Wenn sich die besten Spieler des Landes in dieser Woche zum Auftakt der WM-Qualifikation bei ihren Nationalmannschaften zusammenfinden, wird Julian Brandt zum ersten Mal seit 2016 im Aufgebot von Joachim Löw fehlen.
Die sportliche Krise des 24-Jährigen rechtfertigt derzeit schlichtweg keine Nominierung für die Landesauswahl. Selbiges gilt im Grunde genommen auch für Thomas Meunier, doch Roberto Martínez, Trainer der belgischen Nationalmannschaft, hatte keine bessere Lösung parat und nominierte den Rechtsverteidiger für die anstehenden Spiele.
Brandt und Meunier teilen dennoch aktuell dasselbe Schicksal - sie stecken tief im Formloch. Immer wieder schenkt ihnen Coach Edin Terzic das Vertrauen, selten bis gar nicht können sie es aktuell zurückzahlen.
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Dabei wäre ein sportliches Lebenszeichen so wichtig. Vor allem im Hinblick auf die Europameisterschaft im kommenden Sommer, aber auch in Anbetracht des bevorstehenden Umbruchs beim BVB.

Brandt und Meunier: Opfer des kommenden Umbruchs?

Mit Marco Rose übernimmt zur neuen Saison der eigentliche Nachfolger von Lucien Favre. Interimscoach Terzic, der den BVB seit dem Rauswurf des Schweizers übernahm und spürbar stabilisierte, rückt dann wieder ins zweite Glied.
Wie schon beim Wechsel von Jürgen Klopp zu Thomas Tuchel und zwei Jahre später von Tuchel zu Peter Bosz, wird auch der Beginn der Ära Rose mit weiteren personellen Veränderungen einhergehen.

Thomas Meunier (links; Borussia Dortmund) im Zweikampf mit Robert Lewandowski (FC Bayern)

Fotocredit: Getty Images

Das liegt in der Natur der Sache, schließlich treten Trainer neue Stationen traditionell mit eigenen Wünschen und Vorstellungen an. Gemeinsam mit der sportlichen Leitung wird dann entschieden, ob - und falls ja - welche Spieler im System Rose entbehrlich sind.
Es deutet vieles daraufhin, dass im Zuge dieser Gespräche auch die Namen von Brandt und Meunier fallen könnten.

Thomas Meunier: Bislang eine große Enttäuschung

Vor allem der Belgier schaffte es seit seiner Ankunft in Dortmund nicht, seine Klasse nachhaltig unter Beweis zu stellen. Im Sommer wechselte er als heimlicher Königstransfer ablösefrei von Paris Saint-Germain zu Schwarz-Gelb und wurde unter Lucien Favre umgehend zum Stammspieler.
Der 29-Jährige schaffte es jedoch nicht im Ansatz, den Abgang von Shootingstar Achraf Hakimi, der in den Jahren zuvor die rechte Verteidigungsseite beackerte, zu kompensieren. Dabei sollte der Belgier im Vergleich zum sehr offensiv gepolten Marokkaner vor allem defensiv einen deutlichen Mehrwert bieten. Tut er aber nicht.

Thomas Meunier von Borussia Dortmund

Fotocredit: Imago

Meunier fällt, so deutlich muss man es leider sagen, bislang durchweg negativ auf. Teils verheerende Patzer im Pass- sowie Stellungsspiel kosteten die Dortmunder schon mehrfach Punkte und sorgten für wildes Haareraufen bei Fans und Verantwortlichen. Erst am Samstag verschuldete er beim 2:2-Remis in Köln das zwischenzeitliche 1:2 durch Ismail Jakobs mit einer verstolperten Ballannahme.

