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Götterdämmerung: Warum Ribéry zum Problem geworden ist

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Franck Ribéry vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

VonJohannes Mittermeier
12/10/2018 Am 07:55 | Update 18/10/2018 Am 13:50
@msportblog

Drei Einsätze noch, dann steht Franck Ribéry bei 400 Pflichtspielen für den FC Bayern München. Es könnte ein unrühmliches Jubiläum in der Herbstdepression werden. Bayerns Tief ist auch ein Tief seines Filous, der in dieser Saison erst an einem Tor beteiligt war. Überhaupt zeigen Statistiken, wie Ribéry die Biologie mit 35 Jahren nicht mehr überlisten kann. Problem: Bayern hat kaum Alternativen.

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Die Ansagen hallen in klarem Ton über den Trainingsplatz. "Saubere Ausführung! Ich will keine Fehler! Alles muss richtig sein!" Es ist eine profane Passübung zum Aufwärmen, aber Niko Kovac verlangt Konzentration.

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Tack, tack, tack, das Bällchen zischt über den Rasen, die Spieler wuseln im geordneten Chaos umher, Kovac korrigiert mit kurzen, prägnanten Anweisungen, der Trainer des FC Bayern München wirkt wie ein Sportlehrer in der Schule. Dann gibt's ein Lob für den Klassenältesten: "Sehr gut, Franckie!"

Als Ribéry in die Wolken schießt, raunen die Fans

Franckie heißt Ribéry mit Nachnamen, er hat 397 Pflichtspiele für den FC Bayern absolviert, 117 Tore geschossen und 180 direkte Vorlagen gegeben. An der Säbener Straße trimmt er sich seit Sommer 2007, damals war Ottmar Hitzfeld der Chef und Felix Magath gerade Geschichte.

Jürgen Klinsmann, Jupp Heynckes, Louis van Gaal, Andries Jonker, erneut Heynckes, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, Heynckes zum Dritten und aktuell Kovac: In München wurde der 24-jährige zum 35-jährigen Ribéry. Er hat sie alle überlebt.

"Ich hätte 2007 nie gedacht, dass ich so lange bleibe", sagte der Franzose neulich im "kicker"-Interview.

Die Menschen, die hier im Verein sind, die mich seit Jahren Tag für Tag sehen, die überrascht das nicht, dass ich immer noch da bin.

An diesem sonnigen Donnerstagvormittag ist beim FC Bayern kaum etwas von Staatskrise zu spüren. Inmitten der Länderspielpause versammelt Kovac nur wenige Profis um sich, Ribéry, Arjen Robben, Javi Martínez, Sandro Wagner, Sven Ulreich und Rafinha. Beim Trainingskick steht Ribéry mit Robben in einem Team, Robbery als Nostalgie, einmal schießt Ribéry frei aus acht Metern - in die Wolken. Die Fans raunen.

"Ribéry und Robben halten keine 90 Minuten mehr durch"

Zumal diese Szene ja sinnbildlich ist. Für den FC Bayern, der sich mit einem veritablen Herbstdurchhänger plagt; und für Ribéry, dem in zehn Einsätzen erst eine Torbeteiligung gelang (der umstritten herausgeholte Elfmeter gegen Hoffenheim). Das Tief des Rekordmeisters ist auch ein Tief seines Filous.

Vermutlich ist es gar kein Tief mehr und bereits das Ende einer monumentalen Ära.

"Sie haben bei Bayern gedacht, dass das ein weiteres Jahr gut geht und sie einfach so weitermachen können", sagt Ex-Bundestrainer Berti Vogts zu "t-online". Kovac müsse leben mit Ribéry (wird 36 in dieser Saison) und Robben (wird 35), "die aufgrund ihres Alters gar keine 90 Minuten mehr auf dem allerhöchsten Niveau durchhalten".

Ribéry begann vier von sieben Bundesligaspielen, zweimal war er Joker, die volle Distanz bestritt er bloß bei der Niederlage in Berlin. "Mir ist schon klar, dass ich nicht alle Partien machen kann", sagte Ribéry vor einem Monat, Coach Kovac "weiß genau, wie er die Spielzeiten bei mir dosiert".

FC Bayern: Werte zeigen, wie Ribéry abgebaut hat

Wenn die Champions-League-Hymne erklingt, ist er trotzdem erste Wahl, auch 2018. Zwei Partien, zweimal Startelf, gut bei Benfica, schwach gegen Ajax. Dass Serge Gnabry offensichtlich braucht, um konstant auf Touren zu kommen, begünstigt das Ganze. Und dass Kingsley Coman wegen Syndesmose-Riss wohl bis 2019 fehlt, schmerzt Bayern extrem. Weil es dadurch an jenem Überraschungsmoment mangelt, das Ribéry einst patentiert hatte.

Kein Künstler kann die Biologie überlisten. Der 81-malige Nationalspieler taugt weiterhin fürs Besondere, allerdings werden die Intervalle, in denen Ribéry seine Trickkiste zu öffnen vermag, immer länger und die erfolgreichen Dribblings immer seltener. Bayerns Nummer 7 hat sichtlich an Geschwindigkeit eingebüßt - Gift für die Außenbahn. Mit 36 Prozent Zweikampfquote liegt er zehn Prozent unter dem Schnitt seiner Münchner Mittelfeldkollegen.

Gravierend ist der Wertverlust der Währung eines Offensivspielers: Scorerpunkte. In der Vorsaison war Ribéry an zwölf Toren beteiligt (je sechs Treffer und Assists); im Triple-Jahr 2012/13, der vermutlich besten Saison seiner Karriere, gekrönt mit der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres, waren es elf Tore plus 23 Vorlagen. Zuvor gar 17 plus 27.

Ribéry kann sich "weiteres Jahr" bei Bayern vorstellen

Ribéry baut ab, Robben ist aktuell nicht griffig genug, aber Bayern hat keine Alternativen. Bald schneit der 17-jährige Alphonso Davies aus den USA ein, ein Investment für die Post-Robbery-Generation. Also fordert Vogts: "Im Winter müssen sie auf dem Transfermarkt zuschlagen. Allein schon, um den Spielern Druck machen zu können."

Laut "Sport Bild" befinden sich Nicolas Pépé (23, OSC Lille), Florian Thauvin (25, Olympique Marseille) und Anthony Martial (22, Manchester United) im Kandidatenkreis, außerdem Christian Pulisic (20, Borussia Dortmund), Leon Bailey (21, Bayer Leverkusen) sowie Ante Rebic (25, Eintracht Frankfurt) aus der Bundesliga.

"Ein weiteres Jahr" kann sich Franck Ribéry übrigens vorstellen beim FC Bayern München. Damit wir mal drüber gesprochen haben.

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