Keine Kohle mehr beim FC Schalke 04: Bosse kündigen drastische Schritte an
Publiziert 06/07/2020 um 17:55 GMT+2 Uhr
Der FC Schalke 04 steht vor einer neuen Ära. Finanziell sind die "Knappen" kaputt, weil sie jahrelang über den Verhältnissen lebten. Champions League und Meisterschaft? Weit weg. Die Verantwortlichen kündigen eine radikale Kursänderung an. "Ich kann nicht ständig im Traumland leben", sagt Sportvorstand Jochen Schneider. Ein Konzept für die Zukunft hat er bereits im Kopf. So könnte es aussehen.
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Die Region lebt Fußball mit jeder Pore. Der FC Schalke 04 ist für viele Fans das Größte. Zu gerne hätten sie in den vergangenen Jahren einen großen Titel gefeiert, große Töne wurden schließlich viele gespuckt und vermeintlich große Namen verpflichtet. Spätestens nach dieser Saison ist aber nur eines groß: Die Enttäuschung.
In der Zukunft ist das Träumen ausdrücklich nicht mehr gestattet. "Ich kann nicht ständig im Traumland leben, so funktioniert das Geschäft nicht", weiß nicht nur Sportvorstand Jochen Schneider, der jetzt die Verantwortung dafür trägt, dass der Verein nicht zu weit abstürzt.
Am Sonntag im "Doppelpass" erläuterte er erstmals, wie er sein Konzept aufsetzen möchte. Der Kern des Ganzen: Mehr Geld einnehmen als ausgeben. Das ist auf Schalke bereits ein radikaler Schritt, denn somit sind in erster Linie größere Investitionen auf dem Transfermarkt nicht möglich.
Schalke leistet sich keine Top-Spieler mehr
"Wir müssen sportlich und wirtschaftlich in ruhigere Gewässer kommen. Die gestandenen Topspieler werden wir uns in den nächsten Jahren nicht leisten können", sagt Schneider.
Generell wolle er bei den Königsblauen nicht noch "weiter in Verschuldung gehen, um neue Spieler zu kaufen", so Schneider weiter. Sportlich hält er die aktuelle Mannschaft trotz der jüngsten Negativserie von 16 Spielen in Folge ohne Sieg auch ohne neue Topspieler für wettbewerbsfähig. Angst, in den Abstiegskampf zu rutschen, hat der ehemalige Leipziger nicht: "Ich hoffe es nicht und bin davon überzeugt, dass es nicht so kommen wird."
Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen gehe es nun darum, "langfristig die richtigen Strukturen" zu schaffen. Dies müsse nicht zwingend mit der von Clemens Tönnies (Ex-Aufsichtsratsboss, d. Red.) forcierten und von Teilen der Fans verhassten Ausgliederung einhergehen, so Schneider. "Wir werden in der Lage sein, etwas zu konzipieren, was zu Schalke 04 passt. Vielleicht sind wir nicht so doof, wie wir aussehen und lassen uns etwas einfallen, was die Volksseele von Schalke trifft", sagte der gelernte Bankkaufmann kämpferisch.
Veränderungen seien zur Sicherung der Zukunft von Schalke 04 aber unabdingbar. "Ich kann doch nicht ewig immer so weitermachen, wenn sich der Wettbewerb und die Rahmenbedingungen ändern und neue Vereine als Konkurrenz hinzukommen, die es so vor fünf Jahren in dieser Form noch nicht gab", sagte Schneider.
Gehaltsobergrenze wird wohl kommen
Ein Thema ist dabei eine Gehaltsobergrenze für Neuverpflichtungen, die bei einem Jahresverdienst von 2,5 Millionen Euro Grundgehalt pro Spieler liegen soll. Zur Einordnung: Damit läge Schalke immer noch im oberen Drittel. Spieler mit teuren Verträgen - wie etwa Ralf Fährmann, Mark Uth, Nabil Bentaleb und Sebastian Rudy - wäre Schalke sicher bereit, ziehen zu lassen.
Ein großes Pfund, mit dem Schalke nun mehr denn je wuchern muss, ist der hervorragend geführte Nachwuchsbereich. Allein die "Knappenschmiede" unter der Leitung von Norbert Elgert gibt Hoffnung in Gelsenkirchen. Sie ist ein steter Quell neuer Stars und wird es auch in Zukunft sein müssen.
"Der FC Schalke hätte in der Zwischenzeit wahrscheinlich deutscher Meister werden können, wenn sie viele Spieler, die sie in ihrer Nachwuchsabteilung erstklassig ausgebildet haben, hätten halten können", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge bei "Sport1" und sprach damit das aus, was sich viele denken. Rummenigge lobte die Ausbildungsarbeit der "Königsblauen" in höchsten Tönen: "Der Fundus ihrer Nachwuchsarbeit ist einer der besten in ganz Deutschland. Fakt ist: Sie haben immer wieder sehr hoffnungsvolle Spieler verkauft, wie etwa Leroy Sané 2016 zu Manchester City, um ihren Finanzbedarf zu decken."
Knappenschmiede muss liefern
Außerdem verließen hochveranlagte Spieler wie Manuel Neuer, Leon Goretzka, Thilo Kehrer und Alexander Nübel die Schalker. Neuer, Goretzka, Sané und Nübel stehen in der kommenden Saison bekanntlich bei den Bayern unter Vertrag.
Während der Meister also von Schalkes Jugendarbeit profitiert, werden die S04-Verantwortlichen eine anspruchsvolle Aufgabe managen müssen. Die nächsten Jahre werden geprägt sein von ehrlicher Arbeit, Maloche.
Eventuell können sich die Fans damit auch besser identifizieren.
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