Meunier: Altbekannte Flankenproblematik

Zudem bleibt Meunier auch in der Offensive bislang blass. Seine Flankengenauigkeit, der man schon zu PSG-Zeiten ein ironisches YouTube-Video widmete, hat sich in Dortmund nicht verbessert - im Gegenteil.
Exemplarisch für diese These darf die 25. Minute des Auswärtsspiels in der Münchner Allianz Arena herangezogen werden. Marco Reus hatte Meunier steil in die rechte Strafraumhälfte geschickt, von wo er völlig unbedrängt nur noch an den Fünfer zu Erling Haaland hätte querlegen müssen. Das Zuspiel missglückte jedoch komplett, der BVB erhöhte nicht auf 3:0 und verlor später noch 2:4. Eine magere Vorlage und ein Treffer stehen nach 19 Bundesligaspielen zu Buche.
Längst hat der junge Mateu Morey dem erfahrenen Meunier auf der rechten Seite den Rang abgelaufen. Gegen Köln fehlte der Spanier jedoch verletzt und begünstigte so den nächsten (schwachen) Auftritt des 1,91m-Mannes.

Brandt sucht die Leichtigkeit

Ähnlich gebraucht verläuft die Saison von Brandt - und das, obwohl sich der Regisseur nach einem ersten durchwachsenen Jahr beim BVB so viel vorgenommen hatte.
Gerade einmal drei Tore und eine Vorlage brachte der 24-Jährige in 36 Pflichtspielen aufs Scoreboard. Werte, die keine guten Argumente im Kampf um einen Stammplatz sein können - weder beim DFB noch beim BVB. Dennoch stand Brandt in 26 Bundesligaspielen 15 Mal in der Startelf. Sein ohne Zweifel großes Potenzial rief er aber in keinem dieser Spiele ab.
Vielmehr ist dem ehemaligen Leverkusener die Verunsicherung bei jeder Aktion anzumerken. Brandt gilt als technisch versiert, verstolpert jedoch reihenweise Bälle mit dem ersten Kontakt. Oft wirkt sein Spiel zu kompliziert - Brandt will das Besondere, doch es fehlt die nötige Leichtigkeit.

Julian Brandt - Borussia Dortmund

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Gegen Köln nahm Terzic ihn zur Halbzeit runter, nachdem er nur 70 Prozent (55 Prozent in der gegnerischen Hälfte) seiner Bälle zum Mitspieler brachte. Der schwächste Wert aller BVB-Spieler.
Die "Bild" berichtete im Zuge der Nominierung Löws für die anstehenden Länderspiele bereits darüber, dass der BVB über einen Verkauf des gebürtigen Bremers nachdenke. Die Forderung soll bei der Summe liegen, die man 2019 für ihn nach Leverkusen überwies: 25 Millionen Euro.

Giovanni Reyna: Erste schwierige Karriere-Phase

Über einen Verkauf des 18-jährigen Giovanni Reyna wird hingegen nicht diskutiert werden, auch wenn die Saison des US-Amerikaners nach gutem Start ins Stocken geriet.
Als der 18-Jährige beim 3:0-Sieg zum Saisonauftakt gegen Borussia Mönchengladbach das erste Saisontor des BVB erzielte und zwei Spieltage später beim 4:0 gegen den SC Freiburg gleich drei Treffer auflegte, sprach vieles für die große Durchbruchsaison des Offensivtalents.
Ein gutes halbes Jahr später muss man konstatieren: Der große Durchbruch blieb aus. Reyna steckt zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere in einer Phase, in der die Dinge nicht wie selbstverständlich funktionieren. Eine solche Dürreperiode in jungen Jahren ist normal und kein Grund zur Beunruhigung.

Giovanni Reyna

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Reyna, dessen Vertrag die Dortmunder erst im November vorzeitig bis 2025 verlängerten, wird genügend Zeit bekommen, sich nach und nach aus seinem Leistungsloch herauszuarbeiten. Wie das gelingen kann, zeigte zuletzt Kumpel Jadon Sancho.
Auch der Engländer kam in der Hinrunde monatelang nicht in Fahrt, arbeitete sich jedoch mit eiserner Disziplin zurück zu alter Leistungsstärke. Hält sich Reyna ans Beispiel seines Kollegen, dürfte auch bei ihm der Knoten bald platzen.
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