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Wie schlimm ist Manuel Neuer verletzt? Darum hält der FC Bayern die Diagnose zurück

Was hat Neuer wirklich? Darum hält sich Bayern so bedeckt

05/02/2019 um 10:06

Der FC Bayern München sorgt sich um den verletzten Torwart und Kapitän Manuel Neuer. Eine genaue Diagnose wurde nicht bekanntgegeben, was viele Fans wundert, weil sie im Unklaren gelassen werden. Der Grund dafür liegt aus Vereinssicht jedoch auf der Hand. Und er hat - wie bei vielen anderen Vorfällen - mit der deutschen Rechtslage zu tun.

Eine Welle von Unverständnis schwappte über den FC Bayern München, als dessen Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Samstag nach der Pleite gegen Bayer Leverkusen über die Schwere der Verletzung von Torwart und Kapitän Manuel Neuer mitteilte:

"Ich weiß es, aber ich verrate es nicht."

Am Freitag wurde lediglich veröffentlicht, dass der 32-Jährige im Training eine "Blessur" an der rechten Hand erlitten habe. Dass der Keeper am Sonntag und Montag mit einer Schiene am rechten Daumen trainierte, ließen Verein und Spieler selbst weitgehend unkommentiert.

Bayern kann, aber muss nicht

Warum lässt Salihamidzic also die Fans, die sich ebenso sorgen wie die Verantwortlichen, und die Medien absichtlich im Unklaren? Kann der Verein nicht einfach bekanntgeben, an was genau Neuer leidet?

Natürlich kann er es. Aber er muss es nicht. Der Grund dafür ist das deutsche Rechtssystem, genauer: das Persönlichkeitsrecht.

Dieses gehört als "sonstiges Recht" zum Schutzbereich des Paragrafen 823 Abs. 1 BGB. Formen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sind beispielsweise der Schutz der Privatsphäre, das Recht am eigenen Bild und das Recht auf informelle Selbstbestimmung. Neben dem Schutz der Privatsphäre wiegt auch der Schutz vor unvorteilhafter Darstellung - manchmal - schwerer als die Presse- und Meinungsfreiheit.

Im Fall von Neuer ist davon auszugehen, dass der Keeper - mit dem das mediale Vorgehen sicher abgestimmt ist - und der Verein das gesamte Thema mit dem Recht im Rücken lediglich unter Kontrolle behalten wollen.

Blöd, wenn "alle schreien"

Neuer ist eine zentrale Figur im Spiel der Bayern, seine mentale Situation nach drei Mittelfußbrüchen und langer Ausfallzeit im vergangenen Jahr durchaus sensibel. Detaillierte Berichte über die wahre Verletzung und das mögliche Breittreten von Schreckensszenarien wie einem längerfristigen Ausfall zur Unzeit, wären in der aktuellen Lage des deutschen Rekordmeisters kaum förderlich. Nicht jede Presse, ist gute Presse. Wenn "alle schreien" gefällt das an der Säbener Straße niemandem, da wird gerne in Ruhe gearbeitet.

In diesem Zusammenhang sind auch folgende Sätze von Salihamidzic aus dessen Perspektive logisch. Er betonte:

"Wenn ich sage, es sind fünf Monate, dann schreien alle. Wenn ich sage, es sind nur fünf Tage, dann sagen alle, es war gar nichts."

Sollte es bei Neuer tatsächlich auf mehrere Wochen Ausfallzeit hinauslaufen, möchte zumindest der Verein die Meinungshoheit haben und den Zeitpunkt der Bekanntgabe bestimmen.

Fans und Medien müssen sich also damit zufriedengeben und gedulden. Die "Bild" recherchierte dagegen und zapfte ihre Quellen an. Bei ihren Formulierungen bewegen sie sich aber auch viel im Konjunktiv, was ein Indiz dafür sein könnte, dass die Informationen weder vom Verein noch vom Spieler und seinem Management sind, sondern von Dritten stammen.

Mehr Transparenz in der NFL

In der amerikanischen Profi-Football-Liga NFL ist das Vorgehen bei Verletzungen im Gegensatz zu Deutschland ganz klar geregelt. Dort sind weniger Persönlichkeitsrechte, dafür mehr Transparenz vorhanden.

"Die Intention ist es volle und komplette Informationen über die Verfügbarkeit des Spielers sicherzustellen", heißt es in einer offziellen Vorgabe namens "Personnel Injury Report Policy". Wahrscheinlich gibt es auch dort einige Schlupflöcher, aber prinzipiell muss der Verein unter anderem beim Verband und den Rechteinhabern genaue Angaben darüber machen, wie der Spieler trainiert hat, ob die Gefahr besteht, dass er ausfalle, wie lange das der Fall sein könnte und welche Untersuchungen vorgenommen werden. Bei Missachtung drohen Strafen.

Beim FC Bayern München, der am Mittwoch im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Hertha BSC antritt (20:45 Uhr im Liveticker), heißt es laut Trainer Niko Kovac über Neuer aktuell nur: "Wenn er Schmerzen hat, gehen wir kein Risiko ein."

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