Ruhe auf dem Transfermarkt: Wann schlägt der FC Bayern zu?
Publiziert 11/06/2018 um 10:33 GMT+2 Uhr
Der FC Bayern München will sich 2018 eher defensiv auf dem Transfermarkt zeigen. Einige Fans lechzen aber nach einer am Ende enttäuschenden Saison 2017/18 mit nur einem Titel nach echten Krachern und einer Kampfansage an die europäische Konkurrenz. Doch aktuell spricht viel dafür, dass der neue Trainer Niko Kovac die spektakulärste Verstärkung in diesem Jahr bleibt.
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Ist der FC Bayern jetzt noch ein Weltklub oder nicht? Während Teams wie Manchester City, Paris Saint-Germain, Manchester United, Real Madrid oder der FC Barcelona sich erwartungsgemäß mit hohen Ablösesummen auf dem Transfermarkt überbieten werden, wäre es wenig verwunderlich, wenn sich die Münchner eher defensiv verhalten.
Das Transferfenster wird in Deutschland vom 1. Juli bis zum 31. August geöffnet. In Fan-Foren erhitzen sich jedoch schon jetzt die Gemüter und scheiden sich die Geister, wenn es darum geht, ob sich der deutsche Rekordmeister nicht in diesem Jahr mit einem echten Kracher verstärken sollte.
80 Millionen, 90 Millionen, 100 Millionen für Gareth Bale von Real Madrid? Egal! Hauptsache, ein Signal an die europäische Konkurrenz senden, um zu zeigen: Wir bleiben dran, wir sind nicht auf dem Weg zurück in die europäische Mittelklasse.
Hoeneß sitzt auf dem Festgeld
Natürlich wird sich auch in der Chefetage an der Säbener Straße seit geraumer der Kopf darüber zerbrochen - die Herren dort schlafen schließlich nicht - doch der Bauch (Präsident Uli Hoeneß) rät ihnen zu Geduld.
Und erscheint auf den ersten Blick eine massive Investition mit eventuell gar mehr als 100 Millionen Euro in einen Spieler der Spitzenklasse als einzige Lösung, so gerät diese These bei einem genaueren Blick auf den Kader der nächsten Saison wieder ins Wanken.
"Wir müssen das vorhandene Personal dazu bringen, besser zu spielen", hat Hoeneß nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt betont. Passend dazu sagte er im "kicker": "Eines Tages können große Transfers passieren, aber nicht in diesem Jahr."
Dem neuen Trainer Niko Kovac wird zugetraut, dem alten Personal neue Impulse zu verschaffen. Er hat zwar zeitliche Engpässe durch die WM in Russland - ein Großteil der Spieler wird erst spät in die Vorbereitung einsteigen - doch er tritt seinen Dienst mit Rückendeckung von Hoeneß an.
Neuer und Müller sind enorm wichtig
Zudem hat er einen großen Vorteil gegenüber der Vorsaison, die noch mit Carlo Ancelotti startete. Vorausgesetzt, Manuel Neuer und Thomas Müller verletzen sich nicht schwer in Russland, kann Kovac jetzt voll auf sie bauen. Neuer fehlte nahezu die komplette Spielzeit, Müller fand erst unter Heynckes zurück in die Erfolgsspur.
Wenn dem Team des FC Bayern etwas fehlte in der vergangenen Saison - das Verletzungspech ausgeklammert -, dann waren es Spieler, die die Mannschaft in entscheidenden Momenten mitzogen. Auch das macht einen Killer-Instinkt aus, der gegen Real im Champions-League-Halbfinale irgendwann auf der Strecke blieb.
Die Präsenz eines Kapitäns wie Neuer oder eines Müllers in beständiger Form sind Gold wert - Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm lassen grüßen. In Kombination mit Mats Hummels und Joshua Kimmich stehen Neuer und Müller ganz oben in der Hierarchie.
Die Strukturen um sie herum sind gewachsen und bedürfen nur punktueller Anpassungen, sollten Akteure wie Thiago oder Jérôme Boateng, bei denen die Identifikation mit Bayern schon seit längerem leidet, noch wechseln. Kevin Vogt von der TSG 1899 Hoffenheim soll ein Wunschkandidat von Kovac für die Abwehr sein.
Niklas Süle hat sich als Innenverteidiger von Monat zu Monat gesteigert - ihm gehört die Zukunft. Serge Gnabry und Kingsley Coman werden Franck Ribéry und Arjen Robben Druck machen, Leon Goretzka wird mit seiner Qualität seine Einsätze im Mittelfeld bekommen. James Rodríguez hat sich in München akklimatisiert.
Der Kader ist bestens ausgelegt für einen kreativen Ballbesitz-Fußball.
Bayern hat nach wie vor "riesiges Potenzial"
Welche Mannschaft aus der Bundesliga kommt an die Bayern heran? Selbst auf internationaler Ebene reicht er noch geschmeidig bis zum Viertelfinale. Und ab da kann ohnehin alles passieren.
"Wir haben riesiges Potenzial", weiß Hoeneß.
Gut, Robert Lewandowski bleibt bis zum 31. August aufgrund seines wohl bei den Bossen hinterlegten Wechselwunsches gewissermaßen ein Pulverfass.
Dennoch ist kaum vorstellbar, dass sich ein Uli Hoeneß umstimmen lässt. "Wir werden der Fußballwelt beweisen, dass der Verein noch immer der Stärkere ist", hatte er mit Verweis auf den Vertrag des Polen bis 2021 bekräftigt.
Einen Fall Dembélé oder Aubameyang wie in Dortmund soll es beim FCB auf keinen Fall geben. Das wäre ein fatales Zeichen.
Fokus sollte schon auf 2019 liegen
Im kommenden Jahr sieht das eventuell schon wieder anders aus, denn erst dann wird die Personalie Timo Werner (RB Leipzig, Vertrag bis 2020) so richtig interessant. Sollte er nicht zügig in Leipzig verlängern, werden die Spekulationen wöchentlich zunehmen.
Auch ein Fiete Arp (noch beim Hamburger SV) könnte dann im Bayern-Kader stehen. Der Transfersommer 2019 wird wesentlich wichtiger als der aktuelle.
Bange muss bei Bayern mit Blick auf die kommende Saison deshalb niemandem werden.
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