3 Dinge, die beim FC Bayern München auffielen: Niko Kovac setzt die falschen Signale
Der FC Bayern München verspielt beim 3:3 (2:1) gegen Fortuna Düsseldorf erneut eine Führung, diesmal sogar eine komfortable. Friedhelm Funkels Plan geht dabei auf, Dodi Lukebakio hieß das simple wie erfolgreiche Rezept. Bayern-Trainer Niko Kovac setzt mit seinen Wechseln falsche Signale. Als Lichtblick hält einzig Thomas Müller her. Drei Dinge, die uns beim Spiel in München auffielen.
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Aus der Allianz Arena berichtet Florian Bogner
1. Bayern-Schreck Lukebakio
Der Plan, den Düsseldorf-Trainer Friedhelm Funkel für das Auswärtsspiel beim FC Bayern München hatte, war denkbar einfach: Hinten variabel mit Vierer- bzw. Fünferkette verteidigen – und vorne einzig auf die Schnelligkeit von Dodi Lukebakio setzen. Das reichte, um als Tabellen-Siebzehnter beim Rekordmeister mit dem 3:3 einen Punkt zu entführen.
Lukebakio brachte dabei das Kunststück fertig, sein Bundesliga-Torekonto mit einem einzigen Spiel, noch dazu bei Bayern, um 150 Prozent zu steigern. Mit zwei Saisontoren ging der vom FC Watford ausgeliehene 21-Jährige in die Partie – und krönte sich mit drei Treffern beim Meister zum Düsseldorfer Helden (44./77./90.+3).
In der 44. Minute schaltete er bei Jean Zimmers Fallrückzieherversuch und dem anschließenden Nachstochern schneller als Niklas Süle und schob zum 1:2 ein. In der 77. Minute war er schneller als Süle (und der Linienrichter) und überwand Neuer nach einem beherzten Sprint im kurzen Eck. In der Nachspielzeit entwischte der Belgier mit kongolesischen Wurzeln abermals Süle und tunnelte Neuer.
“Es war von Anfang an unser Plan, Lukebakio vorne zu lassen und auf Konter zu setzen”, sagte Funkel, der eben diese lange Bälle in die Spitze offenbar schon unter der Woche trainieren ließ und insbesondere den Vorbereiter des 3:3, Rouwen Hennings, lobte:
Schade für Düsseldorf, dass Lukebakio nur vom Premier-League-Klub ausgeliehen ist. Bei den Bayern hielt sich derweil die Bewunderung für den Dreierpacker auf des Gegners Seite in Grenzen. “Wenn man drei Tore zuhause gegen Düsseldorf kassiert, muss man sich an die eigene Nase fassen”, sagte Thomas Müller.
2. Kovac setzt falsche Signale
Was die Bayern in der Krise ehrt, ist, dass sie die aktuellen Ergebnisse nicht auf das horrende Verletzungspech schieben. So standen Trainer Niko Kovac mit Kingsley Coman, Serge Gnabry, Corentin Tolisso, Thiago Alcántara und James Rodríguez erneut eine Vielzahl an kreativen Offensivspielern nicht zur Verfügung – nach dem 3:3 wollte das aber niemand thematisieren.
Dabei musste Kovac im Zentrum der Bayern quasi das letzte Aufgebot aufbieten. Da Arjen Robben nach einer Knieblockade offensichtlich noch nicht für die Startelf infrage kam, musste Kovac Thomas Müller auf den rechten Flügel stellen.
Das Zentrum stellte sich mit Javi Martínez, Renato Sanches und Leon Goretzka quasi von alleine auf. Auf der Bank verblieb kein einziger zentraler Mittelfeldspieler mehr.
Auf dem Platz machte sich das Fehlen der Kreativen Thiago und James deutlich bemerkbar: Zu keiner Zeit des Spiels kamen die Bayern über ansprechende Kombinationen übers Zentrum in Tornähe; meist wanderte der Ball auf die Außen und wurde aus dem Halbfeld vors Tor geflankt, oder aber die Abwehrspieler spielten den Ball direkt diagonal in den Angriff.
