Peter Bosz holte tief Luft, ehe er seine neueste Idee zur Krisenbewältigung vorstellte. Bei ihren Nationalmannschaften, weit weg vom Krisenherd Bayer Leverkusen, sollen seine Spieler die Köpfe freibekommen und die 0:3 (0:3)-Packung in der Fußball-Bundesliga bei Hertha BSC verdauen.
Normalerweise sei eine Länderspielpause problematisch, erklärte Bosz, weil man die Spieler "dann lange nicht sieht". Diesmal sei es jedoch anders, die Trennung auf Zeit könne eine Lösung sein, sagte der Niederländer: "Ich glaube, in unserer Phase ist es gut, dass sich die meisten Spieler mal 14 Tage nicht sehen."
Aus den Worten des Trainers klang freilich auch viel Ratlosigkeit, nachdem alle bisherigen Maßnahmen nicht gefruchtet hatten. Die Karre ist festgefahren, Bosz findet nicht die richtigen Hebel. Nach der starken Hinrunde mit Platz eins am zwölften Spieltag läuft nichts mehr zusammen, in Berlin kassierte sein Team in 2021 die zehnte Niederlage im 17. Pflichtspiel.
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Auch die Leverkusener Spieler klangen resignierend. Alle seien "enttäuscht", verriet U21-Nationalkeeper Lennart Grill, "weil wir heute nicht das gezeigt haben, was wir uns die ganze Woche vorgenommen haben." Abwehrspieler Jonathan Tah ergänzte: "Wir haben nicht so gespielt, wie wir es können. Deshalb sind wir enttäuscht und traurig."

Bayer-Boss Völler spricht Klartext

Leverkusen wirkte bei der Hertha vor allem in der Defensive überfordert. Edmond Tapsoba war ein Ausfall, Kapitän Charles Aranguiz leitete zwei Gegentore ein. Doch anstatt den formschwachen Aranguiz zur Halbzeit aus dem Spiel zu nehmen, holte Bosz Kerem Demirbay vom Platz. "Charly hatte nicht seinen besten Tag, aber mehrere Spieler hatten heute nicht ihren besten Tag", verteidigte sich der Niederländer.
Mit 40 Punkten steht Bayer weiter nur auf Rang sechs, der Rückstand auf die Champions-League-Plätze beträgt schon sieben Punkte. Sportdirektor Rudi Völler hatte bereits in der vergangenen Woche nach dem 1:2 gegen Arminia Bielefeld klargemacht, dass dies nicht der Anspruch des Klubs sei und Bosz damit weiter unter Druck gesetzt.
Doch auch diese Mahnung blieb ohne Wirkung. Bayer erlebte in Berlin einen erneuten Tiefpunkt, nun hält die sportliche Leitung angeblich schon Ausschau nach einem Ersatz für Bosch. Eine Trennung im Sommer scheint möglich, allerdings mangelt es an Alternativen. Der Kicker nennt Lucien Favre, räumt aber auch ein, dass der Schweizer nicht die Fußball-Philosophie von Bayer vertritt.

Bosz gibt nicht auf

Bosz selbst glaubt weiter an seine Chance. Auf die Frage, ob er auch im nächsten Ligaspiel gegen Schalke 04 auf der Bank sitzen werde, sagte der 57-Jährige kurz und entschlossen: "Ja." Er mache sich nur um Ergebnisse Sorgen. "Alles andere kann ich nicht beeinflussen, und das ist für mich auch uninteressant."
Sollte Leverkusen jedoch auch gegen Schlusslicht Schalke patzen und Platz sechs, der zur Teilnahme an der neuen Europa Conference League berechtigt, aus den Augen verlieren, könnte es für Bosz auch schon in der laufenden Saison eng werden.
Denn wie sagte Sportdirektor Simon Rolfes: "Mit unserem Kader ist trotz der vielen Ausfälle ein Jahr ohne Europa nicht vorstellbar."
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