FC Bayern München: Profis ohne Perspektive? Das macht der verheißungsvollste Bayern-Nachwuchs
Der FC Bayern München schmiss im ersten Halbjahr 2018 mit Profi-Verträgen für Nachwuchsspieler förmlich um sich - heraus gekommen ist für die Youngster in dieser Spielzeit aber nur eine einzige Einsatzminute. Angesichts des angekündigten Großangriffs auf dem Transfermarkt 2019 stellt sich die Frage: Alles nur Show? Ein Blick auf die Bayern-Talente im Wartestand.
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Die meisten Spieler des FC Bayern München sehnten sich den Abpfiff herbei an diesem eher tristen Abend in Osnabrück.
2:1 stand's in der 90. Minute, die Bayern hatten sich an jenem 30. Oktober im Pokal gegen den Viertligisten SV Rödinghausen nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
Eine Auswechslung gab's noch, nur eine Randnotiz. Für Franck Ribéry kam Nachwuchsspieler Meritan Shabani in die Partie. Kurz darauf pfiff Schiedsrichter Timo Gerach die Partie ab.
Shabani spielt als einziger
Neben einigen anderen Youngstern war Shabani nur in den Kader gerutscht, weil Trainer Niko Kovac acht Profis fehlten und er nur noch 14 seiner arrivierten Kräfte mobilisieren konnte.
Und obwohl der 19-Jährige in einer Minute (plus Nachspielzeit) nur zweimal den Ball berührte, war es ein bemerkenswerter Auftritt - nämlich der erste und bislang einzige Pflichtspieleinsatz eines FCB-Nachwuchsspielers in dieser Spielzeit.
Nun konnte man vor dieser Saison zwar nicht unbedingt davon ausgehen, dass Kovac permanent junge Spieler aus dem Hut zaubern und einsetzen würde.
FC Bayern gibt sieben Profi-Verträge aus
Die Art und Weise, wie die Bayern jedoch zuletzt groß Aufhebens um ihren "FCB Campus" machten und die pure Anzahl an Profi-Verträgen, die Sportdirektor Hasan Salihamidzic im ersten Halbjahr 2018 an Nachwuchsspieler ausgab (nämlich sieben), stehen jedoch eher im Widerspruch zur nackten Wahrheit, der Shabani-Minute.
Wollten die Bayern mit ihrem Campus nicht "die Antwort auf das, was derzeit an Transferwahnsinn und Gehaltsexplosion draußen passiert", finden, wie es Präsident Uli Hoeneß zur Eröffnung im August 2017 formuliert hatte?
Hoeneß fügte damals sogar siegesgewiss an:
Nun, ein Jahr später steht diese Frage gewissermaßen noch unbeantwortet im Raum. Doch was ist mit den Spielern, die im letzten Jahr einen Profi-Vertrag erhalten haben, passiert? Wo liegen ihre Chancen? Wer schafft es vielleicht doch noch zum Bayern-Star?
Eine Bestandsaufnahme über Bayerns Zukunftskapital.
Christian Früchtl (Torwart, 18)
Ziel: Neuer-Nachfolge
Aussicht: okay
Aktuell: Keeper Nummer drei hinter Neuer und Ulreich, stand aber nur in Rödinghausen im Kader und spielt sonst Regionalliga und Youth League (acht Mal zu Null in 15 Spielen). Der Junioren-Nationalspieler darf sich bei Champions-League-Spielen immerhin mit warmmachen, alle drei trainieren auch sonst oft gemeinsam. Bräuchte eigentlich Spielpraxis auf höherem Niveau - doch welcher Erst- oder Zweitligist würde kommende Saison einem dann 19 Jahre alten Leihtorwart das Vertrauen schenken? Da wäre es schon von Vorteil, wenn Bayern II in die 3. Liga aufsteigen würde.
Prognose für den Durchbruch: Dauert noch, die Anlagen sind aber da.
Ron-Thorben Hoffmann (Torwart, 19)
Ziel: Profi-Fußball
Aussicht: bei Bayern kaum drin
Aktuell: "Er bringt hervorragende Voraussetzungen mit", sagte Salihamidzic bei Unterschrift über den ehemaligen U-Nationalspieler (U18). Hoffmann steht aber im Schatten des jüngeren Früchtl, kommt deshalb nur vereinzelt in Regionalliga und Youth League zum Einsatz. Durfte diese Saison aber immerhin schon in den Testspielen gegen Juventus und Rottach-Egern für die Profis ran.
