FC Bayern - Hertha BSC: Mitchell Weiser als Gesicht des Hertha-Höhenflugs
Mitchell Weiser hat seit seiner Zeit beim FC Bayern München eine steile Lernkurve hinter sich und gehört nun bei Hertha BSC zu den Stützen des Überraschungsteams. Pünktlich zum Spitzenspiel an alter Wirkungsstätte ist der 22-Jährige in Top-Form. "Ich bin erwachsener geworden", sagt Weiser von sich. Sein nächstes Ziel, neben einem Sieg mit Berlin in München: die Nationalmannschaft.
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Fotocredit: Eurosport
Als Mitchell Weiser noch für den FC Bayern München spielte, war ein Instagram-Post seine meistbeachteste Aktion. Im Februar 2015 postete der damals 20-Jährige ein Foto, das ihn und Bayern-Star David Alaba nur im Tanga bekleidet zeigte.
Ein Foto, als Spaß gemeint zur Aktion #photoyouwouldREALLYneverpost. Es passte den Machern des FC Bayern, die von ihrer jungen Garde zuvorderst Demut einfordern, gar nicht. Als es längst im Internet die Runde machte, löschte Weiser das Foto wieder und gelobte Besserung.
Am Saisonende musste er dennoch gehen - nicht gut genug für Bayern, so das Urteil.
Mitchell Weiser: Die rechte Seite ist jetzt seine
Am Mittwochabend kehrt Weiser nun mit Hertha BSC nach München zurück. "Ich bin erwachsener geworden", sagt er. Wichtiger auch, bei Berlin gehört er unter Pál Dárdai seit ziemlich genau einem Jahr zum Stammpersonal.
Die rechte Seite ist seither seine, im Sommer haben sie sein Gehalt angepasst, den Vertrag vorzeitig von 2018 bis 2020 verlängert.
Und siehe da: 2016/17 ist Weiser das Gesicht des Berliner Höhenflugs, zuletzt Matchwinner beim 2:0 gegen Schalke, dem dritten Sieg der Hertha in Folge, weshalb sie nun als Zweiter zum Ersten reist. Spitzenspiel.
Mitchell Weiser: "Schnell, ballsicher, frech"
"Wenn beide neun Punkte haben, ist das vielleicht ein Bayern-Feeling. Oder ein Hertha-Feeling. Sucht euch was aus", sagte Weiser nach Schalke. Spaßtour nach München, zu Kumpel Alaba?
"Natürlich fahren wir da hin, um etwas mitzunehmen", sagt er, der jetzt seriösere Weiser, der dem Hertha-Spiel in dieser Saison seinen Stempel aufdrückt.
Dárdai schwärmt:
Zweimal getroffen: Im Schritt, am Fuß
Zum Liga-Auftakt gegen Freiburg waren's schon die meisten Torschussvorlagen (2), die meisten Pässe in den Strafraum (8), aber auch die meisten Ballverluste (19). Ganz rund lief's da für Weiser noch nicht: Er bekam einen Gewaltschuss von Aleksandar Ignjovski ins Zentralmassiv, hatte danach Schmerzen im sensiblen Bereich.
Beim zweiten Spiel in Ingolstadt war Weiser dagegen früh wegen einer Fußverletzung gehemmt, biss aber heroisch auf die Zähne.
"In der Pause wollte er nicht einmal den Schuh ausziehen, damit er nicht weiter anschwillt. Und er wollte sich die Schmerzen auch nicht anmerken lassen. Er hat immer zu auf seinen Fuß geschaut, wollte auf keinen Fall raus", erzählte Trainer Dárdai hinterher. Also ließ er ihn zumindest bis zur 62. Minute spielen.
Lektion vor Pokalspiel
Dárdai weiß seinen Rechtsaußen aber auch härter anzufassen - so hatte der Ungar Weiser vor der ersten Pokalrunde bei Jahn Regensburg (1:1, 5:3 i.E.) noch zu Einzeltraining verdonnert, weil er mit dessen Fitnesswerten unzufrieden war.
Weiser zog durch, kam im Pokal als Joker und traf prompt zum 1:1-Ausgleich.
"Mitch hat sich nicht nur mit dem Treffer zurück in mein Herz gespielt. Er hat seine Aufgabe wunderbar erfüllt", meinte Dárdai danach.
Wie ein Gemälde von Jackson Pollock
Am Sonntagabend zeigte Weiser dann in 90 Minuten gegen S04 88 intensive Läufe, führte aberwitzige 39 Zweikämpfe, fing die meisten Bälle ab (5), zeigte die meisten erfolgreichen Dribblings (3) und wurde am häufigsten gefoult (4). Eine Draufsicht seiner Laufwege im Spiel sieht mittlerweile stets aus wie ein Gemälde von Jackson Pollock.
Seine Leistung krönte er mit seinem insgesamt vierten Bundesliga-Tor zum 1:0 (64.) und seiner in Summe zehnten Torvorlage beim 2:0 durch Valentin Stocker (74.) - im 49. Bundesliga-Spiel war er damit erstmals direkt an zwei Treffern beteiligt.
Keine Frage: Gegen Schalke klappte fast alles bei Weiser, der nach 21 Einsätzen als Rechtsverteidiger in der vergangenen Saison diese Spielzeit bislang ausschließlich als rechter Mittelfeldspieler bzw. Rechtsaußen zum Einsatz kommt und von Peter Pekarik den Rücken freigehalten bekommt.
Pekarik war es auch, der den Ball vor Weisers Tor eroberte. "Das war super von Peka", freute sich Weiser: "Er hat vorne Gegenpressing gemacht, den Ball erobert und dann gut zurückgelegt. Und ich habe dann einfach draufgehalten. Dass er dann so reingeht, ist natürlich super."
Bayern-Zeit kein Fehlschlag
Bayerns linke Abwehrseite mit dem durch einen Magen-Darm-Virus geschwächten David Alaba und dem manchmal nur zögerlich verteidigenden Franck Ribéry sollte also gewarnt sein.
Seine Bayern-Vergangenheit sieht Weiser indes nicht als Fehlschlag an. "Für mich waren es immer Schritte nach vorn", sagte der von 2005 bis 2012 beim 1. FC Köln ausgebildete 22-Jährige dem "kicker".
"Die Zeit bei den Bayern hat mir sehr geholfen, es war damals genauso der richtige Schritt wie vor einem Jahr der Wechsel nach Berlin." Bayern sei deshalb ein "Lernschritt" gewesen. "Aber ich wollte mehr Einsatzzeiten und Spielpraxis."
Erst Bayern, dann Jogi?
Die hat er nun in Berlin. So viel, dass er unweigerlich auch schon im Notizbuch des Bundestrainers Joachim Löw aufgetaucht ist. U21-Nationalspieler ist Weiser schon. Olympia in Rio verpasste er wegen der (letztlich verpatzten) Europa-League-Quali mit der Hertha, bald will er aber Spielern wie Max Meyer oder Julian Brandt ins DFB-Team folgen.
So sei es für ihn "das erste Ziel, überhaupt einmal zur A-Nationalmannschaft eingeladen zu werden. Ob das dann noch zu mehr reicht, darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken", sagt er.
Bei "Instagram" postet Weiser auf jeden Fall seit geraumer Zeit nur noch Seriöses.
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