräche und Handlungen von ihm überzeugt. Er war unglaublich heiß drauf. Er hat vermittelt, dass er das unbedingt möchte und uns damit signalisiert: Ich bin bereit!"
Was Sammer offenbar auch ist - komme was wolle.
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung