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Drei Gründe, warum Borussia Mönchengladbach wieder ein Top-Team ist

Drei Gründe, warum Gladbach wieder ein Top-Team ist

09/02/2019 um 11:43

Borussia Mönchengladbach ist unter Dieter Hecking die Rückkehr in die absolute Spitzengruppe der Bundesliga gelungen. Dank einiger taktischer Details, bemerkenswerter Athletik und passenden Rollen für Top-Spieler peilt die Borussia die Champions League an - und vielleicht noch mehr? Der Taktik-Check erklärt Heckings Maßnahmen, die die Fohlen wieder auf Trab gebracht haben.

System- und Stilwechsel

In den letzten Jahren war Gladbach regelmäßig die Mannschaft, die nach Bayern und Dortmund die höchsten Ballbesitzwerte hatte. Das hat sich in dieser Saison drastisch geändert: Mit nur noch durchschnittlich 51,7 Prozent liegen die Fohlen im Mittelfeld der Ballbesitztabelle.

Diese Entwicklung lässt sich auf die veränderte Ausrichtung im Spiel mit dem Ball, aber auch im Spiel gegen den Ball zurückführen: Gladbach verzichtet mittlerweile auf die aus den letzten Jahren gewohnt lange, risikolose Ballzirkulation in der Viererkette und greift stattdessen über weniger Stationen an.

Zudem stehen sie bei gegnerischem Ballbesitz tiefer und legen einen größeren Fokus auf das Konterspiel. Das 4-3-3/4-1-4-1 hat das bewährte 4-4-2 abgelöst, sodass ein Stürmer weniger die erste Pressinglinie bildet und dafür ein weiterer Mittelfeldspieler das Zentrum verdichtet.

So liegt meistens weniger Druck auf dem ballführenden Gegner, dafür sind die Passwege ins Zentrum besser zugestellt – Gladbach überlässt dem Gegner da den Ball, wo es nicht weh tut. Die Folge: Nur Dortmund und Leipzig kassierten weniger Gegentore aus dem Spiel heraus als Heckings Mannschaft.

Florian Neuhaus (l.) von Borussia Mönchengladbach im Spiel gegen den FC Bayern München

Florian Neuhaus (l.) von Borussia Mönchengladbach im Spiel gegen den FC Bayern MünchenEurosport

Freigeister Hazard und Stindl

Die nun schneller vorgetragenen Angriffe sind in dieser Saison deshalb so gefährlich, weil Gladbachs Offensivspieler genau in den Räumen und Situationen an den Ball kommen, in denen sie ihre größten Stärken haben.

Thorgan Hazard hat eine absolute Freirolle, nur defensiv ist er an die Position auf dem Flügel gebunden. In Ballbesitz bewegt er sich frei über das Feld, sucht ständig Räume zwischen gegnerischer Abwehr und Mittelfeld und besetzt die im 4-3-3 nominell nicht existente Zehnerposition.

Mit kurzen Dribblings, Pässen in die Schnittstelle oder Distanzschüssen macht er das Spiel von dort aus schnell und zielstrebig.

Unterstützt wird Hazard dabei von Kapitän Lars Stindl, der im Sturm die "falsche Neun" gibt. Der Nationalspieler lässt sich immer wieder ins offensive Mittelfeld fallen und sucht die Nähe zu Hazard.

Kombinieren die beiden auf engem Raum, muss mindestens ein gegnerischer Innenverteidiger rausrücken – das öffnet Räume für Tiefenläufe der übrigen Offensivspieler.

Thorgan Hazard; Christoph Kramer

Thorgan Hazard; Christoph KramerGetty Images

Genau auf solche Situationen lauert Neuzugang Alassane Pléa. Der Franzose agiert nominell meistens als Linksaußen, ist aber ein verkappter Stürmer. Ziehen Stindl und Hazard die Aufmerksamkeit des Gegners im Zentrum auf sich, beläuft er fleißig die Tiefe.

In direkten Laufduellen ist er aufgrund seines Tempos und seiner Fähigkeit, den Ball mit seinem Körper zu behaupten, kaum zu stoppen. Bekommt er den Ball nicht, reißt er mit seinen Läufen aber immerhin Lücken, in die Gladbachs Achter nachstoßen können.

Auf den Achterpositionen überzeugten bislang gleich mehrere Spieler. Sowohl Denis Zakaria als auch Florian Neuhaus kommen mit all ihrer Dynamik aus der Tiefe in gefährliche Positionen. Zusätzlich Jonas Hofmann, eigentlich ein Flügelspieler, auf der Halbposition überzeugen.

Etwas weniger dynamisch als Zakaria und Neuhaus, dafür aber trickreicher besetzt er bei seinen Einsätzen immer wieder die frei werdenden Räume.

Alassane Plea

Alassane PleaSID

Die Herren des ruhenden Balls

Ein weiterer Grund für die bislang sehr erfolgreiche Saison ist Gladbachs Stärke bei ruhenden Bällen. Man merkt, dass Hecking und sein Trainerteam sehr intensiv mit der Mannschaft an den Standards gearbeitet haben – sowohl offensiv als auch defensiv.

Sechs Tore nach Ecken und Freistößen reichen Liga weit zwar "nur" zu Platz vier, dafür hat man aber kein einziges Gegentor nach Standardsituationen kassiert.

Gladbach hat bei Standards also eine Bilanz von 6:0 aufzuweisen und ist damit Spitzenreiter (Dortmund zum Vergleich mit 9:4 auf dem zweiten Platz). Ein zusätzliches Plus sind die vier Elfmetertreffer.

Eurosport-Check: Stabile Defensive mit ordentlichem Konterspiel? Gute Standards? Mit genau diesen Stärken ist Schalke in der Vorsaison Vizemeister geworden. Gladbach spielt zusätzlich aber auch offensiv richtig gut. Die guten Kaderspieler für die gezielte Rotation und das Fehlen der Doppel- oder gar Dreifachbelastung im Vergleich zur Konkurrenz sind weitere Gründe, warum die Fohlen in dieser Saison bis zum Ende ganz oben mit dabeibleiben.

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