Oliver Kahn beim FC Bayern München: Warum sein erster Auftritt ein Fingerzeig war
Publiziert 07/01/2020 um 12:58 GMT+1 Uhr
Oliver Kahn hat am Dienstag seinen ersten öffentlichen Auftritt als Vorstand des FC Bayern München mehr als souverän gemeistert. Der einstige Weltklasse-Torhüter, der 2008 seine Karriere beendete, hat eine beachtliche Wandlung hinter sich, die klarmacht, warum nur er der neue starke Mann in der Post-Hoeneß-Ära werden kann. Gleichzeitig bringt diese eine wichtige Erkenntnis mit sich. Ein Kommentar.
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Oliver Kahn hat sich eindrucksvoll beim FC Bayern München zurückgemeldet. Als am Dienstag die ersten Worte in seinem neuen Amt als Vorstandsmitglied gesprochen, die Fragen der Presse beantwortet waren, seine offizielle Präsentation in der Allianz Arena beendet war, gingen seine beiden Daumen noch einmal kurz nach oben. Top gelaufen.
Der 50-Jährige überzeugte auf ganzer Linie: Seine Aussagen waren klar, wohl überlegt, sowohl fundiert als auch zielorientiert. Sogar gelächelt und laut gelacht hat der als Spieler so unnahbar wirkende "Titan".
"Druck!", presste er ins Mikro als Antwort hervor, als er gefragt wurde, wie er mit den durchaus beachtlichen Vorschusslorbeeren von allen Seiten umgehe - und amüsierte sich köstlich. Ihm kann niemand etwas vormachen - diesen souveränen Eindruck erweckte Kahn durchgängig. Hohe Erwartungen waren für ihn schon immer pure Motivation.
Der Mensch Kahn hat sich verändert
Was sich nach seiner aktiven Karriere dennoch geändert hat, ist der Mensch Kahn. Früher isoliert, im Tunnel, allein zwischen den Pfosten, fokussiert, aggressiv, oft abweisend - jetzt offen, smart und eher taktierend als emotional. Er werde nicht durch einen Meeting-Raum grätschen, sagte er mit einem Schuss Selbstironie. Und sofort wird klar, warum Uli Hoeneß ihn unbedingt in den Vorstand holen wollte.
Es wirkt authentisch, wenn Kahn betont, dass er Diskussion zwar hart, aber intern führen, sich um das große Ganze kümmern, den Verein vorantreiben, die DNA weitervererben, Identifikation herstellen und die Erfolgsgeschichte weiterschreiben wolle.
Kahn bringt den Hunger auf Erfolg mit, den die Vorstandsriege des FC Bayern aktuell benötigt. Sieben Meisterschaften in Folge? Das ist für die Ewigkeit, aber acht wären das auch! Kahn orientiert sich immer am Maximum und sieht gleichzeitig, wo dringend nachgebessert werden muss.
Hoeneß hat den Campus, das Nachwuchsleistungszentrum, installiert, in der Amtszeit von Kahn muss dieser weiter mit Leben gefüllt werden. Es ist seine größte Baustelle.
Kahn ist Menschlichkeit besonders wichtig
Neben den sportlichen Erfolgen der Profimannschaft wird er sich - und das ist ihm vollkommen bewusst - daran messen lassen müssen, ob es dem Verein gelingt, wieder Identifikationsfiguren aus der eigenen Schule herauszubilden, die die gleiche Erfolgs-DNA in sich tragen wie Kahn. Denn dann, so Kahn, könne man den Verein gar nicht richtig verlassen.
In Zeiten, in denen andere europäische Klubs mit Millionen nur so um sich werfen, hält Bayern mit Kahn weiter an dem Gedanken fest, sich mit eigenen Spielern ein Stück unabhängiger vom Transfermarkt zu machen.
Es war ein Satz, der etwas unterging, aber Kahn betonte:
Vom Titan zum Teamplayer
Elf Jahre ist es her, dass sich Oliver Kahn als Spieler verabschiedete. Das Feuer lodert weiter im Vulkan und trotzdem ist der Mensch, der am Dienstag auf dem Podium saß, ein anderer geworden. Der Titan will seine Stärken in jeden Bereich bringen. Er ist jetzt ein Teamplayer.
"Was sich verändert, bleibt lebendig", sagte Kahn.
Und dass seine Installierung als Vorstand belebend für den gesamten FC Bayern sein wird, ist nach diesem gelungenen Auftritt die erste Erkenntnis.
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