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Gianluigi Buffon, Kaká, Martin Ödegaard: Wie es Talenten unter Carlo Ancelotti erging
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Publiziert 23/03/2017 um 20:31 GMT+1 Uhr
Bei der Triple-Jagd des FC Bayern München bleiben Youngster wie Joshua Kimmich, Kingsley Coman oder Renato Sanches derzeit ein wenig auf der Strecke. Trainer Carlo Ancelotti haftet ohnehin der Ruf an, lieber auf Erfahrung statt Talent zu setzen. Haben junge Spieler unter Ancelotti grundsätzlich einen schweren Stand? Ein Blick auf ehemalige Youngster unter Ancelotti und wie es ihnen erging.
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Tabellenführung mit großem Vorsprung in der Bundesliga, Halbfinale im DFB-Pokal, Viertelfinale in der Champions League: Der FC Bayern hat das Triple fest im Visier. Es könnte alles so rosa-rot sein, wäre da nicht die Diskussion um die geringen Einsatzzeiten der jungen Spieler im Team.
Joshua Kimmich (22) ist zum Dauer-Bankdrücker mutiert, Renato Sanches (19) ist es schon seit Beginn der Saison und auch Kingsley Coman (20) kommt nur selten zum Zug. Weil Trainer Carlo Ancelotti nur auf alte Spieler steht?
Ein Blick auf seine ehemaligen Stationen und die Talente, die der Italiener damals im Kader hatte, soll Aufklärung bringen.
Gianluigi Buffon
1996/97 wird Carlo Ancelotti Trainer beim italienischen Erstligisten AC Parma. Damals unter anderem im Kader: der erst 18 Jahre alte Gianluigi Buffon. Zu Beginn der Saison vertraut Ancelotti noch auf Lucca Bucci. Am 8. Spieltag macht er jedoch "Gigi" zur Nummer 1. Buffon wird in der Amtszeit Ancelottis Nationalspieler, bleibt bis 2001 in Parma und wechselt dann für 52,88 Millionen Euro zu Juventus Turin. Damit ist er bis heute der teuerste Torhüter der Welt. Eine Torwart-Legende.
Fazit: Ancelotti hat entscheidenden Anteil an Buffons Weltkkarriere. Er warf den Youngster ins kalte Wasser und schenkte ihm sein uneingeschränktes Vertrauen.
Fabio Cannavaro
Neben Buffon hat Ancelotti in Parma einen weiteren vielversprechenden Defensivspieler im Kader. Mit 22 Jahren ist Cannavaro bereits in der Saison zuvor Stammspieler. Daran ändert sich auch unter Ancelotti nichts. 68 Spiele macht er in zwei Spielzeiten unter Ancelotti und wird zum Nationalspieler. 2002 wechselt er für 23 Millionen zu Inter Mailand. Später ist er noch für Juventus und Real Madrid aktiv, wird 2006 Weltmeister in Deutschland - und Weltfußballer.
Fazit: Der Durchbruch im Profifußball gelingt Cannavaro bereits, bevor er es mit Ancelotti zu tun bekommt. Der schärft jedoch weiter sein Profil und formt ihn zum Nationalspieler. "Er ist mehr als ein Spieler, er ist wie ein Bruder. Jeder fühlt sich in seiner Nähe wohl", sagt Cannvaro später.
Hernan Crespo
Offensiv hat Parma damals den 20 Jahre alten Hernan Crespo zu bieten. Der Argentinier kommt für vier Millionen von River Plate und wird unter Ancelotti nach kurzer Zeit Stammspieler. Zwölf Tore macht er in seiner ersten Saison. Nach Ancelottis Abschied gewinnt Crespo 1998/99 den UEFA Cup, ehe er für 55 Millionen Euro zu Lazio Rom wechselt. Später kreuzen sich ihre Wege noch mal beim AC Mailand. Crespo läuft unter Ancelotti in 101 Pflichtspielen auf und schießt 43 Tore - unter anderem den 1:0-Siegtreffer gegen Dortmund in der Champions-League-Vorrunde 1997/98.
Fazit: Auch in diesem Fall hat Ancelotti beileibe nicht als Talent-Bremse agiert. Ohne sich zuvor in Europa bewiesen zu haben, setzte er nach kurzer Zeit regelmäßig auf den Argentinier. Mit Enrico Chiesa und Gianfranco Zola bildet er eine Art magisches Dreieck. Ancelotti hat ihm die Eingewöhnung in Europa einfach gemacht und so den Grundstein für die spätere Karriere gelegt.
