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Bayern-Spieler wollen Flick: Hansi kann Headcoach

Bayern-Spieler wollen Flick: Hansi kann Headcoach

25/11/2019 um 14:29

Der LIGAstheniker beschäftigt sich mit der Personalie Hansi Flick beim FC Bayern München: Von Spielern und Fans des FCB gefeiert, dabei ist er eigentlich nur eine Interimslösung. Doch was passiert, wenn er nicht mehr verliert? Aktuell spricht wenig gegen den ehemaligen Assistenten von Niko Kovac. Doch kann Flick überhaupt Headcoach und was wird mit den anderen gehandelten Namen?

Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath

Liebe Fußballfreunde,

möglicherweise hat sich der eine oder andere von Ihnen, aus sehr aktuellem Anlass, schon mal die Frage gestellt, warum Hansi Flick acht Jahre lang sehr erfolgreich Co-Trainer von Jogi Löw war - und nicht umgekehrt. Auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Arbeit wurde Deutschland 2014 Weltmeister. Ein Triumph, der für immer mit der Person Löw verbunden sein wird, mit Flick eher nicht. Schon allein nominell trug er die mit Abstand blödeste Positions- oder Berufsbezeichnung: Assistenztrainer, was irgendwie nach Zu- oder Hilfsarbeiter klingt, von der Öffentlichkeit nicht ernstgenommen.

Bis heute ist kaum ein Mensch auf die Idee gekommen, den Titel auch mit seiner Person und seiner Expertise zu verbinden, obwohl wir heute längst wissen, dass in der Bundesliga gerade der Co-Trainer in vielen Fällen für Taktik und Training zuständig ist. Was das alles mit heute zu tun hat, mit Flick, dem FC Bayern und der Suche nach einem Nachfolger für Niko Kovac?

Wäre Hansi Flick gefühlt nicht der ewige Assi, hätte er vermutlich reale Chancen, die Saison 2019/20 als Headcoach der Bayern zu beenden. Aber so?

Was, wenn Flick nicht mehr verliert?

Die "Bild" hat wie so oft ein untrügliches Gespür für die Stimmung im Land der 80 Millionen Wohnzimmerscouts. "Was passiert, wenn Flick einfach alles gewinnt", befragte die Online-Ausgabe am Sonntagnachmittag rhetorisch ihre Leserschaft zur Zukunft des "bis- Weihnachten"-Bayerntrainers. Und in der Tat, das ist eine gute Frage.

Nach dem 4:0 in Düsseldorf, den drei Siegen und null Gegentoren, besonders nach der Art und Weise, wie die Bayern seit dem Kovac-Abgang auf dem Feld agieren und vor allem aber, wie pudelwohl die Spieler sich mit Hansi Flick als ihrem Cheftrainer fühlen, sollte sich die Bayernführung genau überlegen, wer Ihnen am ehesten eine erfolgreiche Saison im Instantmodus bescheren könnte. Flick oder die beiden angeblich heißesten Kandidaten, Tottenhams Ex Mauricio Pochettino oder Amsterdams Erik ten Hag?

Hansi Flick (li.) und Thiago jubeln nach dem 4:0-Sieg gegen Düsseldorf

Hansi Flick (li.) und Thiago jubeln nach dem 4:0-Sieg gegen DüsseldorfGetty Images

Der ewige Assi Flick kann Headcoach

Hört man sich die Äußerungen der Bayernspieler vom Wochenende an, spricht wenig bis nichts gegen Flick, der gerade dabei ist, sein Hiwi-Image abzustreifen. Serge Gnabry sagt es direkt in die Mikrofone, dass er das Modell "Flick Forever" gerne hätte. Joshua Kimmich erklärt schwärmerisch, warum plötzlich alle zusammen verteidigen und man keine Tore mehr kassiere und Thomas Müller gibt die Merkel, um Flicks "alternativlosen" Matchplan zu belobhudeln.

Ein Matchplan, in dem er wieder eine Hauptrolle spielt. In Summe wird hier ein Binnenverhältnis zwischen Mannschaft und Trainer gezeichnet, wie es intakter kaum sein könnte. Und auch wenn sich fast jedes Statement pro Flick immer noch wie ein Watschenbaum für Kovac anhört – warum sollte man, warum möchten Rummenigge und Kahn dieses Binnenklima aufs Spiel setzen? Mit jedem weiteren Sieg wird deutlich, wie sehr sich Fußball-Deutschland im "ewigen Assi" getäuscht haben könnte und Hansi Flick sehr wohl Chefcoach kann!

Ist Flick Weltstar genug?

Dummerweise – zumindest für Flick – liebt Vorstandsboss Rummenigge Trainer mit internationalem Renommee, die den Bayern Weltläufigkeit vermitteln, die Öffentlichkeit beeindrucken, und ihn selbst, im Falle des Scheiterns, aus dem Fokus nehmen, nach dem Motto: "Was kann ich schon dafür, der war schließlich weltberühmt". Aber können Pochettino und ten Hag tatsächlich so viel mehr als "unser" Hansi? Beide lassen guten Ballbesitzfußball spielen, sind stilistisch aber fast noch mehr darauf bedacht, aggressiv gegen den Ball zu arbeiten und mit hohem Tempo umzuschalten.

Rummenigge jedoch liebt den Ballbesitzfetisch eines Pep Guardiola mehr als das aggressive Umschaltspiel eines Jürgen Klopp, das sich spätestens mit dem letzten Jahr als erfolgversprechendster Stil im modernen Profifußball durchgesetzt hat. Wo genau sich Flicks System einordnen wird, gerade international, wird sich in Gänze erst in der K.o.-Runde der Champions League zeigen.

Vorausgesetzt: Hansi darf im Frühjahr 2020 noch auf der Bayernbank Platz nehmen.

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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