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Der LIGAstheniker | Veganer Schalkefußball unter Tedesco: So droht der Abstieg!

Der LIGAstheniker: So droht Schalke der Abstieg

10/12/2018 um 11:31

Der FC Schalke 04 steckt im Mittelmaß fest. Bei der Derby-Niederlage gegen den BVB war zu sehen, dass sich beide Teams sportlich weit entfernt haben. Domenico Tedesco hat kein erkennbares Konzept. Eine Handschrift ist nicht zu erkennen. Eurosport-Blogger Thilo Komma-Pöllath analysiert, warum es mit Tedesco nicht läuft und warum die Zukunft für den Trainer alles anders als rosig aussieht.

Wenn man bedenkt, was beim FC Schalke derzeit so alles schiefläuft, dann sind die Pressekonferenzen von Cheftrainer Domenico Tedesco nach den Spielen geradezu außerterrestrische Geraderückmomente. Beste Science Fiction also. So war das auch diesmal nach dem Ruhrderby, das zwar ein Derby war, aber eben auch ein grausames Herumgestammel, gerade von den Königsblauen, die sich sportlich vom Erzrivalen in Dortmund so weit entfernt haben, dass eine ganz Galaxie dazwischen passt. Und dann rekapituliert S04-Trainer Tedesco mit müdem Dackelblick der Öffentlichkeit ein Spiel, das keiner gesehen hat.

Diesmal war es besonders schlimm, also das Spiel und seine Sicht darauf. Tedesco sprach davon, dass man "gut im Spiel gewesen" sei, mit "Zugriff", man hätte "gut verteidigt", habe "guten Ballbesitz" gehabt, sei insgesamt also "gut drauf" gewesen. Gut, man merkt das schnell, ist seine Lieblingsvokabel. Schlimm genug, dass an diesem Nachmittag gar nichts gut war. Aber wenn’s der Trainer nicht gesehen hat, stellt sich die Frage: Ist Tedesco noch der richtige Trainer für Schalke? Die Zweifel daran sind heute so groß wie nie.

Kann Tedesco, was Kovac kann?

Der LIGAstheniker war in der Vergangenheit oft zu vorschnell, was Trainerentlassungen betraf. Das sei an dieser Stelle selbstkritisch bemerkt. Es ist nicht die Aufgabe eines Kolumnisten, einen angeschlagenen Trainer zum Schafott zu führen, das steht ihm gar nicht zu. Eine deutlich formulierte Grundsatzkritik jedoch sehr wohl. Tedesco ist also jetzt der Name, der nach Bayerns Kovac wie Freiwild durchs Ligadorf getrieben wird.

FC Schalke 04: Domenico Tedesco, Sebastian Rudy

FC Schalke 04: Domenico Tedesco, Sebastian RudyGetty Images

Kovac könnte etwas gelingen, was in der Liga selten und in München so gut wie nie passiert ist: Der schon fast Geschasste könnte sich angezählt in die Winterpause retten und dort doch noch überleben. Kovac hat auf dem Höhepunkt der Krise keine Angsthasenstarre bekommen, sondern sein taktisches Rezept verfeinert: seine neue Doppelsechs mit Kimmich und Goretzka hat nicht nur sein Team, sondern auch seine eigene Position stabilisiert. Mit Verlaub, derlei feine Veränderungskniffe kündigen sich bei Tedesco nirgends an.

Veganer Schalkefußball

Der Status quo auf Schalke ist niederschmetternd. Oder wie es ein BILD-Kritiker am Wochenende in einer der vielen Fußball-Talkshows formuliert hat: "Das ist Fußball für Veganer. Ohne Ball, ohne Technik, ein eigenes Spiel nach vorne nicht erkennbar". So hätte man das Derby also auch sehen können. Natürlich muss Tedesco gegenüber der Presse nicht derart hart mit seinem Team ins Gericht gehen, aber bei der Vielzahl und Offensichtlichkeit der Schalker Baustellen muss ein Trainer via Öffentlichkeit den Druck auf sein Team erhöhen, sonst macht er sich nach innen wie nach außen unglaubwürdig. Eine klar und unmissverständlich formulierte Erwartungshaltung muss das pädagogische Stilmittel sein, gerade bei einem Klub, der seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten ein Disziplinarproblem besitzt, gar als untrainierbar gilt.

Wo ist Tedescos Idee vom Spiel?

Tedescos vornehme Zurückhaltung funktioniert auf Schalke nicht, das ist mehrfach bewiesen. Die zweite Ebene ist die sportliche Entwicklung: Warum erkennt man beim Wunderkind der neuen deutschen Trainergilde eigentlich keine eigene Handschrift? Keine eigene Spielidee? Schon gar keine Idee, die selbst etwas mit dem Ball anfangen kann und offensiv erfolgreich sein will?

Bundesliga, Schalke 04

Bundesliga, Schalke 04Getty Images

Ein Konzept, wie Tedesco Tore erzielen will, ist nicht erkennbar. Das hat auch mit seinem Kader zu tun, der keine Stürmer kennt, die nicht verletzt sind oder gut genug für ihn wären. Andererseits aber auch mit seiner Art der Vermittlung. Ein verkopfter Coach beim Malocherklub im Abstiegskampf – das kann kaum funktionieren.

Wie lange hält er sich noch?

Man muss nicht bis Klopp oder Favre gehen, um Trainer zu finden, die ein klares Konzept haben, wie zeitgenössischer Fußball erfolgreich interpretiert werden muss: gedanklich schnell und physisch aggressiv, mit und gegen den Ball. Einer, der das auch wunderbar kann, und der nach allem Vernehmen nach, das auch an seine Kicker übertragen kann, ist nicht ganz zufällig Tedescos Vorgänger als Jahrgangsbester der DFB-Fußballlehrerausbildung von 2015, Florian Kohfeldt von Werder Bremen (Platz 8, sieben Punkte mehr als Schalke).

Die rhetorische Frage also lautet: Wenn einer ausgerechnet mit einem der Armenhäuser der Liga eine ziemlich erfolgreiche Idee von Fußball auf den Rasen bringen kann, und Domenico Tedesco kann das nicht, was sagt einem das dann für die nahe Schalker Zukunft? Nix gutes, wie auch immer man sich entscheidet.

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