Thierry Henry
Der 20 Jahre alte Franzose kommt im Winter für 12,5 Millionen vom AS Monaco zu Juventus, kommt aber unter Ancelotti nicht wirklich zurecht. Henry macht 16 Spiele in der Serie A, aber nur selten über die volle Distanz. Ihm gelingen lediglich drei Tore. Nach der Saison wechselt er zum FC Arsenal, schießt dort auf Anhieb 17 Tore in 31 Ligaspielen und wird zur "Gunners"-Legende.
Fazit: An der grandiosen Karriere von Henry hat Ancelotti wenig bis gar keinen Anteil. Der Italiener ließ den Stürmer zwischenzeitlich sogar als Linksverteidiger auflaufen. Talent verkannt.
Kaká
Der Brasilianer kommt in Ancelottis dritter Saison beim AC Mailand für 8,25 Millionen aus Sao Paulo. Der damals 21-Jährige liefert in der ersten Saison gleich 18 direkte Torbeteiligungen. Kaká und Ancelotti - das passt. Der Spielmacher läuft unter dem Italiener 270 Mal auf, erzielt 95 Tore und bereitet 53 weitere Treffer vor. 2007 wird er Europas Fußballer des Jahres, Weltfußballer und Champions-League-Sieger. Aktuell spielt er in der MLS bei Orlando City.
Fazit: Ohne Carlo Ancelotti hätte es Kaká vermutlich niemals zum Weltfußballer gebracht. Der Italiener gönnt seinem Spielmacher alle Freiheiten. Der dankt es ihm mit grandiosen Leistungen.
Andrea Pirlo
Kommt 2001 im Alter von 22 für 18 Millionen von Inter Mailand zum Stadtrivalen. In der ersten Saison gönnt ihm Ancelotti nur wenige Minuten. Nur sieben Mal steht er in der Startelf. In der zweiten Spielzeit avanciert er dann zum Stammspieler. Der Italiener bleibt während Ancelottis gesamter Amtszeit (2001-2009) bei Milan. 327 Spiele macht er unter Ancelotti und wird in dieser Zeit zweimal Champions-League-Sieger und Weltmeister 2006. Heute ist der Mittelfeldspieler mit dem feinen Fuß in der MLS bei New York City.
Fazit: Ancelotti hat Pirlo eine Menge beigebracht und konnte dabei auf seinen eigenen Erfahrungsschatz im defensiven Mittelfeld bauen. Nicht jeder Trainer hätte über die Geschwindigkeitsdefizite Pirlos derart großzügig hinweggesehen.
Matteo Darmian
Mit nur 16 Jahren rückt Darmian 2006 in den Kader des AC Mailand. Am 37. Spieltag 2006/07 kommt er unter Ancelotti mit 17 Jahren, 5 Monaten und 17 Tagen zu seinem Debüt in der Serie A. In der darauffolgenden Spielzeit wird er nicht mehr eingesetzt. Es folgen drei Kurzeinsätze in Ancelottis letzter Milan-Saison 2008/09. Nach dem Abgang des Trainers zum FC Chelsea trennen sich auch die Wege von Milan und Darmian. Über die Stationen Palermo und FC Turin ging es für ihn zu Manchester United. Dort ist er unter José Mourinho derzeit Teilzeitarbeiter.
Fazit: Als Darmian zum Kader der Profis stieß, war Ancelottis Team am Höhepunkt seines Schaffens. Ein 16-Jähriger hat da naturgemäß nicht wirklich etwas zu melden. Dass es der Rechtsverteidiger zu einem Topklub wie ManUnited geschafft hat, kann sich Ancelotti nicht wirklich auf die Fahne schreiben.
Yoann Gourcuff
Der Franzose gilt als eines der größten Talente im Weltfußball, als er 2006 im Alter von 19 Jahren zu Ancelottis Team stößt. Ab dem 12. Spieltag kommt er regelmäßig zum Einsatz, macht in seiner ersten Saison 34 Pflichtspiele. So ganz will ihm der Durchbruch aber nicht gelingen. Nach zwei Spielzeiten wird er in seine Heimat nach Bordeaux verliehen und später dorthin verkauft. Aktuell ist er Stammspieler bei Stade Rennes. Sein Potenzial hat er aber nie so richtig ausgeschöpft.
