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Gladbach: Das heiße Fohlen-Projekt in der Bundesliga unter Trainer Rose
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Publiziert 06/08/2019 um 15:26 GMT+2 Uhr
Gladbach schnappte sich mit die interessanteste Trainerpersonalie in der Liga. Mit Marco Rose, der mit Red Bull Salzburg zweimal Meister wurde, wird der Neuanfang gestartet. Vielmehr noch: Der gebürtige Leipziger startet eine kleine Revolution am Niederrhein, indem er eine etablierte Mannschaft auf ein komplett neues System ansetzt. Mit Empathie und viel Einsatz scheint ihm das zu gelingen.
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Jonas Hofmann erobert den Ball, Pass zu Alassane Pléa, der sich gegen drei Chelsea-Spielern durchsetzt und den Doppelpass mit Hofmann spielt. Dieser tunnelt Chelsea-Torwart Kepa Azpilicueta und trifft souverän das Tor. Clever gedacht, schnell geschalten.
Die Borussia kam in der ersten Halbzeit im Testspiel gegen Chelsea daher wie James Bond, der seinen Gegner im Anzug mal schnell auf dem Motorrad über die Hochhausdächer jagt, um ihn in lässiger Eleganz mit geknebelten Armen und Beinen dem Geheimdienst zu präsentieren.
In ihrer effektiven Lässigkeit glich die Borussia in den ersten 45 Minuten dem coolsten aller Geheimagenten. Schnelles Umschaltspiel, hohe Laufbereitschaft - Marco Rose macht die "Fohlen" wieder attraktiv. Mit seiner empathischen Art und einem neuen System will er etwas Großes erschaffen.
Erfolgreiche Vorbereitung in Gladbach
Borussia Mönchengladbach verschenkte die 2:0-Führung durch Pléa (13.) und Hofmann (39.) noch und musste gegen den FC Chelsea ein Unentschieden hinnehmen (Tammy Abraham und Ross Barkley trafen in der 59. und 86. Minute jeweils per Elfmeter). Mit einem Unentschieden gegen den Europa-League-Sieger könnte Gladbachs neuer Trainer zufrieden sein.
"Wir müssen viel konstanter werden“, kritisierte Rose nach dem Spiel. "Mein Plan war eigentlich, dass wir am ersten Spieltag dastehen und das Pressing-Monster sind", sagte der 42-Jährige. Zumindest zu einem kleinen Ungeheuer hat Rose die "Fohlen" bereits geformt, wie die erfolgreichen Testspiele gegen Rayo Vallecano (2:1) und Basaksehir (5:1) zeigen.
Gladbach macht das Rennen um den Salzburg-Coach
Marco Rose war heiß begehrt. Schalke und Leipzig sollen unter anderem aus der Bundesliga interessiert gewesen sein. Kein Wunder. Mit Red Bull Salzburg gewann der gebürtige Leipziger zwei Mal die österreichische Meisterschaft.
Eberl, der schon viele Volltreffer aus dem Hut zauberte, sei in der Hinrunde vergangener Saison intensiver mit ihm ins Gespräch gekommen, verriet er im Interview mit Eurosport. "Da haben wir gemerkt, dass wir ähnlich ticken", erzählt er und beschreibt Rose als "Menschenfänger, der ganz offen mit den Menschen umgeht."
Rose ist ehrlich und offen - und ein Fan von harter Arbeit
Die Spieler schwärmen von Rose, Christoph Kramer im "Spiegel": "Mein Eindruck vom Trainer ist noch besser als der, den ich durch die Medien entwickelt hatte. Er hat eine sehr geile und klare Ansprache, ist sehr umgänglich, fair und ehrlich in der Kommunikation."
Die sympathische Art des Trainers soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rose ein Fan von intensivem Training ist. Die Einheiten im Trainingslager in Rottach-Egern dauerten oft mehr als zwei Stunden, Rose ließ seine "Fohlen" 14 Tage am Stück trainieren.
Bislang schafft es der neue Chefcoach, Harmonie und harte Arbeit gut in Einklang zu bringen. "Man merkt in jeder Einheit, dass ein Plan dahinter steckt. Deshalb macht die harte Arbeit sogar Spaß", sagte Mittelfeldmann Patrick Herrmann.
Gladbachs neue Wahrheit ist die Raute
Als hart kann man die Arbeit im Training tatsächlich bezeichnen, denn der neue Trainer will ein neues System etablieren. Seine bevorzugte Aufstellung ist ein 4-4-2 oder ein 4-3-1-2 - mit einer Mittelfeldraute und zwei Stürmern. Bei Bedarf stellt Rose sein Team um. Bei Salzburg entstand oft ein 4-3-3 mit zwei Außenstürmern, wie es auch Hecking praktizierte.
Rose will variabel aufgestellt sein. Für ein schnelles Umschaltspiel ist frühes Pressing, ein cleveres Positionsspiel und viel läuferischer Aufwand notwendig. "Ich bin weder ein klassischer Ballbesitztrainer noch ein Trainer, der nur Haudrauf und Pressing forciert. Ich würde es gerne relativ komplett haben", erklärte Rose seine Spielphilosophie im "ZDF". So soll aus Gladbach nicht nur ein "Pressingmonster" entstehen, von dem er nach dem Chelsea-Spiel sprach, sondern ein Monster, das alles kann.
Für die Mannschaft, die sich gegenüber vergangener Saison nur leicht veränderte, eine Umstellung. Hecking ließ routiniert im 4-3-3 spielen - und war lange erfolgreich. Nun der Dreh auf links. Noch ist unklar, mit welcher Startelf Rose spielen wird.
Etablierte Spieler in neuer Mission
Thorgan Hazard verließ den Klub in Richtung Dortmund (für 25 Millionen Euro), Josip Drmic ging ablösefrei zu Norwich City. Im Gegenzug kamen mit Marcus Thuram, Sohn des französischen Weltmeisters Lilian Thuram für neun Millionen Euro von Guingamp und Breel Embolo für zehn Millionen von Schalke 04 zwei Offensivspieler.
Teuerster Einkauf war Verteidiger Stefan Lainer. Der 26-Jährige begleitete seinen Trainer von Salzburg an den Niederrhein, Gladbach überwies zwölf Millionen Euro. Die bestehende Mannschaft muss sich mit dem neuen System anfreunden. Ibrahima Traoré etwa fungierte bisher als Außenstürmer. Wohin Rose ihn nun steckt, ist fraglich. Denn eigentlich ist kein Platz mehr für ihn.
Zeit, um die Fragen zu klären, hat der Monstermacher-Coach. "Der Trainer ist kein Magier. Es kann schnell gehen, bis alle Rädchen greifen, vielleicht dauert es aber auch länger. Es wäre schön, wenn die Fans bereit sind und Bock darauf haben, diesen spannenden Prozess zu begleiten", sagte Eberl.
Im Testspiel gegen Chelsea sahen die Fans für 45 Minuten das Pressingmonster. Und Rose ist auf einem guten Weg, ein Monster zu erschaffen, das laufen, pressen und clever umschalten kann.
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