Eurosport
Was macht eigentlich Ex-Bayer Lúcio? "Das Tier" ist auch mit 40 nicht müde
Von
Publiziert 08/05/2018 um 12:52 GMT+2 Uhr
40 Jahre wird der einstige Publikumsliebling des FC Bayern München am 8. Mai alt. Doch was macht der Brasilianer eigentlich, wohin hat es Lúcio verschlagen? Der von seinem Mannschaftskollegen einst ehrfürchtig "das Tier" genannte Abwehrrecke ist noch immer mit Leib und Seele Fußballer und hat seine unglaubliche Karriere eben erst um ein neues Kapitel erweitert.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
So kündigte im Winter 2001 Reiner Calmund einen Neuzugang an, der für damals rund 15 Millionen D-Mark im Januar die Titelträume von Bayer 04 Leverkusen endlich wahr werden lassen sollte.
Gestatten: Lúcio.
Der Innenverteidiger von Internacional Porto Alegre war die jüngste Entdeckung der Bayer-Scouts in Südamerika und wurde seinem Ruf umgehend gerecht: Kompromisslos in der Defensivarbeit, kaum zu bändigen bei seinen Vorstößen in der Offensive. Calmund:
Das Kraftpaket hatte enormen Anteil daran, dass sich Bayer in der Saison 2001/02 bis ins Finale der Champions League spielte - und wenn er im Verein einen Titel durch die beiden Finalniederlagen in Königsklasse und DFB-Pokal sowie Platz zwei in der Bundesliga verpasste, in der Nationalelf wurde er belohnt:
Mit der Seleção holte er sich in Yokohama den WM-Titel gegen die von Miroslav Klose angeführte DFB-Elf. Der 1,88m-Hüne war endgültig auch international einer, für manche sogar der beste Innenverteidiger der Welt.
"Das Tier" erobert München
Ein Spieler dieses Formats will jedes Jahr Titel, deshalb war ein Abschied von "Vizekusen" nur eine Frage der Zeit. Lúcio wechselte im Sommer 2004 nach München und belohnte sich wie den FC Bayern mit dem Double 2005 und 2006.
Durch seine bodenständige Art und seinen unnachahmlichen Kampfgeist spielte er sich in die Herzen der Bayernfans - und die Teamkollegen nannten ihren unermüdlichen Abwehrchef intern voller Respekt "das Tier".
Weitere Titel mit Nationalelf (Confed Cup 2005 und 2009) und dem FCB (Double 2008) machten Lúcio zu einem der "Seriensieger" des Jahrzehnts: Die Perspektiven sind rosig, der Brasilianer und die Bayern schienen ein Paar, das niemand trennen kann.
Rauswurf statt Rente bei Bayern
Bis Louis van Gaal 2009 in München das Zepter übernahm. Lúcio kehrte gerade mit der brasilianischen Nationalmannschaft vom Confed Cup zurück, als ihm die Botschaft überbracht wird: Der neue Trainer plane nicht mit ihm, er könne den Verein verlassen. Ein Schock, denn seine Zukunft hatte der Familienmensch an der Isar gesehen, wie er später der "tz" sagte:
Revanche im Bernabéu
Tief getroffen verabschiedete sich Lúcio nach Italien, wo ihn Jose Mourinho bei Inter Mailand dankend zum Stabilisator der Defensive machte und ihm die Gelegenheit zur Revanche ermöglichte. Denn am 22. Mai 2010 kam es in Madrid zum Champions-League-Finale gegen den FC Bayern. Die Inter-Abwehr mit Landsmann Júlio César ließ keinen Treffer von Robben, Müller, Klose, Olic oder Gómez zu, mit 2:0 feierte Lúcio das Triple gegen van Gaal.
Nach dem Spiel gab es von Seiten der Münchner Fans aber kein Pfeifkonzert, sondern Standing Ovations für ihn, als er mit rotweißem Vereinsschal den Bayernblock grüßte:
Lúcio kann's auch mit 40 nicht lassen
Der Abend im Bernabéu-Stadion war der Höhepunkt in Lúcios Karriere, danach ging es für den damals 32-Jährigen langsam bergab. Die Titel wurden weniger und waren nicht mehr so prestigeträchtig, der Stammspieler wurde immer öfter zum Ergänzungsspieler.
Ein Wechsel innerhalb der Serie A zu Juventus Turin brachte ebensowenig einen erfolgreichen Neustart wie die Rückkehr 2013 nach Brasilien zu FC São Paulo und Palmeiras São Paulo.
Lúcio zog es daraufhin im Herbst 2015 nach Indien, wo seine Prominenz der Superliga Glanz verleihen sollte.
Nach einem Jahr brach Lúcio seine Zelte in Indien wieder ab und kehrte 2017 nach Brasilien zurück. Dort hängte er die Fußballschuhe an den Nagel - doch nicht dauerhaft: Seit Jahresanfang 2018 gibt er wieder Gas, erst für den SE Gama in der 4. Liga Brasiliens (Série D), seit April beim Brasiliense Futebol Clube.
Das erste Spiel Ende April ging noch 0:1 verloren, doch in seiner letzten Partie vor seinem 40. Geburtstag gab es jetzt ein 4:0 zu feiern - ein perfektes Zahlenspiel.
Und ein Beweis dafür, dass Lúcio, der Eisenbahnschienen-Durchtreter, noch lange nicht zum alten Eisen gehört.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung