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Bayern-Blogger vor Spiel beim BVB: "Der FC Bayern lebt in der Vergangenheit"

Hier sprechen 3 Bayern-Blogger: "Der FC Bayern lebt in der Vergangenheit"
Von Eurosport

09/11/2018 um 18:19

Nach sechs Meistertiteln in Serie mag das Spiel des FC Bayern in der aktuellen Saison nicht überzeugen - und auch abseits des Platzes wirkt der Rekordmeister zerfahren. Wie aber sehen Fans die Situation der Münchner? Wir haben mit Christian Nandelstädt (texterstexte), Justin Kraft (miasanrot) und Max Baumann (La Bestia Negra) drei renommierte Bayern-Blogger um ihre Sicht der Dinge gebeten.

Der FC Bayern gewinnt weiterhin die meisten Spiele, liefert aber oft uninspirierte Auftritte. Leichte Frage, schwierige Antwort: Woran liegt's?

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Eure Meinung zu Niko Kovac: Siehst Du den Trainer bei Bayern eine Ära begründen - oder früh scheitern?

Nandelstädt: Von einer Ära würde ich nicht sprechen. Es wäre schon überraschend, wenn er bis Saisonende bliebe. Uli Hoeneß hat sich ja nach dem Spiel gegen AEK Athen noch einmal deutlich vor Kovac gestellt. Auch Meister müsse man nicht werden. Da kann es schon sein, dass Kovac bleibt, so lange nicht der Qualifikationsplatz für die Champions League in Gefahr ist.

Kraft: Er ist nicht hauptverantwortlich für die Situation und ich wünsche ihm, dass er lange Trainer bleibt, weil er ein guter Typ ist. Einzig der Glaube fehlt mir, weil er in der aktuellen Krise nicht in der Lage ist, taktisch entgegenzuwirken. Es gibt keine Anpassungen und keine Impulse. Ich sehe ihn deshalb eher früh scheitern, wenn er nicht sogar schon gescheitert ist. In der Kabine soll der Haussegen ja bereits schief hängen.

Baumann: Schwierig. Ein Sieg am Wochenende in Dortmund könnte dem Team einen enormen Aufwind geben und somit auch Niko Kovac zu Gute kommen.

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Provokativ gefragt: Schaden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge dem Verein derzeit mehr als sie ihm helfen?

Nandelstädt: Ich kritisiere Hoeneß und Rummenigge für manche konkrete Entscheidung oder Aussage, allerdings respektiere ich sie auch nach wie vor für ihre Lebensleistung. Natürlich haben beide vor Saisonbeginn Fehler gemacht. In der Kaderzusammenstellung und auch bei der Trainerfrage. Diese Entscheidungen schaden vielleicht dem Erfolg diese Saison. Dem Verein als Ganzes schaden die beiden aber nicht. Ich sehe das Ganze auf einer sehr langfristigen Schiene, bin Bayernfan seit 1980. Die Ära Hoeneß und Rummenigge ist die erfolgreichste in der Geschichte des FC Bayern. Daran ändert auch die aktuell holprige Situation nichts.

Kraft: Provokativ geantwortet: zumindest auf Uli Hoeneß trifft das zu. Seine Aussagen waren in den letzten Wochen und Monaten eher kontraproduktiv. Mir fehlt einerseits die klare Definition des vielzitierten Bayern-Wegs und andererseits die Umsetzung. Hoeneß spricht zwar vom Umbruch, der Zeit brauche, aber auf dem Platz geben weiterhin die Altstars den Ton an. In der eigenen Jugend gibt es zudem viele Spieler mit großem Potenzial, die allerdings keine Einsatzzeiten bekommen. Mir fehlt da der Mut. Ein Umbruch sieht anders aus.

Baumann: Manche Aussagen sollten zuvor besser überdacht werden, aber man darf auch nicht die Bayernbrille aufhaben. Dazu gehört nun mal auch Kritik.

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Hoeneß behauptet, Bayern sei Außenseiter in Dortmund. Seht Ihr das auch so - und wenn ja: Wie kann der "Favorit" gestürzt werden?

Nandelstädt: Da stimme ich ihm zu. Und es ist irgendwie auch gut, mal in ein Spiel zu gehen, in dem niemand etwas Tolles von einem erwartet. Der FC Bayern müsste alles besser machen, was bisher nicht klappt: kompakt verteidigen, das Zentrum dicht machen, gemeinsam pressen und verschieben.

Kraft: Vielleicht ist es das erste und einzige Spiel unter Niko Kovac, in dem der FC Bayern tatsächlich nicht Favorit ist. Das könnte ihm entgegen kommen. Bayern könnte ich mir in einer abwartenden Haltung vorstellen. Ohne den Druck, das Spiel machen zu müssen, könnte das Team endlich mal wieder kompakt und aus einer sicheren Defensive heraus agieren. Das ist kein Plan für die Zukunft, aber vielleicht einer für dieses spezielle Spiel. Ein Sieg wäre wichtig für den Kopf und das Selbstvertrauen.

Baumann: Ich denke nicht, dass man Bayern als Außenseiter sehen sollte. Wichtige Spiele in der Bundesliga konnten die Bayern in den letzten Jahren fast immer erfolgreich gestalten.

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Kurz und vielleicht schmerzvoll: Eure Tipps für Dortmund gegen Bayern?

Nandelstädt: Dortmund wird das Spiel gewinnen, allerdings nicht so hoch, wie manche schon vermuten. Ich tippe ein 2:1.

Kraft: Mein Gefühl sagt mir, dass Dortmund uns aus dem Stadion schießt. Zu drastisch sind die Unterschiede beider Mannschaften im Moment. Mein Kopf sagt mir allerdings, dass es ein klassisches "Top-Spiel" wird. Biederes Niveau, weil der BVB nicht an sein Maximum kommt und Bayern sich rein arbeitet und am Ende maximal ein bis zwei Tore. Ich hoffe auf ein 1:1 - nur wie das gelingen soll, weiß ich noch nicht. Vielleicht hat Kovac ja die Lösung.

Baumann: Die Mannschaft wird sicherlich heiß sein. Deshalb Tippe ich auf einen 3:1-Auswärtssieg.

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