Leroy Sané: Wie der FC Bayern jetzt die Ablösesumme drückt

Leroy Sané und der FC Bayern München - wird der Transfer jetzt eingetütet? Beide Parteien haben sich allem Anschein nach angenährt, jetzt geht es nur noch ums liebe Geld. In Sachen Ablöse hat Bayern gegenüber Manchester City allerdings zahlreiche Argumente, um die Summe nach unten zu drücken. Von den Sané-Verhandlungen könnte indes mit Jérôme Boateng noch ein weiterer Bayern-Spieler profitieren.

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Der FC Bayern und Leroy Sané - findet die schon ein Jahr andauernde Transfer-Saga mitten in der Corona-Zeit ihr Ende? Einem Bericht der "Sport Bild" vom Mittwoch zufolge haben sich zumindest Verein und Spieler deutlich angenähert.
Bringen Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Vorstandsmitglied Oliver Kahn den Deal nun endgültig unter Dach und Fach, dürfen sie das als großen Sieg verbuchen - zumal Sané günstiger denn je zu haben sein könnte. Es gibt allerdings noch ein paar Steine aus dem Weg zu räumen.
Ein Überblick über die wichtigsten Fragen rund um den Sané-Deal.

Wie weit ist der FC Bayern mit Leroy Sané?

Überraschung am Mittwoch: Laut "Sport Bild" sind sich Verein und Spieler grundsätzlich einig. Wie in der Blockbuster-Kategorie üblich, soll Sané demnach einen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten - so kann Bayern die Ablöse maximal lang abschreiben.
Der 24 Jahre alte Nationalspieler wird aller Voraussicht nach in die Top-Verdiener-Riege um Robert Lewandowski (geschätztes Jahresgehalt um die 18 Millionen Euro) aufsteigen, wenn nicht sogar Bestverdiener bei Bayern werden.
Bei Man City, so legen es Berichte im Zuge der "Football Leaks"-Enthüllungen nahe, soll Sané zwischen 2016 und 2019 garantierte 28 Millionen Euro, also 9,3 Millionen pro Spielzeit verdient haben.
Für Sané wäre das also ein gewaltiger Gehaltssprung - allein das lässt erahnen, wieso sich der Flügelflitzer von Manchester City bereits klar auf den FC Bayern München festgelegt haben soll.
Fahrt nahm die Beziehung zwischen Bayern und Sané übrigens erst wieder durch dessen Berater-Wechsel Anfang des Jahres von "DB Ventures Limited" zur Firma "LIAN Sports" auf - der übrigens noch nicht offiziell kommuniziert wurde.
Wie deutlich Sanés Interesse an einem Transfer zum deutschen Rekordmeister mittlerweile ist, machte dessen neuer Berater Damir Smoljan im April klar.
"Der FC Bayern ist der einzige Klub in Deutschland, den sich Leroy als nächsten Karriere-Schritt vorstellen kann. Dort sieht er die Voraussetzungen, um sein großes Ziel, die Champions League zu gewinnen, erreichen können", sagte Smoljan da der "Sport Bild" - ein eindeutiges Signal an den FC Bayern, die Gespräche mit der Sané-Seite wieder aufzunehmen.
Dass sich der designierte Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic Ende April im Interview mit der "Welt am Sonntag" soweit aus dem Fenster lehnte, trotz der Corona-Krise "ein Top-Talent aus Europa und einen internationalen Star" als klares Transferziel für den Sommer zu nennen, darf man nun getrost als Indiz dafür werten, dass Gespräche mit Sané aufgenommen und in die richtige Richtung gelenkt wurden.
"Für den FC Bayern und die Bundesliga wäre er ein absolutes Highlight, sowohl menschlich als auch spielerisch", legte Smoljan am Mittwoch via "Sport 1" nach. Er könne "versichern, dass Leroy nach seiner Verletzung topfit zurückkommen wird. Er ist mental und körperlich bereit für allerhöchste Aufgaben."
Laut "Sport Bild" vertraut Bayern mittlerweile "LIAN Sports", so dass Bayerns präferierter Transfervermittler Giovanni Branchini nicht mehr in die Gespräche eingebunden sein soll. Weitere offizielle Aussagen gibt es zur Causa Sané derweil keine und das auch aus gutem Grund: Laut FIFA-Regularien dürfen die Bayern gar nicht offiziell mit Sané verhandeln, solange Manchester City nicht sein Einverständnis dazu gibt - auch wenn die Praxis oft eine andere ist.

Wie weit ist der FC Bayern mit Manchester City?