Prognose für den Durchbruch: Wenn, dann woanders - wie zuletzt viele (Ex-)Bayern-Torhüter (Weinkauf, Rensing, Kraft, Raeder, Husic, Lucic, Zingerle, Grün, Sattelmaier).
Lars Lukas Mai (Innenverteidiger, 18)
Ziel: Boateng-Nachfolge
Aussicht: fraglich
Aktuell: Nominell Innenverteidiger Nummer vier bei den Bayern - in Rödinghausen griff Kovac aber lieber auf Martínez als auf "Lasse" Mai zurück. Bekam nach zwei 90-Minuten-Einsätzen im April in der Bundesliga bislang keine Profi-Chance mehr (außer beim Test in Rottach-Egern). Spielt jedoch eine starke Regionalliga-Saison und ist einer der Eckpfeiler des aktuellen Tabellenführers. "Er ist wirklich ein Top-Talent", sagte Niklas Süle im April.
Prognose für den Durchbruch: Selbst wenn Boateng die Biege macht, hat Bayern mit Weltmeister Benjamin Pavard (VfB Stuttgart) schon einen potenziellen Nachfolger im Auge - an Mais Situation würde das kaum etwas ändern.
Maxime Awoudja (Innenverteidiger, 20)
Ziel: Profi-Kader
Aussicht: schlecht
Aktuell: Von Salihamidzic als "schneller und spielstarker Innenverteidiger" gelobt, steht das bayrische Eigengewächs (spielte schon in der E-Jugend für Bayern) in der Hackordnung hinter Mai an und war diese Saison außerdem häufig verletzt. Durfte für die Profis beim Test in Hamburg (4:1) ran.
Prognose für den Durchbruch: Potenzial für die erste oder zweite Liga ist da, aber nicht bei Bayern.
Marco Friedl (Linksverteidiger, ausgeliehen an Werder Bremen, 20)
Ziel: Backup für Alaba
Aussicht: schlecht
Aktuell: Wurde im Januar 2018 bis Sommer 2019 an Werder ausgeliehen, um dort Spielpraxis auf höchstem Niveau zu sammeln. Spielt dort aber nur selten und wirkte zuletzt gegen Leverkusen (2:6) derart überfordert, dass ihn Trainer Kohfeldt schon zur Halbzeit auswechselte. "Der Junge ist 20 Jahre alt, ich halte ihn für ein Riesentalent", sagte er dennoch und ließ in ein paar Tage drauf auch im Pokal gegen Weiche Flensburg ran (5:1). Für mehr reichte es seither aber nicht.
Prognose für den Durchbruch: Nicht bei Bayern, wird eher fix an Bremen verkauft.
Adrian Fein (zentrales Mittelfeld, ausgeliehen an Jahn Regensburg, 19)
Ziel: Martínez-Nachfolge bei Bayern
Aussicht: passabel
Aktuell: Ließ sich Ende August in die zweite Liga nach Regensburg ausleihen, als klar war, dass Renato Sanches bleiben würde. Mit Fein in der Elf hat der Jahn seither noch kein Spiel verloren; der Teenager, der in der Bayern-Jugend oft die Kapitänsbinde trug und beim DFB schon einige Male Arne Meier (Hertha) und Kai Havertz (Leverkusen) den Rücken freihielt, überzeugt mit Zweikampfstärke und Offensivdrang - der nächste Schritt ist gemacht.
Prognose für den Durchbruch: Gut. Wenn's nicht (sofort) bei Bayern klappt, könnte Fein kommende Saison auch an einen Bundesliga-Klub ausgeliehen werden, um weitere Erfahrungen zu sammeln.
Meritan Shabani (offensives Mittelfeld, 19)
Ziel: Profi-Kader
Aussicht: schwierig
Aktuell: War im Sommer auf der US-Tour dabei und hat diese Saison neben der Rödinghausen-Minute einen Champions-League-Kaderplatz gegen Athen, ein Testspiel-Tor gegen ManCity sowie einen weiteren Startelfeinsatz im Test gegen Juventus auf der Habenseite und kam auch gegen PSG und Chicago zum Einsatz. Der technisch starke Offensivspieler ist in seinen Regionalliga-Leistungen aber noch zu schwankend und gilt nicht als der trainingsfleißigste Spieler.
