Wird Manuel Neuer vom FC Bayern München wieder der Alte? Sportmediziner klärt auf

Manuel Neuer arbeitet nach drei Mittelfußbrüchen auf seine Rückkehr hin, rechtzeitig zum Saisonendspurt beim FC Bayern München und der WM soll er in Bestform sein. Kann das funktionieren? Oder besteht gar die Gefahr, dass der 31-jährige Nationaltorhüter nie mehr so gut wird wie zuvor? Michael Lehnert, Mannschaftsarzt der Fußballfrauen von Turbine Potsdam, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Am Jahresanfang bestand die Hoffnung aus abgelegten Krücken. Inzwischen hat Manuel Neuer den nächsten Schritt zum Comeback gemacht, nach drei Mittelfußbrüchen kann der Torhüter des FC Bayern München wieder voll belasten, ohne Spezialschuh, den er zur Schonung nurmehr im Alltag trägt.
Ursprünglich war vorgesehen, dass Neuer zum Rückrundenstart ins Bayern-Tor zurückkehrt und sich mit genug Anlaufzeit fit macht für die Entscheidungen im Saisonendspurt und der WM. Dieser Plan wurde schon länger verworfen, alle Beteiligten gehen behutsam vor, damit der 31-Jährige so gut wird wie gewohnt.
Aber kann er das? Oder hinterlassen die Verletzungen ihre Spuren?

Wollten Neuer und Bayern zu früh zu viel?

"Auf jeden Fall" werde Neuer der Alte, betont Dr. med. Michael Lehnert, Mannschaftsarzt der Fußballfrauen von Turbine Potsdam und Betreuer des Olympiastützpunkts Potsdam. Im Gespräch mit Eurosport sagt Lehnert weiter:
Neuers Krankenakte aus 2017 wirkt zunächst abschreckend. März: Haarriss im linken Mittelfußknochen, per Schraube stabilisiert. April: doppelter Bruch auf Höhe der Schraube, vier Monate Pause. September: dieselbe Verletzung, zum dritten Mal binnen sieben Monaten.
Ist der Rückschluss erlaubt, dass Neuer und/oder der FC Bayern im Frühjahr 2017 zu früh zu viel wollten? Beim Champions-League-Spiel gegen Real Madrid sollte der Keeper unbedingt einsatzfähig sein, was auch klappte, allerdings mit fatalen Folgen.

"Wird Karriere nicht beeinflussen - es sei denn…"

"Möglicherweise war es noch nicht vollständig ausgeheilt, und die Belastung war zu groß. Aus diesem Grund ist es so, dass eine Verletzung am Knochen praktisch wieder aufbrechen kann", sagt Lehnert, der jedoch keine Konsequenz für die Zukunft fürchtet:
Vergleichbar sei das Ganze mit einem Kreuzbandriss, "wenn man zu früh anfängt oder es eine andere Komplikation gibt und dieses Kreuzband wieder reißt".
Lothar Matthäus hatte dringend angeraten, sich diesmal die "nötige Zeit" zu nehmen, Neuer selbst sagte im Dezember: "Man sollte da keinen Fehler mehr machen. Eine weitere Verletzung an dem Knochen wäre suboptimal für mich." Fachmann Lehnert stimmt zu, "das ist völlig richtig". Also: Geduld. Auch wenn's schwer fällt.
Laut Bundestrainer Joachim Löw soll Neuer "irgendwann im Februar, März vollumfänglich trainieren", Bayern-Coach Jupp Heynckes sprach von einer Belastung, die "Schritt für Schritt" gesteigert werde, um jegliches Risiko zu eliminieren.

Manuel Neuers Vorteil: Er ist Torwart

Wie schnell wird Neuer an sein früheres Leistungsvermögen heranreichen? Als Faustregel gilt, dass ein Spieler genauso lange für seine Bestform braucht, wie zuvor die Ausfalldauer betragen hatte. Bezüglich Neuer relativiert Lehnert:
Der Torwart Neuer werde "sicherlich schneller an sein früheres Leistungsvermögen anknüpfen können und braucht etwa im Bereich des konditionellen Trainings eine kürzere Zeit als ein Feldspieler".
Lehnert ist seit 1995 im Geschäft, aus eigener Erfahrung kennt der Facharzt für Orthopädie keine Fälle, die am Ende weniger günstig verliefen als bei Neuer erwartet. "Ich habe aber einen sehr identischen Fall im Frauenfußball erlebt", sagt er.
Na, wenn das keine frohe Kunde für den FC Bayern und die Nationalmannschaft ist.
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung