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Eigentor Hoeneß: Der Bayern-Präsident hat sein Gespür verloren

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Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

VonFlorian Bogner
19/09/2019 Am 16:43 | Update 19/09/2019 Am 16:48
@flopumuc

Uli Hoeneß will sich auf die Seite seines Torwarts Manuel Neuer stellen, schießt verbal aber meilenweit übers Ziel hinaus. Mit seinen Aussagen verdeutlicht der Präsident des FC Bayern München, dass er sein Gespür für die Situation verloren hat und es wohl wirklich an der rechten Zeit ist, seinen Hut zu nehmen.

Ein Kommentar von Florian Bogner

Das Interview hätte ganz einfach anfangen und danach vermutlich schnell wieder enden können.

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Auf die etwas schiefe Feststellung des ihn fragenden Journalisten, Manuel Neuer habe "in den letzten Tagen viel aushalten müssen von seiner Konkurrenz aus Barcelona, Marc-André ter Stegen", hätte Hoeneß antworten können, dass es da gar nichts "auszuhalten" gäbe, ter Stegen nur seine persönliche Meinung geäußert habe, die Bayern aber eine explizit andere hätten - und am Ende sowieso der Bundestrainer entscheide. Was er ohnehin zuletzt immer zugunsten Neuers getan hatte.

Hoeneß sorgt für Kopfschütteln

Doch Hoeneß hatte andere Pläne. In einer selbst für ihn beispiellosen Sequenz schoss der Präsident des FC Bayern München am Mittwochabend deutlich über sein eigentlich redliches Ziel, Neuer zu unterstützen, hinaus, und machte damit einmal mehr deutlich, dass es wirklich ein guter Zeitpunkt ist, im November das Zepter beim größten Klub des Landes abzugeben. "Hoeneßke" Worttiraden wie die am späten Mittwochabend in der Allianz Arena waren zur Zeit des Kalten Krieges mit Christoph Daum Ende der 80er en Vogue, heute sind sie vereinsschädigend.

Denn wo Hoeneß früher gerne antizyklisch besonderes Gespür für die Situation, für die Schwachen und (möglicherweise) zu Unrecht Beschuldigten bewies, sorgte er mit seinen Aussagen erneut (Stichwort: "Huan Bernat") für Kopfschütteln.

Hoeneß tritt in alle Richtungen aus

Statt seinen Keeper in einer berechtigt geführten Debatte, wer denn der bessere ist, verbal zu verteidigen, trat Hoeneß gleich in mehrere Richtungen aus: In die der "westdeutschen Presse", die sich seiner Meinung nach zu anbiedernd auf die Seite ter Stegens geschlagen habe. In die von ter Stegen, dem er, warum auch immer, den Anspruch (!) an der Nummer eins im deutschen Tor absprach. In die von Bundestrainer Joachim Löw, dem er quasi auftrug, Neuer solange ins DFB-Tor zu stellen, bis dieser nicht mehr laufen könne.

In die von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke, dem er damit indirekt absprach, die Leistungen der Torhüter richtig einschätzen zu können. Und nicht zuletzt in die des DFB ganz allgemein, den er tadelte, er hätte ter Stegen für dessen Aussagen ja wohl bitte schön sanktionieren müssen. Und überhaupt laufe da wohl weiter - Stichworte: Hummels, Müller, Boateng - so eine Art Kampagne gegen die Bayern.

Dass Hoeneß obendrein die "süddeutsche Presse" ernsthaft dafür rügte, sich nicht hinter Neuer zu stellen, ließ erst recht tief blicken und erschreckt feststellen, wie weit es mit Hoeneß‘ Verständnis für die Rolle der Medien in Deutschland gekommen ist.

Der "Witz" war am Ende so nicht ter Stegens Umgang mit Konkurrent Neuer, wie der Bayern-Präsident behauptete, sondern Hoeneß' Interview selbst.

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