Prognose für den Durchbruch: Talent ist da, ist aber eher ein Kandidat für einen anderen Profi-Klub als Bayern.
Franck Evina (Linksaußen, 18)
Ziel: Ribéry-Nachfolge
Aussicht: schlecht
Aktuell: Schnupperte wie Shabani und Mai unter Heynckes schon in die Profi-Elf, spielt unter Holger Seitz in der Regionalliga (erst drei Scorerpunkte) aber nicht so gut wie zuvor unter Tim Walter, zu dem er ein besonderes Verhältnis hatte.
Prognose für den Durchbruch: Vorerst keine Chance Richtung Profis, hat mit 18 aber auch noch (mehr) Zeit.
Alex Timossi Andersson (Rechtsaußen, 17)
Ziel: Profi-Kader
Aussicht: fraglich
Aktuell: Spielte mit 16 schon in der zweiten schwedischen Liga für Helsingborgs IF, wurde kurz darauf von Bayern verpflichtet. Sollte eigentlich bis 2019 in Schweden bleiben und dann zu den Profis stoßen, was nahelegt, dass er bereits einen Anschlussvertrag als Profi besitzt. Vergangenen Sommer entschied man sich dann doch um und holte den Rechtsaußen vorzeitig nach München. Bei der U19 sitzt er nun aber zeitweise nur auf der Bank. Ein Tor glückte ihm bisher nur in der Youth League.
Prognose für den Durchbruch: Noch nicht absehbar. Gut möglich, dass er als 2001er Jahrgang noch ein weiteres Jahr A-Jugend spielt - oder nach Schweden zurückkehrt.
Oliver Batista Meier (Linksaußen, 19)
Ziel: Profi-Kader
Aussicht: passabel
Aktuell: Der deutsche U-Nationalspieler stand für die Profis im Test gegen PSG in der Startelf und wurde von den Bayern bereits "langfristig gebunden", was wie bei Andersson auf einen Anschlussvertrag als Profi schließen lässt. Der Offensivspieler mit brasilianischen Wurzeln startete mit neun Scorerpunkten in acht Spielen toll in die A-Jugend-Bundesliga, zog sich dann aber beim Youth-League-Spiel in Athen einen Knöchelbruch zu und fällt wohl bis ins Frühjahr 2019 aus. Der "Guardian" nannte ihn zuletzt in der Liste der 60 größten Talente Europas seines Jahrgangs (2001) und der brasilianische Verband fragte nach Angaben seines Beraters bereits an, ob er für die U-Mannschaften der Seleçao spielen möchte.
Prognose für den Durchbruch: Gilt als das größte Talent der U19 und hat noch Zeit - der Sprung zu den Profis wird aber schwierig.
Und die anderen ohne Profi-Vertrag?
Da stechen einem vier Namen ins Auge: Paul Will (defensives Mittelfeld, 19), Joshua Zirkzee (Sturm, 17), Woo-yeong Jeong (Rechtsaußen, 19) und Jonathan Meier (Linksverteidiger, 17). Alle vier kamen schon in Testspielen zum Einsatz. Letzterer stand gegen Hertha und Gladbach im Bayern-Kader, als Rafinha verletzt fehlte und ist sonst Stammspieler in der Regionalliga.
Will saß zuletzt gegen den BVB auf der Bank, ist zweikampfstark, aber technisch nicht der stärkste. Zirkzee traf gegen PSG für die Profis und ist körperlich schon sehr weit für einen 17-Jährigen, was derzeit noch technische Defizite kompensiert.
Jeong gehörte in Rödinghausen zum Profi-Kader und zählt neben Batista Meier zu den größten Offensiv-Talenten des Bayern-Nachwuchses.
Ob angesichts der namhafteren Konkurrenz aus den ebenfalls noch jungen Alphonso Davies (18), Kingsley Coman (22) und Serge Gnabry (23) auf den offensiven Außenpositionen und der angekündigten Transferoffensive auch ein Profi-Vertrag bei rumkommt, ist fraglich.
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