Taktik-Check: Heimliche Helden der Hinrunde - Jonas Hector, Mitchell Weiser, Makoto Hasebe
VonLuca Baier
Publiziert 29/12/2016 um 12:09 GMT+1 Uhr
Pierre-Emerick Aubameyang, Anthony Modeste und Robert Lewandowski trafen wie am Fließband, Thiago zauberte nach allen Regeln der Kunst. Neben den offensichtlichen Topstars der Hinrunde gibt es jedoch auch einige Spieler, die im Schatten der Stars agieren und einen ungemeinen Wert für ihre Mannschaft haben. Eurosport.de präsentiert im Taktik-Check die drei heimlichen Helden der Hinrunde.
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Jonas Hector: "Schlaubi", der Alleskönner
Der 1. FC Köln entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem richtig guten Bundesligisten. Sinnbildlich für die taktische und spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft von Peter Stöger steht Nationalspieler Jonas Hector. Während der Linksfuß beim DFB ausschließlich als verlässlicher Linksverteidiger agiert, gibt er bei Köln den Alleskönner.
So kam er in der Hinrunde als Linksverteidiger, linker Mittelfeldspieler, Sechser, Achter und sogar Zehner zum Einsatz. Für den 26-Jährigen, der beim FC von allen "Schlaubi" genannt wird, kein Problem: Durch seine Spielintelligenz und Ruhe am Ball kann er sich schnell in den unterschiedlichsten Situationen zurechtfinden. Der Vizekapitän der Kölner ist so auch zum verlängerten Arm Stögers auf dem Platz geworden.
Bestes Beispiel dafür: Am siebten Spieltag gegen den FC Ingolstadt begann Köln im 4-4-2 mit Hector als Linksverteidiger hinter Konstantin Rausch. Da die Ingolstädter in ihrem 4-5-1 auf den Außenbahnen sehr mannorientiert agierten, gab es für Köln über die Flügel kein Durchkommen, zudem war man im Zentrum den drei Sechsern der Gäste unterlegen. Nach gut 20 Minuten sah man Hector und Stöger an der Seitenlinie minutenlang diskutierten. Es folgte die Umstellung auf ein 3-4-1-2, bei dem Hector als Zehner hinter Yuya Osako und Anthony Modeste agierte. Prompt gelang es den Kölnern, ein Übergewicht im Zentrum herzustellen, indem Hector gemeinsam mit der Doppelsechs Höger-Lehmann und dem zurückfallenden Osako um die drei Ingolstädter Sechser herumkombinierten. Folgerichtig schloss Modeste eine Kombination über Hector und Osako in genau diesem neu besetzten Raum zum Führungstreffer ab.
Mitchell Weiser: Einfach und konstant
"Der einfache Fußball ist der schönste. Aber einfacher Fußball ist zugleich auch am schwierigsten." Dieses Zitat von Fußballlegende Johan Cruyff passt hervorragend zum Werdegang des Mitchell Weiser. Der heute 22-Jährige galt schon während seiner Zeit beim FC Bayern fraglos als großes Talent. Die Konkurrenz stand ihm dort jedoch ebenso im Weg wie seine fehlende Konstanz und Zielstrebigkeit im Spiel. Bei Hertha BSC hat er sich wieder auf das Wesentliche zurückbesonnen und ist zum absoluten Leistungsträger geworden.
Weiser hat den Hertha-Fußball unter Pal Dardai total verinnerlicht: Einfache Sachen machen, Fehler minimieren, hart arbeiten. Die Berliner Mannschaft glänzt nur selten, ist aber kaum zu besiegen. So auch Weiser. Egal ob als Rechtsverteidiger oder als Rechtsaußen, defensiv gut zu stehen, hat oberste Priorität. Das Stellungsspiel des 22-Jährigen hat sich stark verbessert, im Zweikampf ist er ohnehin bissig und kann mit seiner Schnelligkeit auch kleine Fehler kompensieren.
Offensiv glänzt Weiser vor allem mit seinem guten Timing. Er rennt nicht wild die Linie entlang und flankt jeden Ball blind vors Tor. Weiser wartet auf die richtigen Situationen, um in die Tiefe zu gehen und legt den Ball kontrolliert an den Elfmeterpunkt zurück oder spielt flach und scharf auf den kurzen Pfosten. Behält er diese Konstanz in seiner Entscheidungsfindung bei, dürfte er in Zukunft auch eine Option für die Nationalmannschaft werden – technisch und körperlich bringt er dafür ohnehin alles mit.
Makoto Hasebe: Kovacs Libero
Dreierketten sind wieder in Mode. Schalke, Gladbach, Köln, Dortmund, Wolfsburg, Hoffenheim und Frankfurt vertrauten in dieser Saison bereits auf ein System mit drei Innenverteidigern. Bei der Frankfurter Eintracht wird dieses taktische Mittel in einer sehr klassischen Art und Weise genutzt. Makoto Hasebe, von Hause aus Sechser oder auch Achter, agiert in der Dreierkette zentral wie ein Libero. Während seine Nebenmänner ihre Gegenspieler oft mannorientiert verfolgen und die Kette verlassen, füllt der Japaner die entstehenden Löcher.
Für den laufstarken Hasebe ist dies eine perfekte Rolle. In einer klassischen Dreierkette, in der die Gegenspieler übergeben werden, würde er nämlich zu oft in direkte Duelle mit den körperlich meist überlegenen Stürmern kommen. So kann er seine Übersicht und sein Timing optimal nutzen, um gegnerische Pässe in die Tiefe abzufangen und direkte Gegenangriffe einzuleiten.
Im Spielaufbau bestimmt der Kapitän der japanischen Nationalmannschaft mit seinem sicheren Passspiel den Rhythmus. In der Regel verteilt er die Bälle geduldig in die Breite. Rückt der Gegner jedoch weiter auf, streut Hasebe immer wieder gezielte lange Bälle hinter die Abwehrkette ein. Diese kommen natürlich nicht immer an – müssen sie aber auch nicht. Frankfurt brilliert bislang wie kaum ein anderes Team im Spiel auf die zweiten Bälle und sorgt so regelmäßig für Torgefahr.
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