Kommentar | FC Bayern: Smarter Move mit Hansi Flick

Der FC Bayern München hat Hansi Flick wie erwartet zum Cheftrainer bis Sommer ernannt. Unter ihm fand die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zurück, wirkt fokussiert und hungrig. Die Entscheidung, Flick weiter zu vertrauen, was durchaus als smarter Move zu bezeichnen ist, gibt dem Verein nun vor allem eines: Wertvolle Zeit. Und Ruhe, sich über ein paar elementare Dinge klar zu werden.

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Die Spieler schwärmen von ihm, die Ergebnisse stimmen wieder, der FC Bayern München hat gute Perspektiven in allen drei Wettbewerben. Oft ist der Fußball eine Momentaufnahme. Und der Moment ist sehr gut. Warum sollte der Vorstand also momentan eine andere Option in Erwägung ziehen, als Hansi Flick weiter das Vertrauen als Cheftrainer zu schenken?
Deshalb war die sicher schon am Vortag fertig gestellte E-Mail, die am Sonntag um Punkt 12:00 Uhr im Posteingang aller Sport-Redaktionen landete, keine Überraschung mehr, sondern logisch. "Hansi Flick bleibt Cheftrainer bis zum Ende der Saison", hieß es da.
Der FCB befindet sich im Umbruch. Mit Herbert Hainer gibt es einen neuen Präsidenten, in Kürze mit Oliver Kahn einen neuen Vorstand. Alle bringen Vorstellungen, Ideen und Konzepte mit ein. Die wollen gehört, besprochen und bei Gefallen angeschoben werden. Das braucht Zeit und Ruhe.

Flick strahlt Ruhe aus

Es ist ein Glücksfall für den Verein, dass Flick genau diese ausstrahlt. Er ist wahrlich kein Lautsprecher, sondern findet vielmehr oft den richtigen Ton. Wie er die Jugend einbindet, wie begeistert gestandene Spieler - wie beispielsweise Jérôme Boateng - von seiner Art der Kommunikation sprechen, wie die Spieler wieder bereit sind, für den von Flick vorgebeben Spielstil zu kämpfen... All das hat seine Vorgesetzten vollends überzeugt. Für den Moment.
Auch dass Flick von ihnen (noch) keine Zusage über den Sommer hinaus bekommen hat, ist nur legitim. Dass es jetzt schon heißt, Flick sei "ausdrücklich eine gut vorstellbare Option" zeugt bereits von höchster Wertschätzung. Flick muss schließlich erst noch beweisen, wie er in der "Crunch-Time" der Saison im März/April, wenn die wirklich wichtigen Spiele in Bundesliga, Pokal und Champions League anstehen, mit dem Druck als Mann in der ersten Reihe umgehen kann - und ob er das überhaupt auch dauerhaft will.

Vorteil gegenüber ten Hag

Läuft es ideal, wachsen Mannschaft und Trainer weiter zusammen, gewinnen einen oder zwei Titel und nehmen den Schwung gleich mit in die Zukunft. Das Team wird unter anderem mit Leroy Sané und Kai Havertz, zwei ebenfalls noch jungen Spielern ergänzt, und greift voll an. Flick wäre als Coach, der die Mannschaft dann sehr gut kennt und seine Transfer-Wünsche einbringen kann, auch im Vorteil im Vergleich zu einem Erik ten Hag (Ajax Amsterdam), der komplett neu starten würde oder einem Thomas Tuchel (Paris Saint-Germain), der sich in der Vergangenheit in der Bundesliga nicht unbedingt durch gelungene Kommunikation mit seinen Vorgesetzten ausgezeichnet hat.
Klar ist grundsätzlich, dass der FC Bayern sich mit den neuen Kräften in der sportlichen Leitung neu ausrichten will und wird. Eine übergreifende Strategie muss her, ein Plan, wie die Lücke zu den europäischen Top-Klubs wieder ein Stück kleiner wird, mit einem dazu passenden, variablen Spielsystem.
Sollte Flick sich nicht als der geeignete Mann dafür erweisen, so gibt er den Verantwortlichen trotzdem den nötigen zeitlichen Rahmen, richtige und weitreichende Entscheidungen zu treffen.
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