BVB-Trainer Lucien Favre stellt auf Dreierkette um, darum funktioniert das
VonLuca Baier
Publiziert 14/12/2019 um 00:10 GMT+1 Uhr
Seit der Systemumstellung läuft´s: Mit drei Siegen in den vergangenen drei Spielen hat der BVB die zwischenzeitliche Schwächephase überwunden – der Dreierkette sei Dank. Mit drei Innenverteidigern stehen die Dortmunder stabiler und sind offensiv gefährlicher. Eurosport.de analysiert vor dem Spiel des BVB in Mainz, warum die Umstellung gefruchtet hat und das System ideal zum kommenden Gegner passt.
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Drei Spiele, drei Siege, 9:2 Tore: Die letzten Wochen des BVB können sich sehen lassen. Nach der Klatsche gegen den FC Bayern und dem sehr schmeichelhaften 3:3 gegen das damalige Schlusslicht Paderborn sah sich Lucien Favre zu einer größeren taktischen Umstellung gezwungen. Erstmals in seiner nun anderthalbjährigen Amtszeit verzichtete der Schweizer auf eine Viererkette und stellte auf ein flexibles 3-4-3 um.
Defensivere Aufstellung? Offensiveres Pressing!
Eine Umstellung auf Dreier- statt Viererkette geht oft mit einer defensiveren Ausrichtung einher. Da die Flügelspieler viel Defensivarbeit leisten müssen, wird aus einem 3-4-3 schnell mal ein 5-2-3. Phasenweise ist dies auch beim BVB der Fall, grundsätzlich wurde durch die Systemumstellung aber das offensive Element gestärkt.
Dortmund hatte in der Schwächephase Ende November oftmals Probleme, die gegnerischen Außenverteidiger unter Druck zu setzen und gleichzeitig das Zentrum kompakt zu halten. Gerade die Sechser und in der Folge auch die Innenverteidiger mussten in diesen Situationen (zu) große Räume verteidigen.
Nun stellen die drei Stürmer zuerst die Passwege ins Mittelfeld zu und lenken das Spiel dadurch automatisch oft auf einen der gegnerischen Außenverteidiger. Der ballnahe BVB-Stürmer jagt dem Ball hinterher und versperrt dadurch den Rückpassweg zum Innenverteidiger. Gleichzeitig läuft Achraf Hakimi (analog dazu auf der linken Seite Raphael Guerreiro) den Gegner frontal an.
Stärkung des Zentrums – passend auch zum kommenden Gegner
Dies kann er in hohem Tempo tun, da er hinter sich drei statt vorher zwei Innenverteidiger weiß. Diese schieben zur Seite durch, sodass sie auf der Ballseite zu dritt gegen den gegnerischen Stürmer und Flügelspieler verteidigen können. Weil vorne viel Druck auf dem Ball ist, werden unkontrollierte lange Pässe erzwungen, die in dieser Überzahl gut verteidigt werden können.
Gegen den kommenden Gegner dürfte dieser Aspekt sehr wichtig werden: Mainz spielt seit unter dem neuen Trainer Achim Beierlorzer mit zwei klaren Spitzen, die permanent mit langen Bällen gefüttert werden. Hier ist die Überzahlsituation mit drei Innenverteidigern ein großer Vorteil für den BVB, da sich so keiner der beiden Sechser fallen lassen muss. Dies würde den Kampf um die zweiten Bälle erschweren – gegen Mannschaften mit Mainz´ taktischem Ansatz ein sehr wichtiger Punkt.
Dreierkette umschifft Sechserproblematik
Auch in Ballbesitz bietet das neue System Vorteile, allen voran im zentralen Bereich. Axel Witsel fällt mit seiner Gesichtsverletzung noch bis Jahresende aus – damit fehlt dem BVB der Kopf des Mittelfelds. Durch die Umstellung wird dieses Problem jedoch ordentlich kompensiert. Mats Hummels übernimmt als zentraler Mann der Dreierkette viele Aufgaben im Spielaufbau. Dies geschieht neben dem Passspiel auch über Dribblings ins Mittelfeld. So können die anderen Spieler im Mittelfeld höher stehen und schneller in die gefährlichen Bereiche kommen – das erklärt vermutlich auch die Nominierung von Julian Brandt als Teil der Doppelsechs.
Die Flügelspieler können dank der besseren Absicherung durch die drei Innenverteidiger deutlich höher stehen als es Außenverteidiger in einer Viererkette tun könnten. Dortmund kann nun auf beiden Seiten eine Option in der Breite anbieten – ohne dabei große Konterräume zu gewähren.
Die hohe Positionierung von Hakimi und Guerreiro ermöglicht den zwei äußeren Stürmern ein Einrücken in die Halbräume. Gerade Marco Reus fühlt sich hier sehr wohl und kann halblinks immer wieder so angespielt werden, dass er „offen“ steht und mit dem ersten Ballkontakt aufs Zentrum zudribbeln kann. Mit den beiden äußeren Stürmern in den Halbräumen und dem aufgerückten Brandt aus dem Zentrum ist Dortmund im Bereich zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners sehr gut besetzt – und trotzdem abgesichert, da die Dreierkette zusammen mit Julian Weigl die Restverteidigung übernimmt.
Eurosport-Check: Lucien Favre hat mit seiner Systemumstellung Mut und großes taktisches Geschick bewiesen: Die Anpassung kompensiert nicht nur den Ausfall seines vielleicht wichtigsten Spielers Witsel, sondern sorgt auch für eine bessere Präsenz in den wichtigen Räumen sowie eine ordentliche Konterabsicherung. Können die Dortmunder den Schwung nun mitnehmen, wird das Jahr womöglich doch versöhnlicher enden als gedacht. Und Taktikfuchs Favre könnte mit einer taktischen Maßnahme letztlich seinen Job gerettet haben.
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