FC Bayern: Leon Goretzka emanzipiert sich: Der moderne Michael Ballack
Leon Goretzka wird beim FC Bayern München immer wichtiger. Den erfolgreichen Start in die Rückrunde prägte der 24-Jährige im Mittelfeld des Rekordmeisters federführend – zum Leidwesen von Philippe Coutinho. Der Brasilianer fand sich gegen den FC Schalke 04 zuletzt auf der Bank wieder, während Goretzka zum Mann des Spiels avancierte. Aktuell führt am "modernen Michael Ballack" kein Weg vorbei.
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Der hat gesessen.
Im Geheimtraining des FC Bayern am Mittwoch fing sich Leon Goretzka nach einer Auseinandersetzung mit Teamkollege Jérôme Boateng eine ein. Robert Lewandowski und Thomas Müller mussten schlichten. Vor allem Letzterer soll laut "Bild" dabei klar auf der Seite Boatengs gewesen sein – Alt gegen Jung sozusagen. Vergangenheit gegen Zukunft?
So dramatisch die Szene an der Säbener Straße auch anmutete, so schnell waren die Wogen wieder geglättet. Bereits am Nachmittag zeigten sich die Streithähne in den sozialen Medien versöhnt. Fußball ist Emotion, so die Conclusio – und die steckt in Goretzka zuhauf.
Dass der Ursprung des Streits Goretzkas rustikale Zweikampfführung im Trainingsspiel gewesen sein soll, sagt einiges. Der ehemalige Schalker will sein Revier markieren, ist selbstbewusst, will Führungsspieler werden.
Leon Goretzka: Perfekt fürs System Flick
Dass der 24-Jährigen riesiges Potential besitzt, ist hinlänglich bekannt. Trotzdem ist er in der Hierarchie des FC Bayern noch nicht dort angekommen, wo sich die gleichaltrigen Joshua Kimmich oder Niklas Süle befinden. Ein Grund dafür sind immer wiederkehrende Verletzungen, die den gebürtigen Bochumer in seiner ersten Saison (18/19) beim Rekordmeister regelmäßig ausbremsten.
Muskuläre Probleme im Oberschenkel und eine Sprunggelenksverletzung kosteten ihn auch in seiner zweiten Spielzeit mehr als die halbe Hinrunde (9 Spiele). In die Rückrunde startete Goretzka dann aber nach Maß.
Im 4-3-3-System von Trainer Hansi Flick ist er zumeist als Achter unterwegs – eine Position, die perfekt für ihn scheint. Gegen den FC Schalke (5:0) gab Goretzka dort dne offensiveren Part neben Thiago – Coutinho blieb nur die Bank. Zum Rückrundenauftakt bei Hertha BSC (4:0) war er Nebenmann von Kimmich auf der Doppelsechs. Auch da mit mehr Drive in Richtung Tor des Gegners.
Eine Eigenschaft, für die ihn sein Trainer Hansi Flick schätzt, wie er kurz vor der Winterpause auf einer Pressekonferenz verriet:
Goretzka verleiht den Bayern Stabilität
Aufgrund seiner Vielseitigkeit wird Goretzka oft mit dem ehemaligen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft Michael Ballack verglichen. Ein Vergleich, der nicht nur aufgrund der Statur (beide 1,89 Meter) auf der Hand liegt. "Ich kann die Vergleiche auch irgendwo nachvollziehen, weil sich der Spielstil ähnelt", gab Goretzka selber erst kürzlich nach dem Sieg gegen Schalke zu.
Goretzka ist Box-to-Box-Spieler – genau wie Ballack. Er ist kopfballstark, scheut keinen Zweikampf und dirigiert seine Nebenleute, wodurch er der Mannschaft Stabilität verleiht. Eigenschaften eines Kapitäns. Sein Fußball-IQ war schon in jungen Jahren extrem hoch – auch da ähneln sich Ballack und Goretzka.
"Er war ein herausragender Spieler, deswegen gibt es Schlimmeres, als mit ihm verglichen zu werden", stellt der 24-Jährige richtigerweise fest.
Coutinho der Leidtragende
Das Dreiermittelfeld Goretzka, Thiago und Kimmich überzeugte gegen Schalke und empfahl sich damit für zukünftige Aufgaben. Weil auf der offensiven Flügelposition auch Thomas Müller immer besser in Form kommt, könnte ausgerechnet Philippe Coutinho der Leidtragende sein.
Auch in der Rückrunde dürfte es schwer bis unmöglich für den Brasilianer bleiben, alternativloser Stammspieler zu werden. Das Niveau im Mittelfeld ist aktuell zu hoch, in vorderster Front bahnt sich auch die Rückkehr von Kingsley Coman an, der am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einstieg. Nimmt man den wiedererstarkten Müller hinzu, wirkt die Perspektive Coutinhos etwas unklar.
Die Mannschaft hat sich an den ersten zwei Rückrunden-Spieltagen jedenfalls gefunden und durch den Patzer von RB Leipzig in Frankfurt (0:2) ordentlich Selbstvertrauen für den Meisterkampf getankt.
"Natürlich spielst du einen anderen Fußball, wenn du selbstbewusst bist", hatte Goretzka nach dem Schalke-Spiel erklärt.
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