FC Bayern München: Werben um Trainer Jupp Heynckes wirkt wie ein Akt der Verzweiflung

Für den FC Bayern München hält das neue Jahr alte Themen bereit. Der Rekordmeister beschäftigt sich mit der Trainerfrage ab Sommer 2018, aber vor allem beschäftigt sich Bayern in der Trainerfrage mit: Jupp Heynckes. Das öffentliche Werben von Uli Hoeneß fußt auf Wertschätzung für den Triple-Sieger. Weil dieser seinen Contra-Standpunkt mehrfach verdeutlichte, wirkt es aber wie Verzweiflung.

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Der Schlamassel begann mit einem trügerisch harmlosen Sätzchen, geäußert zu einem Zeitpunkt, als die Zeremonie im Prinzip vorüber war.
Ende November wurde Uli Hoeneß nach dem offiziellen Teil der Jahreshauptversammlung beim FC Bayern gefragt, fast beiläufig, ob er sich denn vorstellen könne, dass Jupp Heynckes ganz vielleicht, unter gegebenen Umständen und selbstverständlich nach zweimaligem Bellen des Schäferhundes Cando auch 2018/19 als Münchner Trainer fungiere.
"Ja, das halte ich für möglich", sagte Hoeneß. Das war entweder die Wahrheit oder Koketterie, und sicherlich war es eher nicht so clever.

Heynckes als Ideallösung und Überbrückung

Seitdem kann Heynckes seinen Fokus nicht ausschließlich darauf lenken, dass Bayern bald wieder den Rathausbalkon buchen darf; ständig muss er nervige Nachfragen hören und beantworten, ob nicht ganz vielleicht, unter gegebenen Umständen... Hat Cando schon gebellt?
Vor dem Rückrundenstart ist der Rekordmeister nach Doha aufgebrochen, zum Winter-Trainingslager, und kaum war er dort angekommen, hielt das neue Jahr alte Themen bereit. Laut "kicker" beschäftigt sich Bayern durchaus mit der Trainerfrage ab Sommer 2018, aber vor allem beschäftigt sich Bayern in der Trainerfrage mit: Jupp Heynckes.
"Kein anderer Name" werde intern "wirklich konkret" diskutiert, heißt es, nach wie vor hofft die Vereinsspitze auf Heynckes - als Ideallösung (bei den Profis beliebt wie geachtet) und Überbrückung (bis Wunschkandidaten 2019 verfügbar sind).

"Ich weiß nicht, was den Uli bewegt hat…"

Fakten stützen diese Überlegung: 16 Spiele mit dem Trainer-Routinier, 15 davon gewonnen, souveräne Tabellenführung in der Bundesliga, Pokalerfolge über Leipzig und Dortmund, Prestigesieg in der Champions League über Paris, die Bayern schweben auf Wolke Jupp. Warum also etwas verändern?
Nun ja: Weil die Wolke Jupp oft bekundet hat, nach Saisonende 2017/18 weiterziehen zu wollen, weg aus München, zurück auf den Bauernhof am Niederrhein, in den Altersruhesitz mit dann 73.
"Ich weiß nicht, was den Uli bewegt hat, so etwas zu sagen", meinte Heynckes verdutzt, als er Hoeneß' Worte vom November kommentieren sollte. Danach bestärkte er sein Dogma, widerwillig, aber professionell:

Fünf Jahre später sind die Rollen vertauscht

Er sei "Ulrich nicht böse", ergänzte Heynckes, und kaum hatte er ausgesprochen, saß Ulrich Hoeneß bei einer Fanclub-Weihnachtsfeier und fragte launig in die Runde: "Wer ist dafür, dass Jupp Heynckes noch ein Jahr bleibt?" Der Raum wurde von Handzeichen geflutet. Hoeneß gluckste:
Bei Hoeneß' Verlautbarungen geht es um öffentlich beglaubigte Wertschätzung, sein Freund Heynckes soll wissen, wie viel der FC Bayern von ihm hält - konträr zum Januar 2013, als sie ebenfalls viel von ihm hielten, aber nicht so viel wie von Pep Guardiola, den sie prompt verpflichteten und eine Mitteilung aussandten mit der Überschrift: "Jupp Heynckes beendet Karriere."
Sowas hat der Mann als Affront verstanden, kein guter Stil, weil keine alte Schule. "Das will ich schon selbst verkünden", greinte er.

Bayern-Botschaft: Wir haben keinen anderen

Fünf Jahre später sind die Rollen vertauscht. Heynckes hat neben Hund Cando plötzlich auch Bayern an der Leine, obwohl er gar nicht will. Die Münchner betteln ja förmlich um seine Dienste, es wirkt wie ein Akt der Verzweiflung und als Demonstration von Hilflosigkeit: Wir haben keinen anderen.
Ein junger, deutschsprachiger Trainer soll es sein, im Ausland würden Niko Kovac (Frankfurt), Ralph Hasenhüttl (Leipzig) und Julian Nagelsmann (Hoffenheim) allerdings keine Ehrfurchtsszenarien hervorrufen - bei allem gebotenen Respekt. Eintracht-Boss Fredi Bobic sagt:
Oder halt Jupp Heynckes. Es wäre nicht einmal eine Überraschung.
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