Verstraete kritisiert 1. FC Köln nach positiven Tests - Klub reagiert
Birger Verstraete hat die Vorgehensweise des 1. FC Köln nach drei Coronafällen im Verein kritisiert. "Wir müssen vorläufig nicht in Quarantäne, das ist schon ein bisschen bizarr. Der Plan war von vornherein, dass wir weiter trainieren, egal, ob die Tests positiv oder negativ sind", sagte der FC-Profi dem belgischen Sender "VTM". Der FC veröffentlichte eine Stellungnahme, Verstraete ruderte zurück.
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Gegenüber dem flämischen Fernsehsender "VTM" hatte Verstraete am Samstag bemängelt, dass er zuletzt in engem Kontakt mit den betroffenen Personen stand.
"Der Physiotherapeut hat mich und andere Spieler wochenlang behandelt. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Kraftraum ein Duo gebildet", sagte er.
"Wir trainieren in zwei Gruppen und du weißt, dass die Jungs dir dabei extrem nah gekommen sind", so Verstraete weiter: "Der Test wurde am Donnerstag um 16 Uhr gemacht, davor waren wir von 9 bis 15 Uhr konstant zusammen. Wir haben uns zusammen fit gehalten, zusammen trainiert. Dieser Test von Donnerstag kann nicht nachweisen, ob ich selbst positiv bin." Deshalb werden beim FC am Sonntag "alle erneut getestet".
Die namentlich nicht bekannten, positiv getesteten Personen hätten keine Symptome gezeigt. "Nicht einmal ein Husten", so Verstraete.
Verstraete äußert sich reflektiert über Coronavirus-Bestimmungen
Die Pläne der DFL, die Bundesliga ab 15. Mai fortzusetzen, bezeichnete der Kölner als "naiv". Seine Freundin habe selbst Herzprobleme und gehöre damit zur Risikogruppe, erklärte er: "Das ist viel wichtiger für mich. Ich will, dass alle gesund sind, bevor wir wieder Fußball spielen."
Das Virus zeige "einmal mehr, dass man es ernst nehmen muss". Er könne sagen, "dass mir der Sinn nicht nach Fußball steht". Wenn der Klub sich dazu entschließe, so weiterzumachen, "dann sollte es ein Signal der anderen Bundesliga-Teams geben, dass das unverantwortlich ist. Zuerst Gesundheit, dann Fußball."
Verstraete weiter: "Wenn jeder Spieler anonym entscheiden könnte - ohne, dass der Verein dir etwas übel nehmen könnte - wäre ich sehr gespannt, wie das Stimmungsbild aussehen würde. Alle sagen das Gleiche: Die Gesundheit der Familie steht an erster Stelle."
1. FC Köln widerspricht Verstraete
Verstraetes Aussagen zogen am Sonntag eine Stellungnahme des 1. FC Köln nach sich.
Der Verein wehrte sich dabei gegen die Darstellung, "der 1. FC Köln habe falsche Angaben über den Trainingsbetrieb am Geißbockheim gemacht" - wohl bezogen auf das Verstraete-Zitat, der Plan sei von vornherein gewesen, "dass wir weiter trainieren, egal, ob die Tests positiv oder negativ sind".
Der Verein stellte klar, dass nach Vorgaben des medizinischen Konzepts der DFL ausschließlich Spieler trainieren und spielen würden, "die durch zwei aufeinanderfolgende negative Tests den Nachweis haben, dass sie mit dem neuartigen Coronavirus nicht infiziert sind".
So werde man dafür Sorge tragen, dass die Spieler vor der geplanten Wiederaufnahme des Trainings am Montag "rechtzeitig erneut getestet" werden.
Wie der Klub das bewerkstelligen wollte, benannte er nicht detailliert.
1. FC Köln: Gesundheitsamt entscheidet über Quarantäne
Im Übrigen würde das zuständige Gesundheitsamt darüber entscheiden, "welcher Personenkreis über den Betroffenen hinaus in häusliche Quarantäne gestellt werden muss". Die zuständige Behörde habe nach den drei positiven Tests am Donnerstag entschieden, "dass der 1. FC Köln das bisherige Konzept fortsetzen kann".
Verstraete wurde in dem Statement wie folgt zitiert:
"Nachdem die drei positiven Fälle in unserem Kreis bekannt wurden, habe ich [in] einem Interview über meine persönlichen Sorgen vor einer Ansteckung meiner Freundin berichtet. Dabei habe ich mich an einigen Stellen falsch ausgedrückt, so dass in der Übersetzung ein missverständlicher Eindruck entstanden ist, der mir leid tut. Statt aus der Emotion heraus ein Interview zu geben, hätte ich den Kontakt zu unserem Arzt suchen und mir meine Fragen erklären lassen müssen. Es lag nicht in meiner Absicht, den zuständigen Behörden oder dem 1. FC Köln Vorwürfe zu machen. Ich fühle mich beim FC wohl und gut aufgehoben. Ich werde weiter im Training und im Spiel beim FC alles geben und möchte die Saison in Köln zu Ende spielen. Meine Freundin, die wegen einer Herz-Vorerkrankung zur Risikogruppe gehört, wird nach Hause nach Belgien fahren und dort erstmal bleiben."
Der Verein hatte sein Statement eingeleitet mit: "Verstraete wird weiter beim 1. FC Köln trainieren und spielen."
Köln plant Quarantäne-Trainingslager
Am Sonntagabend teilte der Klub zudem mit, schon "im Laufe der Woche" und damit früher als im DFL-Konzept vorgesehen, die Mannschaft für ein Trainingslager zusammenziehen.
Das Konzept sieht eigentlich vor, dass alle Teams erst eine Woche vor dem Neustart der Spiele in quarantäne-ähnliche Trainingslager gehen. "Der FC zieht diesen Zeitraum jedoch auf den Beginn des Mannschaftstrainings vor", teilte der Klub mit. Voraussetzung sei, dass die Politik "die Freigabe zur Fortsetzung der Saison gibt".
Bundesliga mit flächendeckenden Coronatests
Am Donnerstag hatten die Klubs der Bundesliga mit flächendeckenden Coronatests begonnen. Diese sind eine Auflage der Deutschen Fußball Liga (DFL) vor der erhofften Fortsetzung des Spielbetriebs ab Mitte Mai. Bei den positiv Getesteten in Köln handelt es sich um zwei Spieler und einen Physiotherapeuten.
Derweil hat sich die Sorge vor weiteren Infektionen in anderen Vereinen Bundesliga zunächst nicht bestätigt. Bayer Leverkusen, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt und Union Berlin vermeldeten, dass alle Tests bei Spielern und Betreuern negativ ausgefallen seien.
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(mit SID)
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