Der "Sport Bild"-Bericht vom Mittwoch legt nahe, dass sich beide Vereine noch nicht in konkreteren Verhandlungen über Leroy Sané befinden - wohl aber, in welche Richtungen Bayerns Argumente bezüglich einer Ablöse gehen. Fakt ist nämlich: Die im Sommer 2019 für Sané angeblich veranschlagten 100-150 Millionen Euro sind gleich aus drei konkreten Gründen nicht mehr realistisch.
Erstens durch die Kreuzbandverletzung des 24-Jährigen, der deshalb seit über neun Monaten kein Pflichtspiel mehr für die Profi-Mannschaft absolviert hat - das drückt den Marktwert.
Zweitens durch die nun deutlich kürzere Restlaufzeit des Sané-Vertrags bei den Citizens. Waren 2019 noch zwei Jahre übrig, ist es im Sommer 2020 nur noch ein Jahr Vertragslaufzeit - 2021 könnte Sané sogar ablösefrei wechseln.
Drittens trägt freilich auch die Coronakrise und die dadurch bedingt sinkenden Einnahmen der Klubs dazu bei, dass Spieler europaweit nicht mehr zu Spitzentransfersummen verkauft werden können.
Weitere Bayern-Trümpfe: Sané soll alle Versuche der Citizens, ihn zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen, abgelehnt haben. Durch die von der UEFA auferlegte zweijährige Europacup-Sperre ist Manchester City zudem kein allzu attraktiver Arbeitgeber für die absoluten Top-Stars mehr.
Für Man City geht es nun auch um Schadensbegrenzung - der Klub muss Ablösen generieren, um die Financial-Fairplay-Richtlinien künftig einzuhalten. Das bringt die Verantwortlichen in Zugzwang.
Laut des "Sport Bild"-Berichts vom Mittwoch peilt Bayern bei Sané deshalb eine Ablöse von nur noch 40 Millionen Euro an.
In diese Richtung stieß neulich auch Michael Rummenigge, selbst Spielerberater. In seiner "Sportbuzzer"-Kolumne bezifferte der Bruder des Bayern-Bosses Karl-Heinz Rummenigge eine realistische Sané-Ablöse mit "30 bis 50 Millionen Euro".
Laut des Berichts wäre Bayern nötigenfalls aber auch zu einer Ablöse "mit einer 5 vorne", also bis zu 59 Millionen Euro, zufrieden. Für die Citizens hätte das den Vorteil, dass sie Sané nicht für weniger gehen lassen müssten, als sie 2016 mit dem FC Schalke 04 als Ablöse vereinbart hatten (50 Mio.) - man würde das Gesicht wahren.

Wer ist noch vom Sané-Deal abhängig?

Neben Sané spielt bei Bayern gerade noch eine Personalie mit Bezug zur Berateragentur "LIAN Sports" eine Rolle: Jérôme Boateng. Der 31 Jahre alte Innenverteidiger wird seit seinem Beraterwechsel im Oktober 2019 bei LIAN sogar ebenfalls von Damir Smoljan betreut - was einen Zusammenhang beider Personalien nahelegt.
Dass die "Sport Bild" dem FC Bayern München am Mittwoch fünf aufeinanderfolgende Seiten - drei der Transfer-Causa Leroy Sané, zwei Jérôme Boateng - widmete, ist definitiv kein Zufall. Boateng, dem man bayernseits 2019 schon die Tür gewiesen, für den man jedoch keine passenden Angebote erhalten hatte, schlägt dabei versöhnliche Töne an.
Ein Boateng-Wechsel in diesem Sommer ist damit allerdings längst nicht vom Tisch. In Wahrheit kann sich der Spieler einen Transfer weiter vorstellen, schließlich peilt er mit 31 Jahren den letzten großen Vertrag seiner Karriere an - und die Uhr tickt.
Heißt auch: Findet er für den Sommer einen passenden Arbeitgeber, der ihm ein lukratives Gehalt wie eine entsprechende sportliche Perspektive inklusive Champions-League-Teilnahme bieten kann, wird ihm Bayern aller Voraussicht nach keine Steine (mehr) in den Weg legen, sich nötigenfalls auch mit einer geringen Ablöse zufrieden geben - wenn zeitgleich der Sané-Transfer über die Bühne geht.
Klar ist zudem: Solange Niklas Süle nach dessen Kreuzbandriss nicht wieder vollends hergestellt ist und Benjamin Pavard als Rechtsverteidiger gebraucht wird, hat Boateng als rechter Innenverteidiger die Pole Position inne und kann sich mit starken Auftritten - wie zuletzt in der Champions League beim FC Chelsea (3:0) - für neue Arbeitgeber empfehlen, sollte die Saison wieder aufgenommen werden.

Welche Auswirkungen hat Sané auf weitere Bayern-Transfers?

Salihamidzics Aussagen vor kurzem legten nahe, dass Bayern sich auf zwei Sommer-Transfers fokussiert - Sané wird dabei als der anvisierte "internationalen Star" gesehen.
Priorität soll neben der Operation Sané nun nur noch die Verpflichtung eines Rechtsverteidigers haben. Hier braucht es eine Alternative zu Benjamin Pavard, der sich eher als Innenverteidiger sieht, und Joshua Kimmich, der nun fix im Mittelfeld spielt.
Leihspieler Álvaro Odriozola, für den es keine Kaufoption gibt, wird bekanntlich zu Real Madrid zurückkehren. Als verheißungsvollster Kandidat gilt hier weiter Sergiño Dest von Ajax Amsterdam - Stichwort: "Top-Talent aus Europa".
Laut der "Sport Bild" werden nach der Absage an Timo Werner deshalb auch Transferbemühungen um Kai Havertz (Bayer Leverkusen, soll dann 2021 angegangen werden) und Dayot Upamecano (RB Leipzig, möglicher Boateng-Nachfolger 2021) fürs Erste zurückgestellt.
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