Taktik-Check zum Bundesliga-Start: Sebastian Rudy, der Anti-Alonso
VonLuca Baier
Publiziert 18/08/2017 um 10:09 GMT+2 Uhr
Vor dem Ligastart gegen Bayer Leverkusen (20:30 Uhr live im Eurosport Player und Liveticker) sucht Carlo Ancelotti noch nach der richtigen Mittelfeldbesetzung für den FC Bayern. Möglicherweise wird Sebastian Rudy eine der tragenden Säule in der Münchener Schaltzentrale. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, warum der Nationalspieler der legitime Nachfolger von Xabi Alonso werden kann.
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Zweifacher Champions-League-Sieger, Europameister, Weltmeister - dazu noch diverse nationale Pokale: Als Xabi Alonso zum FC Bayern kam, hatte er bereits alles gewonnen, was man sich im Weltfußball so ausmalen kann.
Sebastian Rudy hingegen hat auf internationalem Parkett lediglich den Confederations Cup sowie ein Tor gegen die Glasgow Rangers in der Champions League vorzuweisen. Doch nicht nur die Liste der Erfolge unterscheidet die beiden Spieler – auch die Interpretation der Sechserposition ist eine völlig andere.
360-Grad-Scanner statt Quarterback
Alonso baute das Spiel wie ein Quarterback im American Football von hinten auf und bediente die Flügelstürmer mit langen Diagonalbällen. Der Spanier fühlte sich besonders dann wohl, wenn alle Gegner in seinem unmittelbaren Blickfeld waren. Rudy hingegen ist mittendrin: Er bietet sich nicht zwischen den Innenverteidigern an, sondern positioniert sich im zentralen Mittelfeld und will hinter der ersten gegnerischen Pressinglinie angespielt werden.
Mit genau dieser Zone liebäugelt quasi jeder Gegner als Ort für vielversprechende Ballgewinne - umso herausfordernder ist es für einen Sechser, hier den Überblick zu bewahren. Rudy gelingt das durch seine ständigen Schulterblicke. Gegen Leverkusen () sollte der interessierte Fußballfan mal für einige Minuten genau auf Rudy achten und verfolgen, wie oft er sich umschaut.
So scannt der ehemalige Hoffenheimer die Positionierung des Gegners und der Mitspieler. Seine gute Technik bei der Ballannahme kombiniert mit diesem Informationsvorsprung erlauben es ihm, die Folgeaktion sehr klar und sicher zu gestalten. Eurosport-Experte Matthias Sammer sagt zu Rudy:
"Unscheinbare Präsenz"
Die von Eurosport-Experte Sammer angesprochene Klarheit sowie die Sicherheit in den Aktionen halten den Spielfluss aufrecht. Die meisten Pässe spielt Rudy auf die unmittelbaren Nebenleute, zu denen er sich stets im richtigen Abstand positioniert. Hier ähnelt seine Spielweise stark der von Julian Weigl bei Borussia Dortmund oder Sergio Busquets beim FC Barcelona. Für dominante Mannschaften ist solch ein Spieler extrem wichtig, um den Ball und damit den Gegner konstant zu bewegen.
Selten nutzt Rudy mehr als zwei Ballkontakte. Dadurch wirkt er – zusätzlich zu seiner unauffälligen körperlichen Erscheinung ohne Tattoos, gefärbte Haare oder Muskelmassen – oftmals kaum präsent, obwohl das Gegenteil der Fall ist.
Wenig Fehler zu machen heißt jedoch nicht, dass man nur Sicherheitspässe spielt. Im Gegenteil: Der Nationalspieler hat ein sehr gutes Auge dafür, wann er einen Ball zwischen die Linien des Gegners spielen kann oder auch hinter die Abwehrkette lupft. So kann er immer wieder für Rhythmuswechsel und Überraschungen sorgen.
Eurosport-Check: Die landläufige Meinung über Rudy dürfte ungefähr folgendermaßen aussehen: Günstig, macht wenig Fehler und keinen Ärger bei wenig Spielzeit. Dass der 27-Jährige jedoch deutlich mehr kann, hat er in der letzten Saison sowie beim Confed Cup eindrucksvoll bewiesen.
Seine Fähigkeiten, auf engem Raum als geduldiger und sicherer Taktgeber zu agieren, hat im Bayernkader sonst nur Joshua Kimmich – doch der ist fest als Außenverteidiger eingeplant. Gegen die pressingstarken Leverkusener könnte Rudy gleich zum Saisonstart zeigen, dass er die Lücke des zurückgetretenen Alonsos durchaus füllen kann. Auch wenn er ein ganz anderer Typ ist.
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