Vor allem Sanches, der sich zuletzt über zu wenig Einsatzzeit beschwert hatte, nutzte seine Chance nicht. Der Portugiese vertändelte leichtfertig Bälle, verlor sieben seiner elf Zweikämpfe, hatte mit 84 unterdurchschnittlich viele Ballaktionen und war an keiner Torabschlussaktion beteiligt. Immerhin brachte der 21-Jährige 96,4 Prozent seiner Pässe an den Mann.
Sanches hatte sich also durch sein Spiel sehr wohl um eine Auswechslung beworben, dennoch setzte Kovac am Ende mit seinen Wechseln auch falsche Signale an die Mannschaft. Auch, weil er dreimal so wechselte, dass Spieler daraufhin ihre Positionen ändern mussten.
Zunächst brachte er beim Stand von 3:1 Robben für den erneut blassen Franck Ribéry ins Spiel (70.), woraufhin der beste Bayer, Thomas Müller, auf den ungeliebten linken Flügel wechseln musste.
Beim Stand von 3:2 brachte er dann Rafinha für Sanches (80.). Rafinha übernahm seine Idealposition rechts hinten, Joshua Kimmich dagegen rückte ins Mittelfeld auf die Sanches-Position. Aus dem Fortuna-Fan-Eck schallte es höhnisch von den Rängen: "Und ihr wollt Deutscher Meister sein!?"
In der 90. Minute dann nahm er Müller vom Feld und brachte Hummels, der sich – offenbar als Hennings-Konterpart gedacht – irgendwo zentral vor die Abwehr positionierte. In Summe brachte das die Bayern-Ordnung aber eher durcheinander als dass es dafür sorgte, einen sichergeglaubten Sieg unter Dach und Fach zu bringen.
“Das was heute passiert ist, ist absolut nicht akzeptabel”, sagte Präsident Uli Hoeneß hinterher entsprechend sauer.
Im Endeffekt bekam dann auch noch die Abwehrachse, bestehend aus Niklas Süle, Jérôme Boateng und Manuel Neuer, ihr Fett weg, indem der Präsident nach dem Spiel zu Journalisten sagte:
3. Lichtblick Müller
Seit dem 1. September hatte Thomas Müller in der Liga kein Tor mehr gemacht, in den Cupwettbewerben nur per Elfmeter gegen Underdog Rödinghausen getroffen – bis am Samstagnachmittag gegen Fortuna Düsseldorf der Knoten wieder ein bisschen aufging.
Statt Robben (Bank) auf rechts aufgeboten, nutzte Müller schon früh und häufig Bewegungsfreiheiten, tauchte immer wieder im Zentrum auf und versetzte so gleich mehrere Gegenspieler ins Laufen.
Wenn Düsseldorf in der Defensive von der nominellen Viererkette auf Fünferkette wechselte – Ex-Bayer Takashi Usami rückte dann links nach hinten – nutzte Müller diese Momente, um mit seinen Läufen Verwirrung zu stiften.
Bei seinem Treffer zum 2:0 war es dann aber ein simpler langer Ball von Jérôme Boateng, den Müller zum perfekten Zeitpunkt im Zentrum erlief und unter dem anderen Ex-Bayern im Fortuna-Trikot, Michael Rensing, ins Tor schob (20.).
Beim 3:1 stahl sich Müller wiederum in den Rücken der Abwehr, nachdem ein langer Diagonalball auf Joshua Kimmich die linke Abwehrseite der Gäste aufgebrochen hatte. Lewandowski legte mit der Hacke ab und Müller traf sehenswert mit links ins linke untere Eck (58.) – beim Torjubel fiel diesmal besonders viel vom 29-Jährigen ab.
Dass er bei Bayern aber nach wie vor um seinen Platz kämpfen muss und eben keine gesetzte Stammkraft ist, verdeutlichte die Auswechslung von Ribéry. Weil Robben kam, musste Müller fortan auf dem von ihm ungeliebten linken Flügel weiterspielen, ehe er bei seiner Auswechslung (90.) warmen Applaus bekam – allerdings ohne Happyend.
“Ich dachte eigentlich, dass ich heute ziemlich zufrieden ins Bett gehen kann”, sagte Müller hinterher. Doch Lukebakio verdarb ihm den ruhigen Schlaf gründlich.
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