FC Bayern München | Uli Hoeneß ändert den Kurs: "Wir sind nicht so arrogant, wie ihr glaubt"
Uli Hoeneß spricht nach dem 2:0 des FC Bayern München gegen AEK Athen ausführlich zu Journalisten, wiederholt seine Kritik an einem "Geschwür" im Business, entschuldigt sich bei Juan Bernat, würde die Pressekonferenz im Großen und Ganzen aber wieder so abhalten. Der Bayern-Präsident sagt außerdem, dass Bayern bei Borussia Dortmund nur Außenseiter wäre und auch mal ohne Meisterschale leben könnte.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Aufgezeichnet von Florian Bogner
Herr Hoeneß, wie bewerten Sie den Auftritt der Mannschaft?
Uli Hoeneß: Man hat gemerkt, dass die Mannschaft in der ersten Halbzeit ziemlich verunsichert war, man hat sehr vorsichtig gespielt und vom Tempo her nicht so, wie man das optimalerweise machen sollte. Aber mit zunehmender Spieldauer ist die Mannschaft selbstbewusster geworden und hat dann in der zweiten Halbzeit ein sehr ordentliches Spiel gemacht.
Womit hängt diese Verunsicherung zusammen?
Hoeneß: Wenn sie natürlich als Spieler von Bayern München die Medien verfolgen – das ist jetzt keine Kritik, aber jeder Spieler lässt sich davon beeinflussen. Wir haben nicht gut gespielt die letzten vier, fünf Wochen. Und jedes schlechte Spiel zieht dich ein bisschen mehr runter. Und auch Spieler mit großer Erfahrung lassen sich offenbar davon beeinflussen.
Sie sprechen die Medien an, aber es gibt ja auch andere Indizien: die Körpersprache zu Beispiel. Zudem dringen Interna nach außen, wo man als Vereinsverantwortlicher die Not sehen könnte, mal dazwischen zu hauen?
Hoeneß: Nein, das bringt gar nichts. Das ist ja ein Geschwür, das man nicht mehr los kriegt. Das macht gar keinen Sinn. Wir müssen uns darauf konzentrieren, das Spiel zu verbessern und wieder selbstbewussten Fußball zu spielen und so die Zuschauer zufrieden zu stellen. Mit dem Selbstbewusstsein kommt auch das bessere Spiel.
Aber Sie können doch nicht gutheißen, dass Dinge, die in den eigenen vier Wänden bleiben sollten, nach außen dringen, oder?
Hoeneß: Ich habe heute bewusst keine Lust, die Medien zu kritisieren, aber dazu gehören ja immer zwei. Wenn die Spieler und Berater ständig etwas offeriert bekommen, dann passiert's halt. Aber es hat keinen Sinn, da jetzt nochmal ins Detail zu gehen. Mit dem Phänomen müssen wir im Moment leben und ich denke, dass wir das schon im Laufe der Zeit verändern können.
Wie zuversichtlich sind Sie, dass es am Samstag bei Borussia Dortmund überzeugend über die Bühne geht und auch ein Dreier eingefahren wird?
Hoeneß: Man kann ja nicht nach Dortmund fahren und sagen: 'Ich will einen Dreier einfahren.' Dortmund hat bis jetzt eine sehr, sehr gute Saison gespielt, gar keine Frage. Wir fahren nicht als Favorit nach Dortmund, sondern als Außenseiter – zum ersten Mal seit langer Zeit. Wir müssen schauen, dass wir dort ein gutes Spiel machen und dann schauen wir mal, was rauskommt.
Als Außenseiter nach Dortmund zu fahren, ist aber nicht bayernlike – das aus ihrem Munde ...
Hoeneß: ... Im Moment sind wir schon Außenseiter, wenn wir nach Dortmund fahren. Meines Wissens sind die noch vier Punkte vor uns.
Wann kommt der Zeitpunkt, an dem Sie sagen: 'Jetzt dürfte die Mannschaft mal wieder guten Fußball spielen?' Es ist zurzeit ja erfolgreich, aber doch nicht das Gelbe vom Ei.
Hoeneß: Heute haben wir in der zweiten Halbzeit guten Fußball gespielt. Ich bin ein sehr kritischer Mensch, aber mit den zweiten 45 Minuten war ich heute zufrieden.
Trotzdem ist die Summe der Spiele nicht so, wie der FC Bayern spielen möchte. Die Erfolgsmaschine scheint irgendwie kaputt zu sein.
