Imago

Trainer-Theater beim FC Bayern München: Zieh die Reißleine, Jupp Heynckes!

Bayerns Trainer-Quartett: Zieh die Reißleine, Jupp!

05/03/2018 um 11:58Aktualisiert 05/03/2018 um 12:32

Der FC Bayern und die Trainerfrage - das Thema um die Nachfolge von Jupp Heynckes wird zur Dauerschleife in der Bundesliga. Nun ist auch Freiburgs Trainer Christian Streich in die Geschichte hineingezogen werden. Kompletter Irrsinn, wie nicht nur Streich feststellt. Auch Eurosport-Blogger Thilo Komma-Pöllath kann das Theater um den Trainerstuhl nicht mehr hören - und gibt Heynckes einen Rat.

Wenn das größte Thema nach einem Bundesliga-Spieltag eines ist, das angeblich gar keines ist, dann ist damit viel gesagt über den derzeitigen Informationsgehalt und Unterhaltungswert dieser Liga. Wie auch. Die wichtigsten Antworten sind längst gegeben, der Meister steht fest, die Absteiger ebenso, worüber lässt sich noch großartig streiten?

In einer solchen Stimmungslage wird gerne zu Marketingzwecken das Absonderliche und Abseitige salonfähig, um der Öffentlichkeit eine Dramatik vorzugaukeln, die es so gar nicht gibt. Die Vorstellung, dass einer wie Christian Streich Trainer beim FC Bayern werden könnte, ist so eine absonderliche Diskussion, von der man nicht ganz weiß, ob man sie für einen gelungenen Scherz oder großen Schwachsinn halten soll.

Streich zum FC Bayern? Das wäre in etwa so, als würde Gregor Gysi in die CSU eintreten, um noch einmal gewählt zu werden - also undenkbar. Die Frage, die sich mehr und mehr aufdrängt, ist, was sich der FC Bayern davon verspricht, wenn jede Woche ein neuer Name durch die Manege gepeitscht wird und man selbst nur pikierter Zuschauer ist?

Nagelsmann, Tuchel, Löw, Kovac, Klopp...

Es war Christian Streich, der für diese bayerische Ohnmacht mal wieder die einzig passenden Worte gefunden hat: Jede Woche werde ein anderer Name genannt, er wäre beleidigt gewesen, wäre seiner nicht darunter gewesen. Dann grinst er. Sich in der größten Anschmeichelei über die Bayern lustig zu machen, das kann wohl auch nur Streich. Es klang nach der Metapher von der Sau, die durchs Dorf getrieben wird.

Inzwischen ist die Trainerfindungskommission beim FCB also beim Tabellendreizehnten angekommen. Lässt man die Namen revue passieren, die in den letzten Wochen an interessierter Stelle platziert wurden, ergibt sich folgendes Stimmungsbild: Heynckes, Nagelsmann, Heynckes, Tuchel, Heynckes, Löw, Heynckes, Klopp, Heynckes, Kovac, Heynckes, Streich, Heynckes. Jemand vergessen?

Wenn der Sportdirektor der Bayern, Hasan Salihamidžić, Streich am Sonntag als "super Typ" lobt, aber darauf besteht festzustellen: "Wir haben einen Trainer, das habe ich schon mal gesagt", dann wird angesichts Heynckes' zahlreicher Dementi bezüglich einer möglichen Vertragsverlängerung eine nicht unerhebliche Realitätsverweigerung daraus.

Heynckes ist genervt

Fakt ist doch: Die Bayern scheinen große Schwierigkeiten zu haben, einen Trainer zu finden, der die eigene Zukunft gestalten will/kann. Wie man hört, lehnt Heynckes mit Verweis auf sein Alter genau das ab. Es kann also nur darum gehen, dass Jupp als nochmaliger Notnagel an der Säbener Straße eingeschlagen wird, für den Fall, dass die Bayern rechtzeitig zum Saisonstart keinen adäquaten Trainer präsentieren können.

Heynckes will auch das nicht, das hat er seiner Frau versprochen, und zu oft wurde er von Hoeneß und Rummenigge vor die Tür gesetzt, als dass er es ihnen jetzt zu einfach machen möchte. Die permanent wechselseitig strapazierte "Wir sind beste Freunde"-Nomenklatur ist bestenfalls die Erzählung an der Oberfläche, die den Dissens im Konkreten übertünchen soll. Heynckes ist genervt ob der Strategie seiner Bosse, die Klubzukunft alternativlos an seinen Namen zu ketten.

Bayern-Strategie: Wie beim Quartett

Dass einer wie er, gelassen und grundentspannt wie er ist, am Sonntag einen TV-Reporter nach einer Frage zu Streich einfach stehen lässt, das ist so wenig seine Sache und gegen seine Natur, dass zu vermuten ist, dass er die Namenwechselspielchen satthat. Will er sich den weiteren Nonsens seines Sportdirektors ersparen (Salihamidžić am Sonntag: "Am 1.7. werden wir sicher einen richtig guten Trainer in München haben"), muss er von sich aus die Reißlinie ziehen.

Vielleicht muss man sich die geheime Strategiearbeit von Hoeneß und Rummenigge vorstellen wie zwei Kinder, die Quartett spielen. Nur dass die Herren keine Schiffe, Sportwagen oder Massenmörder sammeln, sondern Fußballtrainer. Dumm nur, dass nie auf der Karte steht, ob die auch Bayern können - und können wollen...

Video - Braucht Bayern einen Plan B? Diese Torjäger könnten Lewandowski ersetzen

01:41
0
0