Wie Uli Hoeneß in den Wald hineinruft, so schallt es zumeist zurück. Das "größte Investitionsprogramm, das der FC Bayern je hatte" wurde anberaumt vom Präsidenten, eine Restauration des Kaders ist avisiert und eingeläutet. Momentan nutzt Hoeneß verdächtig viele Gelegenheiten, um der Welt darzulegen, was München alles in petto habe.

Bundesliga
Bayern atmet auf: Entwarnung bei Coman
26/03/2019 AM 11:08

In diesem Kontext wirken die 80 Millionen Euro, die Bayern offenbar für Nicolas Pépé zu bieten bereit wäre, gar nicht mal so horrend, wie 80 Millionen für einen Fußballer (egal welchen) wirken sollten.

Pépés Kurzprofil: 23 Jahre, ein Linksfuß auf Rechtsaußen wie Arjen Robben, beim OSC Lille bis 2022 unter Vertrag - und europaweit begehrt, wenn der Markt hält, was er verspricht. Neben Bayern sollen der FC Barcelona, Paris Saint-Germain, Manchester City und der FC Chelsea interessiert sein.

Nur Mbappé ist in Frankreich besser

Bei "Canal+" äußerte Pépé kürzlich eine formidable Fußballeraussage: "Wenn der Moment gekommen ist, werde ich meine Entscheidung treffen." Ahja. Lilles Trainer Christophe Galtier ist "sicher, dass er in diesem Klub eine gute Rolle spielen kann". Gemeint war Bayern.

Was befähigt Pépé nun, um sich für den Rekordmeister zu qualifizieren? Beginnen wir mit dem Zahlenwerk dieser Saison, es ist beeindruckend. 29 Ligue-1-Einsätze mit 17 Toren und 11 Vorlagen, insgesamt also 28 Scorerpunkte, was lediglich ein gewisser Kylian Mbappé übertrumpft (34).

Wer argumentiert, dass Frankreich im Quervergleich der führenden Ligen abfällt, liegt richtig und vernachlässigt doch die halbe Wahrheit, weil Granden wie Edinson Cavani (23 Scorerpunkte) und Neymar (21, seit Januar verletzt) hinter Pépé rangieren. So etwas darf im März als veritables Zeugnis gelten.

Pépés Stärken: Dynamik, Konsequenz, Mentalität

Der Ivorer ist ein torgefährlicher Flügelspieler, er trifft selbst und bereitet vor. Sein Portfolio erinnert tatsächlich an Robben, auch wenn Pépé mit seinem rechten Fuß sinnigere Dinge anzustellen weiß als der Noch-Bayer.

Pépés markanteste Eigenschaften sind Tempo, Dynamik und Konsequenz im letzten Drittel; seine Technik erlaubt eine enge Ballführung, worauf wiederum Dribbelstärke basiert.

Bemerkenswert zudem: Frühreife, wenn es darum geht, Verantwortung zu schultern. Als Lille im Vorjahr gegen den Abstieg spielte, hing offensiv (zu) viel am damals 22-Jährigen, der im Stile eines Mentalitätsspielers reagierte. 39 Pflichtspiele, 14 Tore, fünf Assists.

Lille hielt die Klasse und ist aktuell Zweiter, welch ein Aufstieg. Pépé, im Sommer 2017 für zehn Millionen Euro vom SCO Angers eingekauft, blieb ein Fixpunkt, ist allerdings kein Solist mehr in Lilles Offensive. Er erfährt die Unterstützung einer homogeneren Mannschaft, als stimulierendes Element seiner Entwicklung.

Pépé ist bereit für den nächsten Karriereschritt

Manchmal präsentiert sich der zehnmalige Nationalspieler (vier Tore) zu verspielt und verschnörkelt, dann misslingen Aktionen, die nicht misslingen müssten. Kein Wunder in diesem Stadium, Pépé absolviert erst seine zweite Saison auf Top-Niveau. Nach- und Fahrlässigkeiten sind verzeihlich, genau wie Defizite im Defensivverhalten. Wann genau fing Franck Ribéry mit dem Verteidigen an?

Pépés Lern- und Leistungskurve ist positiv, er scheint reif für den nächsten Karriereschritt. Gewiss, ein weiteres Jahr in Lille würde nicht schaden - aber wie oft gibt's schon die Situation, dass ein Arjen Robben seine Planstelle räumt?

Der FC Bayern denkt zurecht an Pépé. Über die Ablösesumme lässt sich ja reden…

Mitarbeit: Nico Scheck

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