Lucas Hernández: Warum er bei Bayern jetzt beißen muss
Lucas Hernández hatte sich seine erste Saison beim FC Bayern München anders vorgestellt, leichtgängiger. Stattdessen haben dem 80-Millionen-Euro-Neuzugang ein Innenbandriss, die Corona-Pandemie sowie unerwartete Konkurrenz im Team einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun sind Kämpfer-Qualiltäten gefragt - und über die verfügt der 24-Jährige eigentlich in großem Maße.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Lucas Hernández war von Anfang an klar, dass dieses monströse Preisschild von 80 Millionen Euro lange an ihm kleben bleiben wird.
"Der Verein soll eines Tages stolz darauf sein, dass sie dieses Geld für mich ausgegeben haben", hatte der Franzose schon im vergangenen Oktober bei "Spox.com" klargestellt, dass er es als Herausforderung betrachtet, der bislang teuerste Spieler der Münchner Vereinsgeschichte zu sein.
Es ist nur so, dass Hernández bislang relativ wenige Chancen bekam, den Klub stolz zu machen. Ein Umstand, der in den Fachkreisen seiner Heimat für Verwunderung sorgt. "Es erstaunt uns schon sehr, dass er nicht so häufig spielt", sagt etwa Fußball-Experte Cyril Morin von Eurosport.fr in Paris.
"Natürlich fiel er aufgrund seiner Sprunggelenksverletzung lange aus, aber er galt zuvor als einer der besten Innenverteidiger der Welt", so Morin weiter. "Nach seiner überragenden Weltmeisterschaft 2018, als er der Mannschaft Selbstvertrauen und Stärke gab, war klar, dass er auch bei einem größeren Verein als Atlético Madrid eine Leaderrolle spielen kann."
Flick macht Hernández nicht gerade Mut
Einzig: Hansi Flick sieht das (noch) nicht so. Obwohl Hernández schon im Februar beim 0:0 gegen RB Leipzig sein Comeback gefeiert hatte, ließ ihn der Bayern-Trainer beim Bundesliga-Restart nach der Corona-Pause gegen Union Berlin 90 Minuten auf der Bank sitzen.
Die Erklärung ließ tief blicken: Er habe seine Aufstellung so gewählt, weil das Team "eine gewisse Stabilität gebraucht" habe. Die, so darf man interpretieren, bringt Hernández derzeit aus Sicht von Flick noch nicht mit. Der 24-Jährige hat zudem das Problem, dass die Bayern in der Defensive eine höchst komfortable Personalsituation haben.
In der Innenverteidigung baut Flick im Saisonendspurt auf David Alaba und Jérôme Boateng - und auch Hernández' zweite Position als Linksverteidiger ist im Moment mit dem famosen Alphonso Davies besetzt. Ein Vorbeikommen ist schwierig, denn das Trio macht sich mit hervorragenden Leistungen fast unangreifbar. Das gilt vor allem für Alaba und Davies, die wie Hernández Linksfüße sind und damit in direkter Konkurrenz mit dem Franzosen stehen.
Ganz zu schweigen vom eigentlichen Abwehrchef Niklas Süle, der nach seinem Kreuzbandriss emsig am Comeback arbeitet und ebenfalls um einen Stammplatz kämpft. Damit sind die Optionen noch nicht einmal erschöpft, da auch Benjamin Pavard sowie Javi Martínez als Innenverteidiger auflaufen können und das in dieser Saison bereits mehrfach getan haben.
"Hernández ist nicht der Typ, der aufgibt"
Dürfte Hernández wählen, auf welcher Position seine Zukunft beim deutschen Rekordmeister liegt, würde er wohl den Linksverteidiger geben. Aus gutem Grund.
"In der französischen Nationalmannschaft hat er auf links beeindruckt. Hernández ist ein Löwe auf dem Feld - aber er braucht seinen Platz, um sich zu entfalten. Den hat er nur auf der Außenposition, als Innenverteidiger könnte er seine Stärken nicht in dem Maße ausspielen", erklärt Morin.
Im Prinzip war es auch so geplant. Womit Hernández aber nicht rechnen konnte, war die Leistungsexplosion von Davies. Der 19-Jährige ist die Bayern-Entdeckung der Saison und macht seine Sache so gut, dass der etatmäßige Linksverteidiger Alaba inzwischen im Zentrum den Abwehrchef spielt. Hernández schaut derweil in die Röhre.
Passend dazu tauchen seit Wochen Gerüchte auf, wonach der Rekordmann schon wieder kurz davor stünde, die Koffer zu packen. Real Madrid und Newcastle United sollen Interesse haben, der Franzose generell nicht abgeneigt sein.
Belastbar sind diese Informationen freilich nicht und auch Morin kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Hernández in der kommenden Spielzeit nicht mehr das rote Trikot trägt: "Er ist nicht der Typ, der aufgibt. Vielmehr wird er zeigen wollen, dass Flick danebenliegt. Hernández ist ein Gladiator, ein echter Kämpfer. Darüber hinaus wird wahrscheinlich auch der junge Davies irgendwann eine schwächere Phase haben, und dann ist alles wieder offen."
Hernández' Vertrag an der Säbener Straße läuft noch bis 30. Juni 2024. Viel Zeit also, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. "Ich bin hier, um Titel zu gewinnen. Es ist eine Verbesserung, wenn man zu Bayern geht. Ich wollte einen Schritt nach vorne machen", erläuterte der Franzose einst, warum es ihn zum FC Bayern zog - und ergänzte: "Ich wollte mich etwas unter Druck setzen." Das ist ihm gelungen.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Nagelsmann wettert gegen "beschissenen" Spielplan und "Schülermannschaft"
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/22/image-98b602cb-ae46-4c06-8857-c6197f655aaf-68-310-310.jpeg)