Fazit: Ancelotti versuchte den Franzosen in sein Team zu integrieren, so wirklich wohl fühlte sich Gourcuff außerhalb seiner Heimat allerdings nicht. Seinem damaligen Trainer kann man das aber kaum ankreiden.
Alexandre Pato
2007 sichert sich Milan mit Alexandro Pato ein Supertalent. 22 Millionen überweisen die Lombarden für den 17-Jährigen an Porto Alegre. Als die Spielberechtigung endlich vorliegt, startet er in der Rückrunde durch und feiert mit 18 Jahren, 5 Monaten und 18 Tagen sein Debüt in der Serie A. In der zweiten Saison unter Ancelotti ist er absoluter Stammspieler, kommt auf 42 Pflichtspiele und 24 Torbeteiligungen. Unter dem neuen Trainer Leonardo hat er mehr zu kämpfen und wird in Mailand nicht mehr so recht glücklich. 2013/14 geht es zurück in die Heimat zum FC Sao Paulo, ein Zwischenstopp beim FC Chelsea wird zum Rohrkrepierer. Mittlerweile ist der heute 27-Jährige in China bei TJ Quanjian aktiv. Sein Trainer dort ist Fabio Cannavaro.
Fazit: Pato kam als Wunderkind - und Ancelotti förderte sein Juwel von Beginn an. Trotz des jungen Alters schenkte er ihm sofort das Vertrauen. Erst als Ancelotti den Verein verließ, stockte die Entwicklung des Brasilianers. Unter Ancelotti wäre er womöglich ein ganz Großer geworden.
Marco Verratti
2011 heuert Ancelotti bei Paris St.-Germain an und bekommt in der zweiten Saison einen Spieler, der zu einem seiner Lieblinge werden wird. Der 19-jährige Marco Verratti kommt für 12 Millionen Euro vom italienische Zweitligisten Delfino Pascara und spielt sich auf Anhieb fest. In der ersten Saison macht er 39 Pflichtspiele und feiert sein Debüt in der Champions League. Ancelotti formt den Italiener zum Nationalspieler. Mittlerweile zählt er zu den besten Mittelfeldspielern Europas und wird beim FC Barcelona als Nachfolger von Andrés Iniesta gehandelt.
Fazit: Verratti gilt nicht umsonst als Ancelottis Lieblingsspieler. Er holte ihn aus der 2. Liga ins Rampenlicht der Ligue 1 - und behielt Recht. Verratti ist womöglich die größte Entdeckung in Ancelottis Karriere.
Kingsley Coman
Neben Verratti steht auch Kingsley Coman aus der PSG-Jugend 2012/13 erstmals im Kader der Profis. Ancelotti gönnt ihm einen Drei-Minuten-Einsatz. Debüt in der Ligue 1 mit 16 Jahren, 8 Monaten und 4 Tagen. Es folgen lediglich zwei weitere Kurzeinsätze im Jahr darauf. Zu wenig für Coman, der daraufhin für 750.000 Euro zu Juventus in die Serie A wechselt. Aktuell ist er beim FC Bayern wieder mit Ancelotti vereint. Viel Einsatzzeit bekommt er nicht, noch hat Bayern die Kaufoption für den Franzosen nicht gezogen.
Fazit: Ancelotti ließ Coman damals ziehen, weil er in ihm nicht das große Potenzial sah. Aktuell beim FC Bayern tut sich der Franzose unter ihm erneut schwer. Sollten die Bayern am Ende die Kaufoption für Coman nicht ziehen, dürfte das auch an Ancelotti liegen.
Martin Ödegaard
Die ganze Fußball-Welt streitet sich im Winter 2014/15 um das 15-jährige Wunderkind. Real Madrid sticht unter anderem den FC Bayern aus. Ödegaard darf immer wieder mal mit den Profis trainieren, am letzten Spieltag lässt ihn Trainer Ancelotti eine halbe Stunde ran, bezeichnet den Norweger später aber als PR-Gag. Auch nach Ancelottis Abschied kommt Ödegaard nicht zum Zug. Aktuell ist der immer noch erst 18 Jahre alte Mittelfeldspieler an den SC Heerenveen ausgeliehen. In den Niederlanden kommt er regelmäßig zum Einsatz. Im Sommer 2018 soll er nach Madrid zurückkehren. Ausgang offen.
Fazit: Ancelotti hat das Talent von Ödegaard blockiert. Weil er keine andere Wahl hatte. Der gehypte Norweger machte den Schritt zu Real viel zu früh. Kein Trainer der Welt hätte ihn bei den Profis eingesetzt.
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