Damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Nur 1:1 gegen Bremen. Den Gegner, der in den vergangenen 24 Partien gegen den FC Bayern nie gewinnen konnte.

Diese Serie hielt man - aus Sicht des Rekordmeisters - zwar aufrecht, der fest eingeplante Sieg wurde aber verpasst. Am Ende hatten die Münchner sogar Glück, dass Werder keine der guten Chancen in der Schlussphase zum Siegtreffer nutzte.

Bundesliga
Überraschung in München! Bayern verliert Punkte gegen Bremen
21/11/2020 AM 16:26

"Bremen hat über das ganze Spiel diszipliniert verteidigt", analysierte Thomas Müller. Kapitän Manuel Neuer bemängelte die geringe Zahl hochkarätiger Torgelegenheiten. Seine Mannschaft verzeichnete fünf davon. "Normalerweise haben wir doppelt so viele", befand der Torhüter.

Was uns sonst noch auffiel:

1.) Reifeprüfung nicht bestanden

Es wäre zu billig, das über weite Strecken ziemlich uninspirierte Spiel des FC Bayern auf die Abwesenheit eines Spielers herunterzubrechen. Das Fehlen Joshua Kimmichs aber war gegen mutige Werderaner an allen Ecken und Enden zu merken.

Eher behäbiges Aufbau- und Umschaltspiel in der Offensive, stand eine eklatante Anfälligkeit bei schnellen Gegenstößen des Gegners entgegen. Es schien, als habe die Mannschaft des Tabellenführers ihr Metronom verloren.

Natürlich waren viele Spieler unter der Woche bei Länderspielen unterwegs. Auch ist der Zeitplan eng getaktet und Verschnaufpausen rar gesät. Und doch machte sich der verletzungsbedingte Ausfall des Schlüsselspielers Kimmich überraschend deutlich bemerkbar.

Die daraus resultierende Flickschusterei in der Startformation hinderte das Starensemble von der Isar ganz offensichtlich daran, in den gewohnten Groove zu finden.

Trainer Flick hatte Routinier Javi Martínez auf die Sechs gestellt und Startelfdebütant Jamal Musiala zu Thomas Müller in die offensive Zentrale geschoben. Leon Goretzka kam früh in die Parte und nahm Martínez' Rolle ein, der in die Innenverteidigung rutschte.

Neuzugang Marc Roca - den viele erwartet hatten - blieb 90 Minuten lang auf der Bank.

"Wenn ich mich über einen Spieler positiv äußere, heißt das nicht, dass er eine Stammplatz-Garantie hat", reagierte Coach Flick nach dem Schlusspfiff auf eine Nachfrage zum neuen Spanier, dessen Trainingsleistung er unter der Woche explizit gelobt hatte, dann doch etwas kurz angebunden. Martínez sei eben "länger im Verein, kennt die Rolle. Für ihn ist es die optimale Position", meinte der 55-Jährige.

"Joshua wird immer fehlen, weil er ein sehr wichtiger Spieler für uns ist", analysierte Flick noch. Trotzdem sollte ein kimmichloser FC Bayern ein Heimspiel gegen Werder Bremen unter normalen Umständen gewinnen. Auch das weiß Flick.

Er wird daran arbeiten, dass sich sein Team unter den gegebenen Umständen weiterentwickelt, reift. Schon am Mittwoch bietet sich dazu die nächste Gelegenheit. In der Champions League ist dann der FC Salzburg zu Gast.

FC Bayern München gegen den SV Werder Bremen

Fotocredit: Getty Images

2.) Schon wieder ein linker Haken

Irgendwie passt das im Moment nicht mit dem FC Bayern, seinen Linksverteidigern und diesen Heimspielen. Beim letzten Auftritt der Roten in der Allianz Arena, dauerte es keine 60 Sekunden, da verletzte sich Alphonso Davies. EIn harter Treffer war das, sozusagen ein linker Haken.

Gegen Bremen nun, knapp einen Monat später, hielt Lucas Hernández als linker Part der Kette zwar 18 Minuten länger durch. Auch der Spanier musste aber früh raus - verletzt.

"Lucas ist mit dem Becken mit voller Wucht auf dem Boden gelandet", beschrieb Flick das verhängnisvolle Kopfballduell seines Spielers mit Theodor Gebre Selassie. "Er wird untersucht, morgen wissen wir mehr. Wenn er ausfällt, würde es eng werden."

Kreativ müsse er dann werden, schob der Triple-Coach noch nach und traf damit den Nagel auf den Kopf.

Gegen Werder hatte Flick seinen Abwehrchef David Alaba nach links gezogen. Ob dies seine bevorzugte Variante ist, wird sich zeigen. Auch Neuzugang Bouna Sarr, der gegen Salzburg wieder fit sein dürfte, könnte links verteidigen.

Flick jedenfalls will nicht jammern. Das betonte er nach dem Werder-Remis nicht zum ersten Mal. "Wir haben genügend Spieler, das ist ganz eindeutig", sagte er. "Wir lassen uns nicht einreden, dass es jetzt zu viel des Guten ist."

Auch diesen linken Haken will Flick abwehren. Den ersten hatte er gekonnt mit vier Siegen in Serie gekontert. Bis Bremen kam.

Lucas Hernández verletzte sich gegen Bremen

Fotocredit: Getty Images

3.) Die sechs Backpfeifen glühen noch nach

Unter der Woche erlitt die deutsche Nationalmannschaft die höchste Pleite seit 1931. 0:6 verlor das Team von Joachim Löw in Spanien. In der Startelf: fünf Spieler des FC Bayern.

Und obwohl weder Neuer noch Süle, Gnabry, Goretzka oder Sané im unmittelbaren Nachlauf des Spiels einen besonders angeschlagenen Eindruck machten und auch nach ihrer Rückkehr nach München unbeeindruckt trainierten, scheint die Schmach von Sevilla noch nachzuhallen.

"Natürlich haben die Jungs solche Spiele noch nicht oft oder gar nicht erlebt, aber sie sind Profis genug. Ich mache mir keine Sorgen", hatte Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic vor dem Spiel vermutet. Dann aber stand nur Neuer in der Startelf.

Goretzka, Sané und Gnabry kamen dann zwar noch rein, Berge versetzten das Trio aber nicht.

"Man leidet natürlich mit seinen Mitspielern im Verein und den früheren Nationalmannschaftskollegen sowie den Zuschauern mit", versuchte sich ausgerechnet der von Löw aussortierte Thomas Müller als Tröster.

"Der deutsche Fußball-Fan sehnt sich danach, dass es wieder gut läuft. Zurzeit ist sehr viel Negativität um das Thema herum, das tut einem schon weh", schob er noch nach. Der Ur-Bayer wird in den kommenden Tagen versuchen, seine Kollegen wieder komplett aufzurichten. Er braucht sie.

Ob er selbst in die Nationalmannschaft zurückkehren könnte, ließ Müller offen. Seine Konzentration gelte dem Verein. Aber, "wie gesagt, keiner von uns (Müller, Hummels und Boateng - A.d.R.) ist zurückgetreten..."

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