FC Bayern | Lewandowski am Scheideweg: Zwischen Hass und Historischem
Robert Lewandowski ist statistisch gesehen einer der besten Stürmer in der Geschichte des FC Bayern München - bei den Fans hat er jedoch keinen besonders hohen Status und steht, wie nach den Spielen gegen den FC Liverpool und nun beim SC Freiburg, schnell in der Kritik. Dabei befindet sich der 30-Jährige gerade auf Kuschelkurs mit den Bayern, würde gerne verlängern - wenn man ihn denn lässt.
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Es gibt da diesen einen Robert Lewandowski, der ist fast nicht von dieser Welt. Zuletzt zu bestaunen am Samstag in Freiburg: Annahme aus der Luft, Seitfallzieher - Traumtor zum 1:1.
Dieser Mann ist der erfolgreichste Ausländer der Bundesliga-Geschichte und könnte am Samstag seinen 200. Bundesliga-Treffer erzielen - stilecht im Spiel des Jahres, gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund.
Trifft er, wird die Allianz Arena aus knapp 70.000 Kehlen seinen Namen skandieren, ihn hochleben lassen. Als besten Stürmer der Liga, als einen der Besten, die jemals für Bayern gespielt haben.
Einer, der seine vierte Torjägerkanone anpeilt und über seine Sucht, das Tore schießen, am Montag im Interview mit dem "kicker" sagte:
Der andere Lewandowski
Es gibt da aber auch diesen anderen Robert Lewandowski - auch zu sehen am Samstag in Freiburg: Ein Stürmer, der frei vorm Tor an Alexander Schwolow scheitert und in der zweiten Halbzeit beste Torchancen liegen lässt.
Einer, über den sich danach Bayern-Fans im Internet auskotzen, der den Fan-Hass zu spüren bekommt: Lewandowski, der Chancentod. Nicht Weltklasse. Nur Bundesliga-Klasse.
Untermauert wird diese Ansicht gerne mit einer bestimmten Statistik: seit dem Champions-League-Aus gegen den FC Liverpool (0:0, 1:3) steht der 30 Jahre alte Mittelstürmer bei 14 K.o.-Spielen ohne Treffer für Bayern.
Lewandowski-Tore gab's nur in neun Spielen dieser Kategorie. Ein K.o.-Spiel für die Bayern entschieden hat der Pole mit seinen 36 Champions-League-Toren noch nicht.
Selbstkritik? Fehlanzeige!
Was Bayern-Fans ihm auch gerne vorwerfen: fehlende Selbstkritik. So begegnete Lewandowski dem Vorwurf, er würde in der wichtigen Phase des internationalen Wettbewerbs stets schlecht performen, auch im "kicker"-Interview mit Unverständnis.
"In den Viertel- und Halbfinals habe ich fast immer mindestens einmal getroffen, gegen Barça, Atlético, Juventus", sagte der 30-Jährige dort einigermaßen entrüstet. Im Halbfinale gegen Real Madrid 2017/18 habe er zudem "trotz Verletzung und mit Schmerzen gespielt". Und nun, gegen Liverpool, habe er "praktisch keine Torchancen" gehabt.
Was nur zur Hälfte stimmt - Lewandowski hätte auch die ein oder andere gefährliche Szene selbst heraufbeschwören können, zerschellte aber an der Liverpooler Innenverteidigung bestehend aus Joel Matip und Virgil van Dijk.
Dass er im "kicker" seine Kritik am im Rückspiel gegen Liverpool zur Schau gestellten Defensivstil der Bayern erneuerte, passt ins Bild des wenig Selbstkritischen. Man hätte "mehr riskieren können", sagte er. Und es wirkte so, als nähme er sich da aus.
Lewandowskis Charmeoffensive
Dem entgegen steht Lewandowskis aktuelle Charmeoffensive dem Verein gegenüber. Arbeitete der Angreifer mit seinem Management bis Mitte 2018 noch darauf hin, den letzten großen Vertrag außerhalb der Bundesliga, am liebsten bei Real Madrid, zu unterschreiben, klingt das 2019 ganz anders.
Plötzlich laufen Gespräche, seinen bis 2021 laufenden Vertrag mit dem FC Bayern zu verlängern. Bleibt er bis 2023, wäre er dann fast 35 Jahre alt. Klingt nach Karriereende bei Bayern.
Am Montag sagte Lewandowski:
Aktuell plant er, noch "bis 35 oder sogar 37" zu spielen, "ich versuche es jedenfalls". Kopf und Körper müssten dafür beide mitspielen, sagt er.
Bei Bayern hängt es aber auch immer davon ab, ob jüngere Alternativen verfügbar sind. So wurden Lewandowskis Vorgänger meist früher weggeschickt, als sie das selbst wollten. Giovane Elber, Roy Makaay, Luca Toni, Mario Gomez - die Liste ist lang.
300 Tore? Lewandowski: "Werde nie sagen, dass es unmöglich ist"
Bis es soweit ist, will der Angreifer seine Motivation weiter aus seinen Toren ziehen. Die 200er-Marke fällt bald. Und dann? 250? "Möglich", sagt Lewandowski.
300? "Puh, das sind noch gut hundert Tore, also vier Jahre mit super Leistungen. Ich werde nie sagen, dass es unmöglich ist, aber jetzt ist es viel zu weit weg."
Der große Traum bleibt aber weiter, die Champions League zu gewinnen. 2013, bei Bayerns letztem Triumph, spielte er noch für den Final-Verlierer Borussia Dortmund.
Und trotz des frühen Scheiterns gegen den FC Liverpool bleibt Lewandowski hoffnungsvoll, dass es ihm mit Bayern in den nächsten Jahren noch gelingt. "Wahrscheinlich muss man einen Schritt zurückgehen, um dann zwei nach vorne zu machen", sagte er im "kicker"-Interview:
Dazu gehört, dass Lewandowski auch mal ein wichtiges K.o.-Spiel für den FC Bayern entscheidet.
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