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Robben, Ribéry und Rafinha gehen: Was dem FC Bayern fehlen wird

Robben, Ribéry und Rafinha gehen: Was dem FC Bayern fehlen wird

15/05/2019 um 10:25

Der Abschied der Routiniers Arjen Robben, Franck Ribéry und Rafinha steht beim FC Bayern München dicht bevor. Ihre Verträge laufen aus und werden nicht verlängert. Sportlich mag der Verlust zu kompensieren sein, doch menschlich ist das zunächst nur schwer möglich. Ohne sie ändern sich die Struktur innerhalb des Kaders und der Ton in der Kabine nicht unbeträchtlich.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

Er lud sie ein und sie kamen alle. Als Rafinha am Dienstag ins Mediencenter an der Säbener Straße kam und auf der breiten Bühne vor der Presse Platz nahm, drängten sie sich mit durch die Tür: Javi Martínez, Thomas Müller, Franck Ribéry, Thiago, Manuel Neuer, Renato Sanches, David Alaba und Robert Lewandowski. "Meine Freunde, meine Familie", wie Rafinha später sagte.

Und als der 33-Jährige dann noch von einem Telefonat am Dienstagmorgen mit seiner Mutter berichtete, in dem sie ihn daran erinnerte, dass er doch ja noch allen danken solle und in seinem Kopf die Grenzen zwischen Familie und Freundschaft verwischen, wird es plötzlich emotional. Rafinha kommen die Tränen, er ringt mit der Fassung, seitlich an der Wand sitzend schluckt Thiago einen dicken Kloß im Hals herunter, Ribéry vergräbt seinen Kopf in die Hände und reibt sich die Augen.

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Es sind die für die Öffentlichkeit seltenen Momente, in denen Profi-Fußballer ihre Tränen zeigen. Momente, in denen klar wird, dass die "hochbezahlten Millionäre" eben nicht nur Maschinen oder Instagram-Bilder zum Anfassen sind, sondern echte Menschen.

Rafinha: Everybody's Darling

Rafinha war in seinen acht Jahren nie ein Leistungsträger, er war der Backup hinter Philipp Lahm, David Alaba und jetzt Joshua Kimmich. "Es war nicht immer einfach, aber ich habe alles gegeben", stellte er fest und wirkte dabei authentisch.

Laut beschwert hat er sich nie. Der Brasilianer ist eine Frohnatur mit Musik und Spaß im Kopf, er reißt andere mit, ist kommunikativ, bringt andere zum Lachen und kümmert sich. Es gibt kaum einen aktuellen oder ehemaligen Bayern-Spieler, der schlecht über Rafinha redet.

Das ist ein großer Verdienst und für Rafinha persönlich möglicherweise die größte Auszeichnung in seiner Karriere als Fußball-Profi. In der Kabine wird er definitiv eine Lücke hinterlassen.

Rafinha

RafinhaImago

Mit Ribéry kehrt das Spektakel beim FC Bayern ein

Auch Ribéry (36) und Arjen Robben (35) sind ganz spezielle Charaktere, die dort in der kommenden Saison nicht mehr sein werden. Ribérys Streiche sind im Laufe seiner Adoleszenz zwar weniger geworden, sein Stellenwert als Ulknudel ist aber immer geblieben.

Der Franzose hatte natürlich auch mehr zu bieten, denn er verkörperte mit seinem ganzen Auftreten auf und neben dem Platz das Spektakel, das dem in der Prä-Ribéry-Zeit permanent etwas bieder daher kommenden Verein immer guttat.

Der Freigeist, Paradiesvogel, Individualist - geformt durch harte Arbeit und eisernen Willen - von Taktik so wenig begeistert wie ein Hafenarbeiter in Boulogne-sur-Mer von einem Bummel durch Edel-Boutiquen an der Champs-Elysée, identifiziert sich voll und ganz mit dem Verein und steht nun mit seinem Namen für das Vereinsmotto "Mia san Mia".

Vor seinem Weg hatten die Spieler Respekt, sie schauten zu ihm auf und orientierten sich an ihm. Wer nimmt nun diesen Part ein?

"Mr. Wembley" ist auch "Mr. 100 Prozent"

Nicht ganz so integer wie Ribéry oder Rafinha ist Ausnahmespieler Robben. Der Niederländer ist verschlossener, verbissener und nur selten der Liebling in der Kabine gewesen. Das war jedoch auch nie sein Anspruch - und dennoch ist er für das Gefüge unheimlich wichtig, weil er das Nonplusultra in Sachen Ehrgeiz, Fleiß und Disziplin ist.

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Ein absolutes Vorbild. Wer ihn einmal live hat trainieren sehen, wird das bestätigen. Weniger als 100 Prozent zu geben, scheint für "Mr. Wembley" unmöglich.

"Lieber ein bisschen verrückt - dann habe ich Ruhe vor mir selbst", sagte er nun zum Abschluss über sein Verhalten auf dem Rasen.

Das große Erbe dreier verdienter Spieler

Rafinha, Ribéry und Robben haben die Kabine bereichert, ein Team zusammengehalten, eine Ära geprägt - und ihre Winner-Mentalität lodert weiterhin in ihnen. Es ist bezeichnend, dass keiner von ihnen ernsthaft ans Aufhören denkt.

Ohne sie ändert sich die Struktur im Bayern-Kader natürlich zwangsläufig. Die ältesten Akteure werden künftig Neuer (33), Mats Hummels, Jérôme Boateng, Martínez , Lewandowski und Müller (alle 30) sein, Jüngere werden nachrücken.

Die kommende Generation bekommt von den Älteren oft vorgeworfen, zu schnell zufrieden zu sein, sich nicht komplett für eine gemeinsame Sache aufzuopfern. Das "Bayern-Gen" trägt nicht jeder in sich.

Sportlich mag der Verlust des routinierten Trios mit namhaften Neuzugängen zu kompensieren sein, sie auf menschlicher Ebene zu ersetzen, wird eine große Herausforderung.

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