Hertha BSC: Jürgen Klinsmann tritt als Trainer zurück

Jürgen Klinsmann hat nach nur 76 Tagen und zehn Spielen an der Seitenlinie überraschend sein Amt als Trainer bei Hertha BSC zur Verfügung gestellt. Nach "langer Überlegung" sei er zu der Überzeugung gekommen, von seinem Amt beim Bundesliga-14. aus Berlin zurückzutreten. Dies teilte er auf seinem Facebook-Account mit. Die Hertha reagierte überrumpelt.

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Wie aus seinem Statement herauszulesen ist, habe Klinsmann nicht mehr das "Vertrauen der handelnden Personen" gespürt.
"Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente", so Klinsmann:

Jürgen Klinsmann überrascht Hertha BSC

Interimsnachfolger wird der bisherige Klinsmann-Assistent Alexander Nouri. "Wir sind von dieser Entwicklung am Morgen überrascht worden. Insbesondere nach der vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der für Hertha BSC intensiven Wintertransferperiode gab es dafür keinerlei Anzeichen. Über die weiteren Entwicklungen werden wir zu gegebener Zeit informieren", sagte Manager Michael Preetz in einer Erklärung von Hertha BSC.
Klinsmann hatte das Amt erst Ende November von Ante Covic übernommen, nachdem dieser mit dem Klub in den Tabellenkeller gerutscht war. In neun Bundesliga-Spielen holte der frühere Welt- und Europameister zwölf Zähler. Im DFB-Pokal unterlagen die Berliner im Achtelfinale in der vergangenen Woche bei Schalke 04 mit 2:3 nach Verlängerung.

Klinsmann will Aufsichtsratsmitglied bleiben

Dem Projekt Hertha BSC will der 55-Jährige aber weiter erhalten bleiben und sich wieder auf seine "ursprüngliche langfristig angelegte Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied" konzentrieren, schrieb Klinsmann.
Vor seinem Engagement in Berlin war er vom 29. Juli 2011 bis 21. November 2016 als Nationaltrainer der USA tätig gewesen. Hertha war von ihm immer wieder als "Big City Club" bezeichnet worden, er wollte langfristig die Alte Dame in die Champions League führen.
Im Januar hatte er in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" und "Welt am Sonntag" seine Planungen erklärt: "Erster Schritt: Weg vom Tabellenkeller, durchatmen. Zweiter Schritt: Nächste Saison die Europa League erreichen. Dritter Schritt: In drei bis fünf Jahren um die Meisterschaft mitspielen und in die Champions League kommen."
Er wisse, "dass bei dieser Planung schnell das Wort 'Größenwahn' fällt. Aber mit Größenwahn hat das mal gar nichts zu tun". Am 11. Februar war die Trainer-Ära von Klinsmann an der Spree bereits beendet.
"Die Anhänger, die Spieler und die Mitarbeiter sind mir in dieser Zeit natürlich ans Herz gewachsen und deshalb werde ich weiter mit der Hertha fiebern. Ich freue mich weiterhin auf viele Begegnungen in der Stadt oder im Stadion", betonte Klinsmann bei Facebook.

Klinsmanns Rücktrittserklärung im Wortlaut

Liebe Herthaner,
auf diesem Wege sage ich ein ganz herzliches Dankeschön an alle Spieler, Fans, Zuschauer, Betreuer und Mitarbeiter von Hertha BSC für die Unterstützung, die vielen Begegnungen und den Austausch in den vergangenen zehn Wochen. Diese Zeit war für mich überaus spannend und brachte viele interessante neue Einblicke. Der Klub und die Stadt sind mir noch stärker ans Herz gewachsen.
Ende November haben wir mit einem hochkompetenten Team dem Wunsch der Vereinsführung entsprochen und ihr in einer schwierigen Zeit geholfen. Wir waren in der relativ kurzen Zeit auf einem sehr guten Weg, haben auch dank der Unterstützung vieler Menschen trotz meist schwieriger Spiele inzwischen sechs Punkte Abstand zum Relegationsplatz. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Hertha das Ziel – den Klassenverbleib - schaffen wird.
Als Cheftrainer benötige ich allerdings für diese Aufgabe, die noch nicht erledigt ist, auch das Vertrauen der handelnden Personen. Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente. Sind die nicht garantiert, kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen und kann meiner Verantwortung somit auch nicht gerecht werden.
Deshalb bin ich nach langer Überlegung zum Schluss gekommen, mein Amt als Cheftrainer der Hertha zur Verfügung zu stellen und mich wieder auf meine ursprüngliche langfristig angelegte Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückzuziehen. Die Anhänger, die Spieler und die Mitarbeiter sind mir in dieser Zeit natürlich ans Herz gewachsen und deshalb werde ich weiter mit der Hertha fiebern. Ich freue mich weiterhin auf viele Begegnungen in der Stadt oder im Stadion.
HaHoHe
Euer Jürgen
(mit SID)
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