Heiko Herrlich nach Quarantäne-Fauxpas im Abseits

Heiko Herrlich ist bei seinem unbedachten Quarantäne-Ausbruch für Zahnpasta und Handcreme ins Abseits gelaufen. Herrlich zog bereits eine erste Konsequenz, er wird am Samstag nicht auf der Bank sitzen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mahnte: "Das ist kein Spaß." Der Fall zeigt erneut, auf welch tönernen Füßen der Restart der Bundesliga steht.

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Es war schon später Abend, als Heiko Herrlich am Donnerstag die vermutlich schwierigste Ansprache seiner 15-jährigen Trainerkarriere halten musste. Der Coach des abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten FC Augsburg sollte den eigens aus ihren Zimmern geholten Profis seinen peinlichen Quarantäne-Fauxpas erklären - und wie er dabei arglos ins Abseits gelaufen war. Für Hautcreme und Zahnpasta!
"Sollte es mehrere solcher Fälle geben, steht die Liga enorm in der Bewährungsprobe. Ich kann nur mahnen: Das ist kein Spaß", sagte am Morgen danach der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bei "Bild live". Herrlich hatte da längst Reue gezeigt: "Ich habe einen Fehler gemacht, indem ich das Hotel verlassen habe", wurde er am Donnerstagabend in einer Pressemitteilung des Klubs zitiert. Er werde daher "konsequent sein und zu meinem Fehler stehen".

Herrlichs Assiszent Zellner betreut Augsburg am Samstag

Das bedeutet: Der 48-Jährige wird beim Liga-Restart gegen den VfL Wolfsburg am Samstag (um 15:30 Uhr live im Eurosport-Liveticker) nicht auf der Bank der Schwaben sitzen, sein wegen Corona schon einmal verschobenes Debüt fällt erneut aus. Am Freitag beim Training wurde er von Assistent Tobias Zellner vertreten, der den FCA auch gegen die Wölfe betreuen soll.
Ausgerechnet Herrlich! Der frühere Nationalspieler bezeichnete sich wegen eines im Jahr 2000 entfernten Hirntumors zuletzt selbst als "Risikopatient". Umso überraschender kam seine Einkaufs-Anekdote bei der Spieltags-Pressekonferenz. "Wir sind im Hotel in Quarantäne und sollen da eigentlich auch nicht rausgehen, aber es gibt halt Situationen, die es einfach erfordern", sagte er. Ein Notfall? Etwas Familiäres? Nein, Herrlich brauchte Zahnpasta und Hautcreme, also ging er in einen nahen Supermarkt.

FCA schließt Herrlich-Rücktritt aus

Hohn, Spott, aber auch scharfe Kritik ließen nicht lange auf sich warten. Im Netz wurde Herrlich als "Hautcreme-Heiko" verulkt, in der Online-Kommentarspalte der Augsburger Allgemeinen hieß es: "Der FCA ist das Gespött des Tages". Herrlich, meinte ein Leser, "sollte eigentlich sein Traineramt gar nicht mehr antreten". Das aber schloss der FCA bereits aus. Nach zwei negativen Tests werde der Nachfolger von Martin Schmidt seinen Job wieder aufnehmen, hieß es in der Stellungnahme.
Herrlich beschrieb detailliert seine Probleme beim Einkaufen. Etwa mit der Corona-Maske, die er zunächst im Hotel in Bobingen nahe der WWK-Arena vergessen hatte. Weil sich in seinem Kopf schon alles um das Wolfsburg-Spiel drehte, vergaß er sogar trotz Ermahnung durch eine Verkäuferin zunächst, sich einen Wagen zu holen. Am Ende sei er froh gewesen, trotz FCA-Trainingsanzug hinter seiner Maske nicht erkannt worden zu sein. "Die hätte sich auch gedacht: Was haben wir da für einen Trainer geholt?"

Herrlich: "Bin meiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden"

Als das Kind in den Brunnen gefallen war, beteuerte Herrlich, er habe sich "sowohl beim Verlassen des Hotels als auch sonst immer an alle Hygienemaßnahmen gehalten". Allerdings könne er seinen Fehler "nicht ungeschehen machen". Sein bitteres Fazit: "Ich bin meiner Vorbildfunktion (...) nicht gerecht geworden."
Mit dem Verzicht kam er wohl einer Intervention der DFL zuvor. Diese betonte in ihrem Konzept, dass die Klubs Risikopatienten "nach Möglichkeit" von Training und Spielen ausschließen sollten. Im Falle einer "Unentbehrlichkeit" wie etwa bei Trainern müsse der Betroffene über das "individuelle Risiko in Kenntnis gesetzt" werden. Bei Herrlich war dies der Fall. Er habe für sich bewusst beschlossen, damit zu leben, sagte er, "weil ich mich auf die Aufgabe freue". Dieser darf er jetzt aber erst einmal nicht nachgehen.
(SID)
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