Wenn sich in einigen Jahren an die historische zweite Triplesaison des FC Bayern zurückerinnert wird, werden vor allem zwei Spieler im Mittelpunkt stehen.
Es wird einem Robert Lewandowski in den Sinn schießen. Der Pole drückte der Spielzeit mit wettbewerbsübergreifend 57 Treffern in 50 Spielen seinen Stempel auf und verdiente sich die Auszeichnung "Weltfußballer des Jahres".
Doch mindestens genauso wichtig für die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte des deutschen Rekordmeisters war Joshua Kimmich. Wird Hansi Flick, wie für Chef-Trainer so üblich, als Vater des Erfolgs bezeichnet, ist Kimmich im übertragenen Sinne der älteste Sohn.
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Derjenige eben, dem die Verantwortung auf dem Platz übertragen wird. Derjenige, der, um im Bild zu bleiben, seine Brüder an die Hand nimmt und alle mitreißt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Kimmich ist der Bayern-Boss.

Kimmich: Bayerns absoluter Fixpunkt

Was Manuel Neuer im Tor, David Alaba in der Viererkette und Robert Lewandowski im Sturm ist, das ist Joshua Kimmich im Mittelfeld des FC Bayern - und vielleicht sogar noch ein Stück mehr.
Denn Kimmich darf getrost schon jetzt als einer der größten Mittelfeldspieler in der Geschichte des deutschen Rekordmeisters bezeichnet werden. Es fühlt sich komisch an, diese Zeilen über einen gerade einmal 26-jährigen Fußballer zu schreiben, der, so Gott bewahre, noch nicht einmal 50 Prozent seiner aktiven Karriere hinter sich hat.
Doch schaut man sich die vergangenen fünfeinhalb Jahre an, die der gebürtige Rottweiler inzwischen das Trikot des Rekordmeisters trägt, lässt sich sein enormer Stellenwert für den Verein nicht wegdiskutieren.
Schon jetzt steht er sportlich auf einer Stufe mit seinem Vorgänger, dem bajuwarischen Fußballgott Bastian Schweinsteiger. Der mittlerweile 36-Jährige weiß, worauf es ankommt.

Joshua Kimmich (FC Bayern) im Klub-WM-Finale gegen Tigres UANL

Fotocredit: Getty Images

Kimmich jetzt schon "bossiger" als Schweinsteiger

"Auf die Position bezogen ist es sicher Joshua Kimmich", antwortete Schweinsteiger im Herbst 2020 im Interview mit dem "Kicker" auf die Frage nach seinem Nachfolger beim FC Bayern. "Aber als Typen sind es Manuel Neuer, Thomas Müller und David Alaba, die die Kommandos geben.“
Auch wenn Thomas "Radio" Müller und Abwehrchef Alaba die Hauptkommunikatoren auf dem Feld sind, so hat Schweinsteiger nur bedingt recht, wenn er sagt, dass die Kommandos andere geben. In der Corona-Zeit ist deutlich zu hören, dass auch Kimmich viel spricht, seine Zentrale mit Worten und Gestiken dirigiert. Schon jetzt wirkt der Nationalspieler bossiger als sein Vorgänger.
Kimmich spiele "konstant auf gutem Niveau", lobt Schweini weiter. "Er ist nicht ehrgeizig, sondern überehrgeizig" und habe sich dadurch "zu einer ganz wichtigen Figur im Bayern-Spiel entwickelt."

Kimmich vereint Eigenschaften mehrerer Bayern-Legenden

Kimmich zeichnet ein schier unbändiger Erfolgshunger, gepaart mit einem strotzendem Selbstbewusstsein aus. Niederlagen akzeptiert der Mittelfeld-Allrounder nicht - oder anders: Kimmich verkörpert die Bayern-DNA wie kaum ein anderer.
Ob er bereits wichtiger für die Münchner ist, als es Schweinsteiger je war, lässt sich schwer sagen. Es finden sich Argumente dafür, aber auch dagegen. Fakt ist, dass er eine Art Weiterentwicklung seines Vorgängers ist, weil er gleich mehrere Eigenschaften früherer Bayern-Leader in sich vereint.
Kimmich verbindet die Eleganz Schweinsteigers mit der Aggressivität eines Stefan Effenbergs oder Mark van Bommel. Diese Mischung macht ihn zum filigranen Mentalitätsmonster, zum feinfüßigen Aggressive-Leader.
Ein Typ eben, der jeder Mannschaft der Welt guttut.

Joshua Kimmich (rechts) bejubelt den Treffer von Robert Lewandowski im Klub-WM-Halbfinale gegen Al Ahly

Fotocredit: Getty Images

Die Hoffnungen einer ganzen Nation

Genau das wird sich auch Bundestrainer Joachim Löw denken, wenn er im Hinblick auf die anstehende Europameisterschaft im Sommer 2021 Bayernspiele im Stadion verfolgt.
Denn auch im DFB-Team führt kein Weg am 26-Jährigen vorbei, Kimmich ist das Herzstück im Mittelfeld und zusammen mit Kapitän Neuer und Stürmer Gnabry der aktuell wohl einzig unangefochtene Stammspieler.
Im Hinblick auf Löws wahrscheinlich letztes großes Turnier als Bundestrainer ruhen auf dem Leader damit auch die EM-Hoffnungen. Um große Turniere zu gewinnen, hat es immer auch große Anführer gebraucht.
Das Kimmich ein solcher ist, hat er die letzten Monate eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Übrigens auch außerhalb des Spielfeldes.
Erst kürzlich wurde der Triplesieger zusammen mit seinem Kumpel und Mannschaftskollegen beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft, Leon Goretzka, mit dem Fair-Play-Preis 2020 des deutschen Sports in der Kategorie "Sonderpreis" für ihre Aktion "We Kick Corona" ausgezeichnet worden.
Es ist eben das Komplettpaket, das Kimmich so besonders macht.
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