Taktik-Check: 1. FC Köln - So funktioniert die Mannschaft der Stunde

Schritt für Schritt entwickelt sich der 1. FC Köln zu einem der interessantesten Teams der Bundesliga. Der starke Saisonstart lässt zumindest die Fans von Europa träumen. Vor dem Spiel gegen den FC Ingolstadt (Samstag ab 15:30 im Liveticker) analysiert Eurosport.de, was die Kölner so stark macht.

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Fast auf den Tag genau ist es ein halbes Jahr her: Am 10. April konnte Bayer Leverkusen den 1. FC Köln bezwingen – ein Kunststück, das seitdem keiner Mannschaft mehr in einem Pflichtspiel gelungen ist. Das Team von Trainer Peter Stöger ist längst zu einem der unangenehmsten Gegner in der Bundesliga geworden.

Defensive Stabilität als Basis

Es ist sehr schwer, gegen eine organisiert stehende Kölner Elf zu klaren Torchancen zu kommen. Sowohl im 4-4-2 als auch im 3-4-3 verstehen es die FC-Spieler hervorragend, die Räume zwischen den Mannschaftsteilen zu versperren.
Die Folge: Der Gegner wird immer wieder gezwungen, um die Kölner Grundformation herum zu spielen und zu flanken. In der Strafraumverteidigung gehören die Kölner ganz klar zu den besten Teams der Liga. Mit den kopfballstarken Innenverteidigern Dominique Heintz und Mergim Mavraj ist man gegen Flanken gut abgesichert, auch der einrückende Rechtsverteidiger Frederik Sörensen ist in der Luft kaum zu bezwingen.
Gelingt es dem Gegner doch einmal, sich flach in die tornahen Zonen zu kombinieren, agieren die Verteidiger des FC äußerst geschickt. Anstatt überhastet in Zweikämpfe zu fliegen, stellen sie den Gegner. Mavraj hat so bislang sieben, Heintz sechs gegnerische Schüsse geblockt – Ligaspitze.

Umschaltspiel als offensive Waffe

Gewinnen die Kölner den Ball, geht es zielstrebig und schnörkellos in die Spitze. Mit Anthony Modeste spielt ein äußerst athletischer Akteur in der Spitze, der hohe und flache Bälle festmachen und ablegen kann. Yuya Osako glänzt derzeit als technisch feiner Spielmacher mit Torjägerqualitäten um Modeste herum. Immer wieder bietet sich der Japaner zwischen den Linien des Gegners an und ist dort nach Ballgewinnen die erste Anspielstation.
Auffällig beim Kölner Umschaltspiel: Fast jeder Pass ist mit einem anschließenden Sprint in die Tiefe verbunden, nur selten folgt das Abspiel nach mehr als zwei Kontakten. Neben diesen schnellen Kombinationen gehören auch lange Bälle zum Konter-Repertoire des Tabellenvierten. Besonders Marcel Risse schickt Modeste und Co. immer wieder auf die Reise – und zwar mit für die Abwehrspieler unangenehm zu verteidigenden Flatterbällen per Vollspann.

Fortschritte im Ballbesitzspiel

Wer Köln jedoch nur als defensiv stabiles Team mit Stärken im Konter reduziert, tut der Mannschaft Unrecht. Der Spielaufbau hat sich in der mittlerweile dritten Saison nach dem Aufstieg klar verbessert. Besonders Heintz ist hier mit seinem starken linken Fuß wertvoll, da er auch gegen geordnete Gegner flache, scharfe Pässe bis in die Sturmspitze spielen kann. Spielt Köln im 4-4-2, lässt sich Kapitän Matthias Lehmann aus dem defensiven Mittelfeld häufig in den Raum zwischen Mavraj und Sörensen fallen. Da die Außenverteidiger vorschieben, ist im Aufbau häufig eine Dreierkette zu sehen, bei der Lehmann rechts und Heintz links an der ersten gegnerischen Pressinglinie vorbei eröffnen können.
Nach der Spieleröffnung geht es oftmals mit direkten Kombinationen weiter. Dabei wird meistens ein entgegenkommender Spieler im vorderen Bereich angespielt, der den Ball auf einen nachrückenden Sechser oder Außenverteidiger ablegt. Im Anschluss wird ein dritter Akteur, der in die Tiefe geht, angespielt. Ein weiteres charakteristisches Mittel ist das Flügelspiel, für das die Kölner personell bestens aufgestellt sind. Rausch, Hector, Bittencourt und Risse sind gute Flankengeber, die nach Kombinationen auf dem Flügel auch häufig in unbedrängte Situationen kommen. Mit Modeste hat man einen Spieler im Zentrum, der bei entsprechendem Timing in seiner Dynamik kaum zu verteidigen ist.

Flexibilität als Trumpf

Zwar ist das 4-4-2 aktuell die Stammformation beim FC, dies kann sich gegner- und situationsbedingt jedoch blitzschnell ändern. So kann aus dem 4-4-2 mit Sörensen rechts ein 3-4-3 oder 3-5-2 mit dem Dänen als dritten Innenverteidiger werden, während Hector (oder Rausch) links ins Mittelfeld aufrückt. Je nach Gegner und Spielsituation kann Risse auch eine Reihe nach hinten rücken und als Rechtsverteidiger agieren, sodass man ein 5-2-3- oder 5-3-2-Bollwerk bildet.
Da auch Rausch, Hector, Zoller, Bittencourt oder Milos Jojic gleich mehrere Positionen auf ähnlichem Niveau spielen können, ist eine schnelle Anpassung stets möglich – und diese geschehen auch regelmäßig. So gab es bislang kaum ein Spiel, in dem der FC nicht mindestens in zwei verschiedenen Systemen agierte. Auf das Trainerteam des FC Ingolstadt dürfte in der Analyse der Kölner also einiges zukommen.
Eurosport-Check: Defensivstärke und schnelles Umschaltspiel sind schon auf einem sehr guten Niveau, zudem gibt es immer größere Fortschritte im geordneten Spielaufbau: Still und heimlich mausert sich der 1. FC Köln zu einem Anwärter auf die Europapokalplätze. Zwar sind andere Teams personell stärker besetzt, die mannschaftliche Geschlossenheit sowie die taktische Disziplin und Flexibilität machen das Team von Peter Stöger jedoch zu einem ernsthaften Herausforderer für die etablieren Mannschaften. Mindestens.
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