Hoeneß: Seien Sie doch nicht immer so negativ. Die Saison hat gerade erst angefangen, wir haben eine Mannschaft, die im Umbruch ist und einen jungen Trainer, der sich hier reinarbeiten muss. Da muss man ein bisschen Geduld haben. Vor vier Wochen haben Sie sich alle beschwert, dass die Bundesliga wieder langweilig wird. Jetzt ist sie nicht mehr langweilig, sondern spannend, und das ist Ihnen auch nicht recht. Irgendwann sollten Sie sich mal darauf verständigen, was Sie eigentlich wollen. Wir erfüllen Ihnen doch gerade jeden Gefallen.
Niko Kovac hat vor Spiel gesagt, er würde sich mal einen Sieg mit drei, vier Toren Unterschied wünschen, bei dem mal der Knoten platzt. Chancen gab es genug, wie ärgerlich ist das, dass es nicht geklappt hat?
Hoeneß: Meines Wissens ist am Samstag wieder ein Spiel, bei dem man das machen kann.
Wie fest sitzt denn Niko Kovac im Sattel? Vor ein paar Wochen haben Sie gesagt, Sie verteidigen ihn 'bis aufs Blut' ...
Hoeneß: ... daran hat sich nichts geändert! Meine Aussagen gelten nicht immer nur für zwei, drei Wochen.
Sie sprechen erstmals seit der denkwürdigen Pressekonferenz. Hat Sie in den letzten Wochen etwas überrascht? Die Reaktionen waren ja doch heftig. Oder gibt es etwas, bei dem Sie sagen: 'Das hätte ich vielleicht besser machen können?'
Hoeneß: Ich würde die Pressekonferenz im Wesentlichen wieder so machen. Die Geschichte am letzten Wochenende im 'Spiegel' (Football-Leaks in Bezug auf Superliga-Planungen, Anm. d. Red.) hat bewiesen, dass sie dringend notwendig war. Das ein oder andere Wort, das ich gebraucht habe, würde ich nicht nochmal verwenden. Das hat mir sehr leid getan, Juan Bernat beleidigt zu haben, seine Spielweise in einem Spiel. Das würde ich so nicht wieder machen. Aber die Kritik an gewissen Medien, natürlich nicht an allen, [würde ich wieder so abgeben] - wenn wir das so sagen, gilt das natürlich nicht für Journalisten per se. Sondern die, die wir gemeint haben, die wissen schon Bescheid.
Hatten Sie mit Juan Bernat Kontakt? Er hat gestern getroffen.
Hoeneß: Ich habe es gesehen und mit großer Freude festgestellt, dass er auch noch Tore schießen kann.
Machen Sie sich Sorgen vor dem Spiel am Samstag, dass es schief gehen und man den Anschluss verpassen könnte?
Hoeneß: Naja, die Dortmunder haben jetzt sechs Jahre diese Distanz zu uns gehabt, da dürfen sie jetzt auch mal vorne sein. Was ich nicht ganz verstehen kann, in der ganzen Situation ist, dass man sich immer von Woche zu Woche rechtfertigen muss. Ich habe gesagt, dass wir uns am Ende der Saison messen lassen. Meines Wissens haben wir aber erst zehn Spiele gemacht und wir haben noch 24.
Also sehen Sie die Situation insgesamt gar nicht so kritisch, dass man jetzt Dritter in der Bundesliga ist ...
Hoeneß: Meines Wissens sind wir Zweiter. Torverhältnis interessiert mich nicht.
Gladbach ist Zweiter.
Hoeneß: Aber die haben doch nicht mehr Punkte als wir. Höchstens das bessere Torverhältnis, aber das interessiert mich nicht am zehnten Spieltag. Wollen wir darüber jetzt diskutieren?
Könnte man denn beim FC Bayern ein Jahr ohne Meisterschaft auskommen?
Hoeneß: Wir sind nicht so arrogant, wie ihr alle glaubt.
Also ist die Meisterschaft dieses Jahr nicht Pflicht?
Hoeneß: Die würden wir immer gerne haben, aber wenn's mal nicht so ist, wird der FC Bayern auch nicht untergehen.
Kommt Dortmund denn jetzt zu einem ungünstigen, oder genau zum richtigen Zeitpunkt?
Hoeneß: Zum richtigen Zeitpunkt.
Weil?
Hoeneß: Weil wir heute in der zweiten Halbzeit aufstrebende Leistungsfähigkeit gezeigt haben und jetzt wollen wir mal schauen, ob das am Samstag auch anhält. Okay? Schönen Abend.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-ec453673-a7e8-4c9b-a566-6689a5fb6276-68-310-310.jpeg)