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Sebastian Rudy versauert beim FC Bayern München unter Jupp Heynckes auf der Bank

Nur noch Statist: Rudy versauert bei Bayern auf der Bank

26/01/2018 um 15:38Aktualisiert 26/01/2018 um 16:11

Zu Saisonbeginn überraschte Sebastian Rudy die meisten Fans des FC Bayern München. Unter Carlo Ancelotti bekam der 27-Jährige regelmäßig Einsatzzeiten, überzeugte mit guten Leistungen. Seit Jupp Heynckes den Tabellenführer trainiert, kommt der deutsche Nationalspieler jedoch immer seltener zum Einsatz. Dieser Trend gefährdet nicht nur Rudys Chancen bei Bayern.

Ja doch, bekannte der einstige Hoffenheimer, Trainer Jupp Heynckes gebe ihm "das Gefühl, dass er mich weiterbringen will". 15 von 19 Spielen in der Bundesliga und fünf von sechs auf Champions-League-Ebene durfte er seit dem Wechsel zum FC Bayern absolvieren, zunächst unter Carlo Ancelotti, dann mit Heynckes.

Seine Chancen stehen gut, besser jedenfalls als beim Rest früherer 1899-Profis, die sich nun in München verdingen. Süle ersetzt regelmäßig Jérôme Boateng oder Mats Hummels, während es für Sandro Wagner und Sebastian Rudy eher schleppend vonstattengeht.

Mit Ancelotti endete auch Rudys Höhenflug

Als Rudys Verpflichtung vorigen Sommer bekannt wurde, fragten sich die meisten, was Bayern denn mit ihm wolle. Sicher, der 27-Jährige war Nationalspieler, hatte mit Hoffenheim die Champions-League-Qualifikation erreicht und war zudem ablösefrei - dennoch sahen den Transfer viele skeptisch.

In der Champions-League-Gruppenphase gegen Anderlecht saß Rudy 90 Minuten auf der Bank. Es war das einzige Spiel unter Ancelotti, in dem er nicht zum Einsatz kam. Ansonsten vertraute der Italiener voll auf Rudy als unauffällig-umsichtigen Lenker in der Zentrale. Zum Ligastart gegen Leverkusen überzeugte er direkt, bereite das erste Tor mit einer Flanke auf Süle vor.

In allen sechs Ligaspielen unter Ancelotti stand Rudy auf dem Platz, wenn auch nicht immer über die gesamten 90 Minuten. Ende September wendete sich das Blatt für den 24-fachen Nationalspieler. Nach der bitteren 0:3-Niederlage gegen Paris Saint-Germain waren die Tage für Ancelotti gezählt und damit auch der Höhenflug von Rudy.

Beim ersten Heynckes-Auftritt gegen Freiburg schaute Rudy bereits 70 Minuten zu. Ein Fingerzeig. Unter Ancelotti sammelte Rudy durchschnittlich 58,4 Minuten Spielzeit, bei Heynckes sind es lediglich 38 Minuten.

Sebastian Rudy: Ein Einsatz in sechs Spielen

"Es ist ohne Frage große Konkurrenz auf meiner Position da, trotzdem werde ich versuchen, mich durchzusetzen", sagte er vor dem Rückrundenstart zur "tz". Aktuell bleibt es beim Versuch. Nur an einem der letzten sechs Ligaspiele war Rudy aktiv beteiligt, im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den BVB durfte er drei Minuten lang die 2:1-Führung verteidigen. In der Liga schmorte er zuletzt dreimal auf der Bank.

Dabei hatte sich Rudy zu Jahresbeginn ambitionierte Ziele gesteckt:

"Ich will wieder voll angreifen, meine Leistungen bringen, mich verbessern und meine Spiele machen!"

Auch in den Pokalwettbewerben, in denen Rudy stets spielte, sieht's inzwischen düsterer aus. Mit dem DFB-Pokal gegen Paderborn und der Champions League gegen Beşiktaş beginnt für den FC Bayern die heiße Phase; wer dort draußen sitzt, wird es schwer haben, einen Weg zurück in die Anfangself zu finden.

Rudy droht ein Stammplatz der anderen Art

Und dann steht die Weltmeisterschaft in Russland an. Beim Confed-Cup-Sieg 2017 bestritt Rudy bis auf 16 Minuten jede Partie über die Gesamtdistanz, als eine Art Ersatz-Kroos, strategisch einwirkend. Rudy sagt:

"Klar, die WM ist mein großes Ziel. Ich bin sehr optimistisch, dass es dieses Jahr klappt. "

Garantiert ist nichts. Kommt der 27-Jährige nicht regelmäßiger zum Zug, wird sich Bundestrainer Joachim Löw seine Gedanken machen. Rudys Vorteil ist, dass er sowohl im defensiven Mittelfeld agieren als auch die Position des Rechtsverteidigers einnehmen kann.

Sollte diese Qualifikation nicht ausreichen, droht im Sommer ein Stammplatz auf der heimischen Couch, während sein Vorbild Toni Kroos die Hauptrolle einnimmt.

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