Auf der Jahreshauptversammlung wurde BVB-Boss Hans-Joachim Watzke gefragt, wann der BVB denn Marco Reus endlich verkaufen werde. Seine Antwort musste sich der 61-Jährige nicht lange zurechtlegen.

"Marco Reus ist unser Kapitän und hat als BVB-Urgestein eine ganz wichtige Funktion für unseren Klub", unterstrich der Geschäftsführer dessen Wichtigkeit mit Nachdruck und nahm ihn anschließend in Schutz: "Man muss jemandem, der sieben Monate raus war, die Zeit geben, in eine Top-Verfassung zu kommen."

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Dass Reus nach Verletzungen zurückkommen kann, ist hinlänglich bekannt. In seiner Zeit beim BVB zählt der 31-Jährige mittlerweile über 1000 Fehltage. Jedes Mal, auch nach monatelangen Abstinenzen, kam Reus zurück - häufig stärker als zuvor.

Der Hashtag #ComebackStronger, den Sportler in sozialen Netzwerken gerne im Zusammenhang mit einer eigenen oder Verletzungen von befreundeten Athleten benutzen, er könnte der Titel einer zukünftigen Biografie des Offensivallrounders sein.

Reus’ große Qualität: Formaufbau

Aktuell braucht der BVB-Kapitän einen Moment länger, um nach seiner letzten gut sechs Monate dauernden Rehabilitationsphase wieder in Topform zu kommen. Daraus die Notwendigkeit eines Verkaufs abzuleiten, ist zu billig. Die große Stärke des Marco Reus ist der Formaufbau - der mit 31 Jahren eben ein paar Wochen länger andauern kann.

Beim BVB weiß man das - und trotzdem ist Reus schon jetzt wieder der Mann für die wichtigen Momente. Nicht ohne Grund brachte Trainer Lucien Favre ihn im bisher größten Saison-Spiel gegen den FC Bayern (2:3) von Beginn an. Nicht ganz untypisch war es der Kapitän, der zum zwischenzeitlichen 1:0 traf.

Erling Haaland (links) und Marco Reus - Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

In seiner Zeit beim BVB habe Reus "bestimmt 50 Mal das wichtige 1:0 gemacht", sagte Watzke auf der Jahreshauptversammlung. Ob der Geschäftsführer wusste, dass er mit seiner als Schätzung verpackten Aussage exakt richtig lag, ist nicht bekannt. Bei der Heimniederlage gegen den FC Bayern traf Reus jedoch in der Tat zum genau 50. Mal und zum zweiten Mal in dieser Saison zum 1:0 für Schwarzgelb.

Die Qualität des "Dosenöffners" ist also schon längst wieder da.

Marco Reus: Sportlich beim BVB unantastbar

Es mag so aussehen, als sei Reus inzwischen von der Jugend überholt worden. Das ist in gewisser Weise auch richtig. Jadon Sancho und Giovanni Reyna sind die neuen Fixpunkte in der Offensive, beide spielen unter Favre bisher in fast jedem Spiel. Im Sturmzentrum ist Tormaschine Erling Haaland gesetzt.

Reus' Rolle hat sich geändert, er wird häufiger aussetzen oder von der Bank kommen, doch entbehrlicher ist er deshalb nicht. Watzke ist sich sicher, dass Reus auch in der Zukunft "für den BVB noch deutlich wichtig sein und seine sportliche Qualifikation steht für mich völlig außer Frage. Wir sind sehr froh, dass er für den BVB spielt."

Lucien Favre, Marco Reus - Borussia Dortmund vs. FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

In 278 Spielen für den BVB war der Nationalspieler an 215 Treffern direkt beteiligt. Nur wenige Spieler in der Bundesliga haben die Zehnerjahre so konstant auf hohem Niveau geprägt wie der 31-Jährige, der 2012 und 2019 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gekürt wurde.

Reus: Für Dortmund mehr als nur Sportler

Für den BVB ist Reus längst nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz von immensem Wert. Als gebürtiger Dortmunder identifiziert er sich wie kaum ein anderer Spieler mit dem Verein und seiner Heimatstadt.

Die sportlichen Qualitäten des 44-fachen Nationalspielers hätten mit Sicherheit gereicht, um zu noch größeren Klubs zu wechseln, die eigene Marke noch weiter auszuschlachten und letztlich auch mehr Titel zu gewinnen - doch Reus blieb. Aus Verbundenheit zu seiner Heimat.

Ende März startete der junge Familienvater das Projekt "Help Your Hometown". Eine Spendenaktion, die gezielt kleine und mittelständische Unternehmen in Dortmund unterstützt, die durch das Coronavirus keine Chance hätten, wirtschaftlich zu überleben.

Die Familie Reus selbst startete das Projekt mit einer Spende von 500.000 Euro.

Reus' Wert für Verein, Stadt und Region ist eben nicht nur rein sportlicher Natur. Und deshalb wird er aufgrund einer fußballerischen Schwächephase auch ganz sicher nicht zum Verkaufskandidaten.

Der BVB wird sich von Reus nur dann trennen, wenn das der ausdrückliche Wunsch des Spielers ist.

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